Der Gruppensieg ist nicht drin

sid

Von sid

Do, 07. September 2017

Basketball

Die deutschen Basketballer treffen im Achtelfinale der EM auf die starken Franzosen.

TEL AVIV (sid/BZ). Die deutschen Basketballer haben bei der EM den Gruppensieg klar verpasst und vor Beginn der K.o.-Phase einen kräftigen Schuss vor den Bug bekommen: Das Team um Starspieler Dennis Schröder verlor in Tel Aviv gegen Medaillenkandidat Litauen deutlich mit 72:89 (43:47) und konnte dabei kaum an die überzeugenden Auftritte zuvor anknüpfen.

Doch Platz zwei nach fünf Duellen bedeutet die beste Vorrundenplatzierung seit 2007 und sollte der Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) Selbstvertrauen schenken für das anstehende Achtelfinale gegen Frankreich. In der Partie am Samstag (11.15 Uhr/telekomsport.de) wird sich die Mannschaft von Bundestrainer Chris Fleming weiter steigern müssen.

"Wir wissen, dass wir hier gegen einen absoluten Titelkandidaten verloren haben", sagte DBB-Präsident Ingo Weiss: "Ab jetzt fokussieren wir uns auf das Spiel gegen Frankreich, wir wollen unter die besten Acht kommen. Einen Knacks gibt es nicht." Kapitän Robin Benzing betonte, dass sein Team nach einer Niederlage in der EM-Generalprobe (79:85) noch eine Rechnung mit Frankreich offen habe. "Das ist ein nettes Los und in Istanbul kann alles passieren, jetzt müssen wir da sein", sagte Benzing. Allerdings sind die Franzosen klarer Favorit. Denn bei den zurückliegenden drei Europameisterschaften gewann das Team geweils eine Medaille – 2011 Silber, 2013 Gold und 2015 Bronze. Frankreich verlor am Mittwoch mit 78:95 gegen Slowenien, den ungeschlagenen Sieger der Vorrundengruppe A, und belegt nur Gruppenrang drei.

Gegen Litauen war Spielmacher Schröder mit 26 Punkten auch im fünften Gruppenduell bester Werfer seiner Mannschaft, die bereits mit einem überzeugenden 61:55 am Dienstag gegen Italien den Einzug in die nächste Runde geschafft hatte. Auch Benzing (11) und der 19-jährige Isaiah Hartenstein (10) punkteten zweistellig.

Gegen den dreimaligen Europameister Litauen hatte das deutsche Team aber zeitweise große Probleme in der Verteidigung, die NBA-erfahrenen Kraftpakete Jonas Valanciunas und Donatas Motiejunas setzten sich immer wieder durch. Vor allem dank Schröder, der keinerlei Probleme mit seiner angeschlagenen linken Hand zu haben schien, blieb Deutschland aber zunächst dran. Einen Alley-oop-Pass des Spielmachers verwertete Hartenstein spektakulär zum 43:42 (20.), zur Pause führte jedoch Litauen.

Auch nach dem Wechsel lief die DBB-Auswahl weiter einem Rückstand hinterher, Litauen kontrollierte die Mehrzahl der Rebounds. Der starke Youngster Hartenstein wehrte sich unter dem Korb nach Kräften, doch der Rückstand betrug zeitweise 17 Punkte. Im Schlussabschnitt kämpften Schröder und Co. vergeblich gegen den überlegenen Gegner an.

Der Gruppensieg wäre die Krönung einer bis dahin fast perfekten Vorrunde gewesen. Abgesehen vom letzten Viertel gegen Israel, als die deutsche Mannschaft einen 16-Punkte-Vorsprung verspielte und 80:82 verlor, lief es während der vollgepackten Woche in Israel glänzend. So gut, wie seit Dirk Nowitzkis Glanztagen nicht mehr.

Fleming hat seine Mannschaft bestens auf die jeweiligen Gegner eingestellt und er hat es geschafft, eine Einheit zu Formen. Teamwork, Teamgeist, die Gruppe funktioniert über eine starke Defense – und versteckt sich nicht hinter Schröders großen Offensivfertigkeiten. Der Spielmacher ist die erwartet zentrale Figur auf dem Feld und hat seinem Team Siegermentalität eingeimpft. "Wir dürfen vor niemandem Angst haben", sagt er stets. Und es liefern auch andere, gerade beim Scoring. Anfangs war es Benzing, danach Daniel Theis, dann Johannes Voigtmann. Mit einem Alleinunterhalter läuft das DBB-Team nicht auf – auch wenn in den wichtigsten Offensivsituationen vor allem auf Schröder zu achten ist.