Die Schwenninger Basketball-Revolution

Michael Wilkening

Von Michael Wilkening

Fr, 24. März 2017

Basketball

Drittliga-Aufsteiger will Ausländerregelung und damit eine Selbstbeschränkung der Liga kippen.

VILLINGEN-SCHWENNINGEN. Die Meisterfeier haben Mannschaft, Fans und Verantwortliche der Panthers Schwenningen bereits genossen. Die Doppelstädter waren das dominierende Team in der Basketball-Regionalliga Südwest und schon vier Spieltage vor Ende der Saison nicht mehr von Platz eins der Tabelle zu verdrängen. So euphorisch die Stimmung in Schwenningen war, so gedrückt dürfte sie in Köln gewesen sein. Am Sitz der zweiten Basketball-Bundesliga GmbH, die sich selbst die "Junge Liga" nennt, ist die Freude über den Aufsteiger in die Pro B, der rangniederen von zwei Spielklassen unterhalb der Basketball-Bundesliga (BBL), überschaubar. Die Panthers drohen nämlich damit, die seit Jahren geltende Ausländerregel zu kippen.

In der zweiten Liga unterwerfen sich die Klubs seit Jahren einem Passus, der vorsieht, dass in der Pro B immer mindestens drei, in der Pro A immer mindestens zwei deutsche Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen müssen. Andernfalls drohen Punktabzüge. Die Regelung ist eingespielt, sie garantiert deutschen Akteuren Spielzeit. Lange wurde darüber – zumindest in der Öffentlichkeit – nicht mehr diskutiert.

Seit ein paar Wochen ist das anders. Denn die Schwenninger haben den Aufstieg mit einem Kader geschafft, in dem zwei Deutsche, ein US-Amerikaner, vier Slowenen, zwei Bulgaren, ein Litauer und ein Ungar stehen. Und der Aufsteiger sieht keinen Grund, seine Aufstiegshelden vom Hof zu jagen. "Die Spieler sind zum Teil schon vier, fünf Jahre bei uns, leben mit ihren Familien hier und ich sehe nicht ein. Warum ich sie jetzt wegschicken soll", sagt Frank Singer. Singer ist Geschäftsführer der Panther und weiß das geltende EU-Recht auf seiner Seite. Er spricht nicht von Ausländern, wenn er über die Spieler spricht, die aus anderen Teilen Europas nach Schwenningen kamen. "Das sind EU-Mitbürger", so Singer.

Also haben die Panthers angekündigt, notfalls gegen die bestehende Regel in der "Jungen Liga" klagen zu wollen, damit ihre Spieler aus dem EU-Raum nicht gegenüber Deutschen benachteiligt werden. Für Juristen ist der Fall klar, vor einem ordentlichen Gericht würde der Liga-Neuling gegen den Verband gewinnen. Die EU-Verfassung steht über dem Sportrecht und sieht die freie Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der Union vor.

Vor zwei Jahren wurde in der ersten Basketball-Bundesliga der Frauen eine ähnliche freiwillige Übereinkunft vom damaligen Aufsteiger Keltern gekippt. Seither haben es die Vereine, die sich um die Förderung von deutschen Spielerinnen (und damit indirekt den Nationalmannschaften) verdient gemacht haben, noch schwerer. Ein solcher Vertreter, der USC Freiburg, stieg vor eineinhalb Wochen sogar ab.
"Wir sind zufrieden mit der bisherigen Regelung", sagt Daniel Müller. Der Geschäftsführer zweiten Basketball-Bundesliga GmbH der Männer hofft, um eine Änderung der eigenen Statuten herumzukommen. "Die Klubs müssen über eine neue Regelung entscheiden", sagt Müller und verweist auf ein außerordentliches Treffen aller Vereine am kommenden Samstag in Gießen. Viel Spielraum wird Liga und Klubs bei der anstehenden Unterredung jedoch nicht bleiben, wenn ein Rechtsstreit vermieden werden soll. Eine Klageschrift der Schwenninger liegt dem Ligaverband bereits vor, ein Treffen zwischen den Panthern und der Ligaspitze vor ein paar Wochen verlief ergebnislos.

Panther-Geschäftsführer Singer versteht nicht, warum ab der zweiten Bundesliga andere Regeln gelten sollen als in den Spielklassen darunter, in denen unbegrenzt EU-Spieler eingesetzt werden dürfen: "Das ist ja so, als wenn auf der Landstraße die einen Verkehrsregeln gelten und in der Stadt auf einmal ganz andere . . . " Singer könnte mit seinem kleinen Klub aus Südbaden für eine kleine Basketball-Revolution in Deutschland sorgen.