Ehrenkirchen

Spedition Karl Dischinger investiert in neue Halle

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Fr, 05. Juni 2015 um 14:35 Uhr

Ehrenkirchen

Die Spedition Karl Dischinger investiert einen siebenstelligen Betrag in eine neue Halle im Ehrenkirchener Gewerbegebiet Niedermatten. Erst im vergangenen Jahr hat das Familienunternehmen das Gebäude des Naturarzneiherstellers Hübner übernommen. Nun soll direkt daneben eine weitere große Halle hochgezogen werden. Dafür musste die Gemeinde sogar den Bebauungsplan des Areals ändern.

Noch steht das Gras hüfthoch auf dem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem demnächst gebaut werden soll. Rings herum fahren derweil die Lastwagen umher. Große Vierzigtonner sind darunter , beladen mit den unterschiedlichsten Waren, die sie quer durch Europa fahren. Kroatien, Lettland, Spanien – es gibt kaum ein Land, in dem man nicht auf die grünen LKWs des Ehrenkirchener Unternehmens treffen könnte.

Als Firmenchef Karl Dischinger 1974 das Speditionsunternehmen von seinem Vater übernahm, hatte er ganze zehn Fahrzeuge im Einsatz. Heute sind es um die 100. Rund 200 Fahrer sind bei Dischinger unter Vertrag, die Firma hat Dependancen in Hamburg, Weinheim, am Baden-Airpark, dem österreichischen Graz und dem ungarischen Kecskemet.

Ein immer wichtigeres Standbein stellt der Transport von Pharmaprodukten für das Familienunternehmen dar. Sogar eine eigene Apothekerin ist bei Dischinger mittlerweile angestellt, um die ordnungsgemäße Lagerung und den Transport der oft temperaturempfindlichen Arzneistoffe sicherzustellen. "Wenn mir jemand vor 15 Jahren gesagt hätte, dass im Jahr 2015 eine Apothekerin bei uns arbeitet – den hätte ich für verrückt erklärt", sagt Firmenchef Karl Dischinger lachend.

Die Logistik für Pharmaunternehmen zu übernehmen, heißt nicht nur Tabletten von einem Ort zum anderen zu fahren. Alleine die Lagerung erfordert einen großen Aufwand. Die Lagerhalle, die bis Anfang des vorigen Jahrs noch zu Hübner gehörte, besteht aus zwei Teilen. Im einen muss eine permanente Temperatur zwischen 15 und 25 Grad herrschen, im heruntergekühlten zweiten Teil sind es zwei bis acht Grad. Auch auf den LKWs, mit denen die Medikamente dann quer durch Europa gefahren werden, müssen die gleichen Bedingungen herrschen.

Dischinger genießt offenbar einen guten Ruf in der Branche – denn bereits nach etwas über einem Jahr sind die 2014 hinzugekauften Flächen schon wieder zu klein, weshalb nun die neue Halle hinzugebaut werden soll. 4500 Quadratmeter soll das Gebäude groß und 16 Meter hoch werden – und eine rechteckige Struktur, also kein abgewinkeltes Dach, haben.

Sogar Autos werden bei

Dischinger verpackt

Doch ein solcher kubusförmiger Bau ist an dieser Stelle eigentlich nicht vorgesehen. Obwohl das Grundstück nur vier Meter von Dischingers Firmenareal entfernt liegt, galt dort bislang ein anderer Bebauungsplan. Und dieser sah vor, dass alle dortigen Gebäude eine Dachschräge haben müssen. Die wäre für Dischinger aber mit einem Verlust an Lagerfläche einhergegangen. Er schätzt, dass er rund 20 Prozent weniger Regale dort hätte unterbringen können. Also nahm sich der Gemeinderat des Themas in seiner jüngsten Sitzung an und änderte in einem einstimmigen Beschluss den dortigen Bebauungsplan, um dem Betrieb das groß angelegte Bauvorhaben zu ermöglichen.

Der Speditionsunternehmer nimmt dafür ordentlich Geld in die Hand. Einen siebenstelligen Eurobetrag investiert Dischinger in die neue Halle. Genauere Angaben möchte er derzeit nicht machen, schiebt aber nach, dass sich durch den Neubau auch die Zahl der Beschäftigten erhöhen wird. Zwischen 15 und 25 neue Arbeitsplätze würden durch den Neubau geschaffen, betont der Firmenchef.

Schon jetzt ist Karl Dischinger der größte Arbeitgeber in Ehrenkirchen – und weit mehr als nur ein Transportunternehmen. Die Logistik ist mittlerweile der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland, hinter dem Automobilsektor und der Lebensmittelindustrie und bedeutet weit mehr als nur Waren von A nach B zu bringen. Hinzu kommt, dass bei Dischinger Waren auch umverpackt und umportioniert werden, so dass sie gleich in den Läden zum Verkauf kommen können. Die Papp-Aufsteller mit Schokolade, die man aus den Supermärkten kennt, werden so bei Dischinger befüllt und können direkt aus dem Lastwagen im Geschäft aufgestellt werden.

Manche Dinge, die bei Karl Dischinger neu verpackt werden, verwundern auf den ersten Blick. Autos etwa. Aber es ist tatsächlich so, dass bei Dischinger oft fast fertige Autos angeliefert werden, bei denen nur der Motor, die Achsen und die Räder fehlen. Das Logistikunternehmen schraubt sie dann auseinander, verpackt die einzelnen Teile und verschifft sie nach Süd- und Südostasien. Für die Hersteller ist es nämlich steuerlich günstiger, Einzelteile zu exportieren als fertige Fahrzeuge.

Das Verpacken von Autos geschieht nicht in Ehrenkirchen, sondern am Baden-Airpark bei Baden-Baden. Am Fuße des Batzenbergs ist Dischinger hauptsächlich für temperaturempfindliche Güter wie Lebensmittel und eben Pharmaartikel zuständig. Beides seien Wachstumszweige, betont Dischinger, der die Investition in die neue Halle auch als klares Bekenntnis zum Standort Ehrenkirchen verstanden wissen will. Er möchte ein bestelltes Feld hinterlassen. Denn Dischinger wird bald 65 Jahre alt. Im kommenden Jahr möchte er an seinen Sohn übergeben. Der heißt – so wie alle Männer in der Familie – auch Karl. Die Erfolgsgeschichte der Spedition Karl Dischinger kann also weitergehen.