Basketball

Der schwierige Weg zum Profi - fünf Karrieren von Talenten des USC Freiburg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Do, 23. Februar 2017

Basketball

Auf Basketball will keiner verzichten. Dennoch haben sich nicht alle Träume unter dem Korb für jene Topspieler erfüllt, die beim USC Freiburg zu den Parade-Jahrgängen 1996 bis 1998 zählten. Das Zwischenfazit einer besonderen Generation.

BASKETBALL. Der zurückliegende U-20-Jahrgang war der talentierteste im Männerbasketball des USC Freiburg seit langem. Die Zukunft glitzerte gülden am Sporthorizont. Was ist aus den Hoffnungsträgern geworden? Wohin hat es sie verschlagen? Und wie stark ist heute ihr Bezug zum Basketball? Ein Zwischenfazit von fünf Karrieren einer besonderen USC-Generation:

Die Kreuzung ist ein vielbeschworenes Bild in Lebensrückblicken. Die Metapher des einmal eingeschlagenen, unumkehrbaren Pfades dominiert Biographien. Profisport oder Berufskarriere? Besonders nach dem Schulabschluss scheinen viele Talente am Scheideweg zu stehen. Dass es nicht ganz so einfach ist, zeigen die Geschichten der USC-Spieler aus den Paradejahrgängen 1996 bis 1998. Die Realität verläuft nicht als einfache Weggabelung.

Max Mayer, Luis Fischer und Cosmo Grühn hießen die drei talentiertesten USC-Jugendspieler, die 2014 für Aufsehen sorgten, als sie gleichzeitig für den TV Herdern in der Regionalliga und für den USC in der Oberliga aufliefen. Mayer und Grühn schafften den Sprung in die Jugendnationalmannschaft, Aufbauspieler Mayer spielte 2015 zudem die U-18-Europameisterschaft. Flügelspieler Younes Saidani qualifizierte sich gleichzeitig mit Tunesien für die Weltmeisterschaft. Alexander Tecklenborg entwickelte sich im Schatten der großen Vier zu einem Topspieler des USC und war in der vergangenen Saison der beste Scorer des Uniclubs.

Eine exklusive Entscheidung für oder gegen den Sport hat keiner getroffen. Alle haben sich für Hybridformen entschieden. Sport und Ausbildung zu verbinden, heißt die Devise der Unistadt-Söhne. Oftmals fällt die Entscheidung für oder gegen den Profisport nicht freiwillig. Auch Verletzungen lassen Sportträume platzen. Ganz – das ist die verbindende Komponente des Quintetts – hat keiner dem Basketball entsagt.

Max Mayer

Frustabbau in Freiburg
Vor anderthalb Jahren verließ Max Mayer Freiburg. Damals folgte der Sohn des Auswahltrainers Oliver Mayer dem Ruf der Talentschmiede Lich. Der 1,80 Meter große Mayer erhielt in seinem ersten Pro-B-Jahr im Schnitt knapp 15 Minuten Spielzeit. Der gelungenen Premierensaison folgte indes kein weiterer Entwicklungsschritt. Man hört dem zielstrebigen Beißer den Frust an, wenn er von den vergangenen Monaten berichtet. Der Rücken machte dem flinken Guard einen Strich durch die Rechnung. Drei Monate war an Basketballspielen nicht zu denken. Zum Jahresende 2016 brach der 18-Jährige seine Zelte in Lich ab. "Ich habe mich dort menschlich weiterentwickelt", schaut Mayer aber nicht nur mit Unbehagen auf das Abenteuer zurück. In der Kleinstadt wohnte Mayer ein Jahr bei einer Familie, bevor er in eine eigene Wohnung zog. Im Breisgau hat er sich zurück aufs Feld gekämpft. Für den USC Freiburg hat Mayer in der Oberliga Baden drei Spiele gemacht: Seit seiner Rückkehr läuft’s beim Uniclub, seit sieben Spielen ist der USC ungeschlagen. Ob der Zug Richtung Nationalmannschaft angesichts der langen Verletzungspause abgefahren ist, ist noch offen. "Im Moment will ich in Form kommen und eine Ausbildung anfangen", gibt sich der Athlet vor. Mayer steckt noch tief im Prozess seiner Lebensplanung.


Luis Fischer

Verletzungspech
in Regensburg
Der 20-Jährige hat 2015 sein Abitur gemacht und danach ein Jura-Studium in Regensburg begonnen. "In den letzten zwei Jahren war nicht mehr viel mit Basketball", stöhnt er. Im Alltag wirkt der mitreißend spielende Athlet äußerst gelassen. Die Worte plätschern, sie sprudeln nicht. In der Domspatzen-Stadt heuerte der Centerspieler beim hiesigen Regionalligisten an. In einem der ersten Spiele blieb er mit dem Arm am Brett hängen, die Schulter kugelte aus, zwei Sehnen rissen. Kaum hatte er sich zurückgearbeitet, riss ein dreiviertel Jahr später im ersten Spiel der aktuellen Spielzeit ein Innenband im Knie. "Der Fokus geht dann automatisch vom Sport weg", sagt Fischer, der gerne wieder angreifen würde. Im Moment ist aber nur Physiotherapie und Ergometer möglich. Überhaupt ist der Freiburger in Regensburg noch nicht so richtig heimisch geworden. "Ich bin viermal umgezogen", berichtet der Zweimeter-Mann. Eigentlich wollte er nach dem Abi in eine größere Stadt. Der Numerus Clausus grätschte dazwischen. "Ich bin am überlegen, wie es weitergeht." Der Entscheidungsprozess geht weiter.

Alexander Tecklenborg

Kurzeinsätze in Tübingen
Vor zwei Jahren hat Alexander Tecklenborg sein Abitur in Freiburg gemacht. Danach absolvierte der heute 19-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Freiburger Sportmedizin. Seit August 2016 weilt der Zweimeter-Center nun in Tübingen – Informatikstudium in der Hölderin-Stadt. "Ich bin mir unsicher, ob ich das weitermache", gesteht der Breisgauer, der gerade sein erstes Semester hinter sich hat. Er hat eine bescheidene Art, klingt ungewöhnlich reflektiert für einen Teenager. Auch ihn haben Verletzungen zurückgeworfen. Ein Schleimbeutel im Ellenbogen und ein Cut im Finger haben ihn in der Bundesligareserve der Walter Tigers Tübingen bis dato zu Kurzeinsätzen verdammt. Bis Jahresbeginn war er quasi ganz zum Zuschauen gezwungen. Zudem stehen gerade Klausuren auf dem Plan. Die letzte Auswärtsfahrt nach Limburg hat er daher nicht mitgemacht. Ein bisschen stolz ist er schon auf sein Engagement in Tübingen. "In der Liga treffe ich ehemalige Freiburger Pro-B-Spieler. Zu denen habe ich als Wischer früher aufgeschaut." Ein Wiedersehen der besonderen Art hatte er beim traditionellen USC-Weihnachtszock. Mayer, Fischer und Tecklenborg konnten dabei Erfahrungen austauschen.

Cosmo Grühn

Pro B und vielleicht Profi
Mit von der Partie bei der weihnachtlichen Zusammenkunft war auch Cosmo Grühn. Er hatte viel zu erzählen. Der 2,02-Mann ist wohl das größte Freiburger Basketball-Talent der zurückliegenden Jahre. Er ist viel rumgekommen. Vergangenes Jahr schaffte er den Sprung ins U-18-Nationalteam und spielte die Europameisterschaft im Drei-gegen-drei. Erstligascouts wurden schnell aufmerksam auf den langen Schlaks. Letzte Saison heuerte er für das Jugendbundesligateam der Ludwigsburger an. Nach dem Abitur hat es den Allrounder jetzt in die Großstadt Frankfurt verschlagen. Dort spielt er in der Jugendbundesliga und in der Pro B, der dritthöchsten Spielklasse in Deutschland hinter der Bundesliga und der Pro A. "Im Sommer habe ich in der Vorbereitung bei den Profis mittrainiert", erzählt der 18-Jährige, der in der Pro B durchschnittlich fast 20 Minuten spielt. "Hier ist alles sehr leistungsorientiert", berichtet Grühn. Als er im Dezember eine Woche aufgrund eines FSJ-Seminars fehlte, stand er plötzlich gar nicht mehr auf dem Parkett. In der Geschäftsstelle der Frankfurt Skyliners arbeitet Grühn für die Presseabteilung. "Ich habe da große Freiheiten und viel Spaß." Zwei Trainingseinheiten pro Tag plus Job gehen aber auch an die Substanz. Ob er den Profiweg einschlagen und voll auf Sport setzen will, ist noch offen. "Im Frühjahr entscheiden wir", sagt er.

Younes Saidani

Elitestudent in Oxford
Einer konnte beim USC-Weihnachtsgedaddel nicht mit von der Partie sein: Younes Saidani hat vor drei Jahren sein Abitur in Freiburg gemacht. Nach einem ereignisreichen Sommer und dem Gewinn der Afrikameisterschaft mit der tunesischen U-18-Nationalmannschaft hat Saidani an der Eliteuniversität Oxford ein Studium in Politik, Wirtschaft und Philosophie begonnen. Dieses Frühjahr steht die Abschlussprüfung an. Für Basketball bleibt da nicht mehr so viel Zeit. In Oxford ist er Teil der Unimannschaft. Im Anschluss an seine ersten Prüfungen, die er als Zweitbester seines Jahrgangs abschloss, spielte er 2015 mit Tunesien die Weltmeisterschaft. "Da bin ich direkt zur WM geflogen, die Vorbereitung konnte ich aufgrund der Prüfungen nicht mitmachen." Dennoch spielte Saidani viel und kam auf knapp zehn Punkte im Schnitt. Tunesien wurde dennoch Letzter. "Es war trotzdem eine gute Erfahrung", findet Saidani heute. Für die Maßnahmen der U21-Nationalmannschaft Tunesiens wurde er nicht mehr berücksichtigt. Der Breisgau-Tunesier, der früher im Freiburger Schulrat saß, hat in Oxford ohnehin genug zu tun. Ein anspruchsvolles Studium allein reicht dem Tausendsassa nicht. Seit vergangenem Jahr ist er Präsident der Oxford University Islamic Society. Auch in anderen Hochschulgruppen ist der 20-Jährige aktiv. Wie es nach seinem Bachelor-Abschluss weitergeht, weiß Saidani noch nicht. Er überlegt ein Gap-Year, also ein Jahr berufliche Auszeit, einzulegen. Sicher ist noch nichts. Dem vielseitigen Zweimeter-Mann scheinen aber alle Türen offen zu stehen.