Spiel mit Gegensatzpaaren auf hohem Niveau

Frank Berno Timm

Von Frank Berno Timm

Di, 19. Januar 2010

Waldkirch

"Durchsicht" im Waldkircher Georg-Scholz-Haus: Werke von Nora Jacobi und Jürgen Burkhart / Tilo Wachters Musikkunst.

WALDKIRCH. Es ist mehr als nur eine Erwähnung wert: Die Vernissagen im Georg-Scholz-Haus scheinen auch im neuen Jahr ein gewichtiger Anziehungspunkt zu sein. Der Zuspruch – mit wechselnden und vertrauten Gesichtern gleichermaßen – ist enorm. Die Vernissage zur Ausstellung "Durchsicht" mit Malerei von Nora Jacobi und Objekten von Jürgen Burkhart darf überdies als besonders gelungenes Beispiel solcher Veranstaltungen verstanden werden.

Und das hatte Gründe, die nicht nur mit der ausgestellten Kunst zu tun haben. Einer war die Musik: Tilo Wachter (Hang, Gesang) wusste zu verzaubern. Der Hang (vom schweizerdeutschen Wort für Hand) ist ein Schlaginstrument, gespielt mit den Händen. Der Klang erinnert an eine Steel-Drum. Wachter erzeugte Spannung durch wechselnde Tempi, machte Intervalle, Obertöne hörbar, sang zu seinem Instrument. Was für eine Musik: Voller Sehnsucht und nicht ohne Traurigkeit. Das Publikum reagierte völlig zu Recht mit Begeisterung.

Rainer Höll beließ es nicht bei einfachen Begrüßungsworten. Er bezweifelte die Aussage eines Feuilletons, der Kanon sei am Ende. Der Kunstforum-Vorsitzende rief einmal mehr dazu auf, hinzusehen. Höll kritisierte "everything goes" oder "banality as savior" – "damit können wir uns nicht anfreunden". Er erinnerte an die hauseigenen Kunst-Maßstäbe fürdsd Georg-Scholz-Haus: regional, professionell, gesellschaftskritisch und gut müsse sie sein. "Leider", fügte Höll hinzu, "ist "gut’ das letzte Kriterium geworden", es gehöre aber an den Anfang.

Dritter Grund für den gelungenen Vormittag war die kluge Einführung von Antje Lechleiter. Die Werke der beiden Künstler verstärkten sich gegenseitig. Nora Jacobi zeige Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren mit Akzent auf 2009. Ihre Bilder seien heiterer und farbiger geworden, Natur als Auslöser trete in den Hintergrund. Jürgen Burkhart, ihr bislang nur als Maler bekannt, habe sich aber nicht allzu weit von seinen Bildern entfernt. Es gehe um die bildhafte Qualität von Natur, das Spiel mit Gegensatzpaaren, die Auseinandersetzung von strenger geometrischer Form und Natur – eingefasst in die "unbunten" Farben Schwarz und Weiß. Seit 2009 bearbeite Burkhart Holz auch mit der Kettensäge: "Fast scheint es, als hätte er den Zeichenstift endgültig aus der Hand gelegt".

Ein guter Vormittag, keine Frage. Viele der Besucher blieben länger. Vielleicht kommt ja dieser oder jene noch einmal wieder? Zu wünschen wäre es Nora Jacobi und Jürgen Burkhart allemal.

Ausstellung: "Durchsicht" mit Werken von von Nora Jacobi und Jürgen Burkhart im Georg-Scholz-Haus Waldkirch. Geöffnet donnerstags 15 bis 20, freitags und samstags 15 bis 18, sonn- und feiertags 10 bis 13 Uhr (bis 28. Februar). Begleitprogramm: Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr: Kunst im Dialog – Moderation Falko Reusche; Sonntag, 24. Januar, 11 Uhr: Matinée – Kammermusik der letzten 100 Jahre mit "Anprall", Freiburg.


Weitere Informationen: http://www.georg-scholz-haus.de