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23. Juni 2009 18:37 Uhr

BZ-Interview

Spickmich.de: Ein Freiburger Oberstudienrat zum Urteil

Der BGH hat entschieden, dass Lehrer weiterhin auf dem Schülerportal spickmich.de benotet werden dürfen – unfair oder wertvoll? BZ-Redakteur Stefan Hupka hat bei Rainer Kügele (38), Oberstudienrat am Freiburger Rotteck-Gymnasium, nachgehakt.

  1. Spickmich.de: Laut BGH-Urteil dürfen Schüler weiter Lehrer auf dem Portal benoten. Foto: dpa

BZ: Herr Kügele, hatten Sie sich ein anderes Urteil erhofft?
Kügele: Ja. Eines für mehr Persönlichkeitsschutz. Das geht ja Schülern genauso, wenn auf SchülerVZ Hässliches über sie steht. Zu wissen, dass das da steht und man es nicht wegbekommt, ist eine Qual.

BZ: Es gibt Buch- und Restaurantkritik, Journalisten bekommen Leserbriefe. Muss nicht jeder, der sich in die Öffentlichkeit begibt, Kritik vertragen können?
Kügele: Richtig. Im Rahmen der Teilöffentlichkeit, in die der Lehrer sich begibt, soll er sich auch kritisieren lassen müssen – und das ist seine Schulklasse.

BZ: Wie sollte das am besten geschehen?
Kügele: Etwa mit Fragebögen zum Schuljahresende, wie wir sie bei uns haben.

BZ: Darf man die anonym beantworten?
Kügele: Natürlich! Wir wollen ein ehrliches und angstfreies Feedback. Aber Ansporn kann es für Lehrer nur sein, wenn es nicht gleich jeder mitliest.

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BZ: Die Spickmich-Leute sagen, sie wollten nur "Waffengleichheit" herstellen.
Kügele: Was haben denn "Waffen" hier verloren? Ich halte diese Webseite für eine ganz billige Methode, Minderjährige als Kunden zu fangen, auch Kunden der Werbung, die dort geschaltet wird.

BZ: Kamen Sie selbst dort schon vor?
Kügele: Ja, damit konnte ich leben. Aber ich fürchte, schlechte Kritik dort schwächt Kollegen, die eigentlich Stärkung brauchen, und das auch noch durch Informationen, die für sie nutzlos sind.

Autor: hup