Notfälle

Spitalschließung in Bad Säckingen macht sich im Rettungsdienst bemerkbar

Felix Held

Von Felix Held

Fr, 07. Dezember 2018 um 14:14 Uhr

Bad Säckingen

Die Schließung des Spitals Bad Säckingen hat sich spürbar auf die Notfallrettung im westlichen Kreis Waldshut ausgewirkt. Das hat eine Analyse der Firma Berasys ergeben.

Die Schließung des Spitals Bad Säckingen hat sich spürbar auf die Notfallrettung im westlichen Kreis Waldshut ausgewirkt. Das hat eine Analyse der Firma Berasys ergeben. Konsequenz daraus: Die Rettungswache in Wehr soll künftig das ganze Jahr über rund um die Uhr besetzt sein.

In Waldshut wird zudem ganzjährig in der Zeit von 8 bis 20 Uhr ein zusätzlicher dritter Rettungswagen installiert. Außerdem sollen die Anlaufzeiten der Notärzte im Kreis auf von im Schnitt drei auf zwei Minuten verkürzt werden.

Erhöhte Einsatzdauer im Westkreis

Der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Säckingen, Peter Hofmeister, der Leiter der Integrierten Leitstelle im Kreis Waldshut, Patrick Frey und Regierungsdirektor Walter Scheifele vom Landratsamt Waldshut haben die Ergebnisse der Studie am Freitag in Waldshut vorgestellt.

Nach der Schließung des Spitals Bad Säckingen zum Ende des vergangenen Jahres hat sich zwar die durchschnittliche Einsatzdauer im Rettungsdienstbereich Waldshut nicht wesentlich verändert. Das gilt allerdings nicht für die Versorgungsbereiche Bad Säckingen, Laufenburg und Wehr.

Dort ist die mittlere Einsatzdauer nämlich angestiegen und hat dadurch die Sofortverfügbarkeit vermindert. So ist laut der Studie, die die Einsatzdaten aus dem ersten Halbjahr 2018 als Grundlage hat, die Sofortverfügbarkeit für zwei Rettungswagen (RTW) rund um die Uhr im Vergleich zu 2017 von 94,5 Prozent auf 91,7 Prozent gesunken. Die Sofortverfügbarkeit steht dafür, dass ein entsprechender Wagen von der Leitstelle bei einem Notfall sofort in den Einsatz geschickt werden kann.

Wagen müssen nach Waldshut – und bleiben manchmal dort

Da das Spital Bad Säckingen als Anfahrtspunkt im westlichen Landkreis weggefallen ist, müssen die Wagen nun weitere Wege – meist ins Spital nach Waldshut – auf sich nehmen. Wenn sie dort sind, kann es aufgrund der sogenannten georeferenzierten Alarmierung passieren, dass sie dort gleich wieder in den Einsatz geschickt werden und deswegen nicht in ihrem eigentlichen Versorgungsbereich – beispielsweise Bad Säckingen – zur Verfügung stehen.

Jeder Rettungswagen ist nämlich mit GPS ausgestattet und die Leitstelle muss jeweils den Wagen in den Einsatz schicken, der sich am nächsten zur Einsatzstelle befindet. Um die Rettungswagen im westlichen Landkreis zu entlasten, wird nun in Waldshut zusätzlich von 8 bis 20 Uhr ein dritter Rettungswagen installiert.

Auch mittlere Einsatzdauer ist im westlichen Kreis gestiegen

In Bad Säckingen ist zudem auch die mittlere Einsatzdauer um vier Minuten gestiegen. In Laufenburg ist die Sofortverfügbarkeit im Vergleich zu 2017 für einen Rettungswagen rund um die Uhr von 82,2 Prozent auf 75,7 Prozent gesunken. Die mittlere Einsatzdauer ist um rund zwei Minuten je Einsatz gestiegen. In Wehr ist die entsprechende Sofortverfügbarkeit eines RTW gegenüber 2017 von 81,3 auf 75,7 Prozent gesunken. Die mittlere Einsatzdauer ist sogar um fünf Minuten angestiegen. "Durch das Anwachsen der mittleren Einsatzdauern insgesamt reicht nachts die Vorhaltung der beiden Rettungswagen in Bad Säckingen nicht mehr aus", lautet das Fazit der Studie. Deswegen wird nun in Wehr der Wagen, der bisher schon tagsüber ganzjährig im Einsatz war auf 24-Stunden-Betrieb aufgestockt.

Während in Waldshut ein neuer Wagen angeschafft werden muss, wird in Wehr einfach die Einsatzzeit des bereits bestehenden verlängert, erklärte Peter Hofmeister. Insgesamt werden durch die Anpassung acht neue Stellen geschaffen. Es braucht in Wehr und in Waldshut je zwei neue Rettungssanitäter und je zwei Rettungswagenfahrer. Das Gutachten spricht sich zudem auch stark für die Stationierung eines Rettungshelikopters im Kreis Waldshut aus. "Aber das haben wir nicht zu entscheiden", betont Peter Hofmeister. Ein weiterer Schritt zu einer besseren Notfallversorgung im Kreis ist die Stationierung eines zweiten Notarztes am Spital Waldshut. Dieser soll ebenfalls in 2019 installiert werden.

"Das wird ein Quantensprung in der Einhaltung der Hilfsfristen", freute sich Walter Scheifele. Die Verbesserung der Anlaufzeit der Notärzte im Kreis Waldshut – also die Zeit, die vergeht, bis der Notarzt losfährt – soll zudem auch dadurch erreicht werden, dass die Logistik an den bestehenden Standorten verbessert wird. So hoffe er, dass 2019 der Notarzt, der bisher noch in einer Privatwohnung untergebracht ist, in die Bad Säckinger Rettungswache umziehen könne, erklärte Peter Hofmeister. Außerdem hofft er, dass das DRK in Bad Säckingen bis 2021/22 in die neue Rettungswache einziehen könne, die dem Gesundheitscampus angegliedert werden soll.