Spielerische Entführung in eine Traumwelt

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Fr, 12. Oktober 2018

St. Märgen

Cellist Wolfgang Böttcher gibt mit seinen Meisterschülern ein Konzert in St. Märgen, das die Zuhörer begeistert.

ST. MÄRGEN. Ein Konzert alleine mit Celli, geht das? Es geht, und wie! Das bewies Professor Wolfgang Böttcher, der mit seinen sieben Meisterschülern zu einem spätnachmittäglichen Event in die Kirche Mariä Himmelfahrt von St. Märgen eingeladen hatte.

Die rund 130 Besucher waren nach dem eineinhalbstündigen Violoncello-Konzert begeistert.
Das Beste bei dieser Veranstaltung kam nach der Pause und vor allem zum Schluss. Völlig befreit spielte das Ensemble um den 82-jährigen Berliner Wolfgang Böttcher als Zugabe einen feurigen Walzer von Johannes Brahms (1833 bis 1897). Zuvor überzeugten die sechs Musiker mit einer Fuge von Joseph Haydns (1732 bis 1809), die mit großer Spielfreude und Musikalität vorgetragen wurde.

Der Höhepunkt war aber sicherlich die Polonaise de Concert, Quartett Op. 14, von David Popper (1843 bis 1913), die Yeosol Lee, Anastasia Ushakova, Paula Madden und Lukas Plag präsentierten. Popper, einer der ganz großen Cellovirtuosen des 19. Jahrhunderts, hatte ein technisch anspruchsvolles, dennoch spielerisch leicht daherkommendes Stück komponiert, das die vier jungen Meisterschüler feurig und schmissig, dabei aber sicher und vor allem im Quartett homogen spielten. Selbst der Meister, der die Studenten eine Woche lang in St. Blasien unterrichtet hatte, war begeistert: "Der Höhepunkt", sagte er und applaudierte mit den Zuhörern.

Welches Potential in den Nachwuchsmusikern, wohl allesamt auf dem Sprung zu Berufsmusikern, steckt, wurde bei den Soli von Werken Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1750) deutlich. Allen voran Fjodor Elesin, der den Part Sarabande (barocker Tanz), Menuett und Gigue (heiterer Tanz) der Suite Nr. 1 G-Dur übernommen hatte. Mit ganz viel Gefühl präsentierte er diese Stücke, fast spielerisch entführte der Cellist in eine Traumwelt. Das gelang auch Lukas Plag bei der Bach´schen Suite Nr. V c-Moll, der virtuos mit seinem Instrument schier Orchestermusik präsentierte, wozu die Umstimmung einer Saite notwendig wird. "Technisch anspruchsvoll, eine großartige Leistung", lobte Böttcher. Lukas Pag war es auch, der mit seiner Oberstimme die Triosonate in B-Dur von Benedetto Marcello (1686 bis 1739) zusammen mit Yeosol Lee und Paula Madden präsentierte. Getragen das Adagio, rhythmisch sicher die schnellen Passagen des Allegro, mit Hingabe gespielt das Largo und wunderbar der Abgesang des Presto. Wunderbar auch das Sextett um Wolfgang Böttcher beim "Ave Maria" von Giuseppe Verdi (1813 bis 1901), wobei beim Schlussakkord die Herzen schmolzen. Mit Zoltán Kodalys (1882 bis 1967) "4 Stücke aus Tricinia" präsentierten der Cello-Meister und seine Schüler ein moderneres Stück mit wunderbar getragenem Dolce, einem feurigen Allegro und dem getragenen Modo Arabico mit seinem fulminanten Ausklang.

Eher gewöhnungsbedürftig, dessen ungeachtet von Denis Zhdanov virtuos und gefühlvoll vorgetragen, war die Sonate für Violoncello solo von G. Ligeti (1923 bis 2006). Das "Locus iste" von Anton Bruckner (1824 bis 1896), mal drei-, mal fünfstimmig vom Böttcher-Sextett vorgetragen, war beeindruckend und von großer Klasse.