Eine Niederlage, die beweint wird

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Mo, 27. Februar 2017

USC Eisvögel

Freiburgs Basketballerinnen verlieren Abstiegsduell in Halle mit 71:75 – und Spielmacherin Jovana Vukoje mit einer Knieverletzung.

HALLE/FREIBURG. Jetzt wird’s ganz eng: Freiburgs Basketballerinnen verloren am 19. von 22 Spieltagen das Kellerduell beim SV Halle mit 71:75 (22:15, 18:22, 14:15, 17:23) und graben sich noch tiefer auf einem Abstiegsplatz ein – zudem verletzte sich Spielmacherin Jovana Vukoje erheblich. Nach 17 Jahren in Folge in Liga eins droht nun der Abstieg.

Nach Punktabzug, dem noch nicht ausgestandenen Hickhack um die Terminierung des letzten Heimspiels gegen Nördlingen sowie dem Ausfall der verletzten Spielerinnen Kristen McCarthy und Mariesa Greene hatten sich die Eisvögel mit einem ziemlichen Sorgen-Rucksack auf die 650 Kilometer lange Reise aus dem Südbadischen nach Sachsen-Anhalt gemacht.

Die Freiburger reisten trotzdem erst am Spieltag an. Das hatte sich in der Vergangenheit bewährt, im ersten Viertel waren sie meist hellwach. Auch dieses Mal. Unter anderem dank neun Punkten von Spielmacherin Vukoje lagen die Gäste nach den ersten zehn Spielminuten mit 22:15 in Front. Nach einer 40:32-Führung gaben die Südbadenerinnen kurz vor der Halbzeit noch fünf Punkte ab, führten aber dennoch zur Pause (40:37). Die Führung wechselte, doch nach Abschluss des dritten Viertels lagen die Südbadenerinnen wieder vorn – 54:52.

Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Das Freiburger Team wurde müde, Nadjeschda Ilmberger und die Belgierin Hanne Mestdagh mussten wegen ihres jeweils fünften Fouls vom Parkett. Und als Spielmacherin Jovana Vukoje dreieinhalb Minuten vor Schluss einen Schnellangriff der Ostdeutschen unterbinden wollte, verletzte sie sich, blieb auf dem Hallenboden mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen und konnte nicht mehr weiterspielen. Sie war aufs rechte Knie gefallen, das in der Vorrunde auch schon mal lädiert gewesen ist. Mit starken Schmerzen an der Knie-Innenseite verließ sie nach Spielende die Halle – gestützt auf Krücken. Eine genaue Diagnose soll frühestens am Rosenmontag erfolgen. Ob Vukoje in dieser Saison noch eingesetzt werden kann, stand bis Sonntagabend nicht fest.

Der USC war seiner Strategin beraubt. Alle Last wurde im Angriff nun auf Satou Sabally abgeladen, die zwar in der entscheidenden Phase treffsicher von der Freiwurflinie war, aber nicht bei ihren Drei-Punkt-Versuchen. Mit einer wahren Orgie an Freiwürfen gingen die letzten eineinhalb Minuten vorüber, die Eisvögel konnten den Rückstand nicht mehr wettmachen. Frustriert und schwer geschlagen verließen sie nach der Schlusssirene das Spielfeld.

"Im vierten Viertel kam einiges zusammen – und in der Kabine flossen bei der einen oder anderen Spielerin auch ein paar Tränen", sagte Freiburgs Trainer Sascha Bozic. Er versuchte dennoch, sein Team mit einigen prägnanten Worten wieder aufzurichten. Bozic haderte allerdings auch mit seinem Team, das Halle 31 Offensivrebounds und damit zweite oder gar dritte Wurfchancen ermöglichte. Die Gastgeber, die von Co-Trainer Christian Steinwerth für den an Grippe erkrankten Chef-Coach und ehemaligen USC-Übungsleiter René Spandauw betreut wurden, wären in einigen Phasen arg verwundbar gewesen, als sie die Team-Foul-Grenze (fünf pro Viertel) erreicht hatten. Doch anstatt mutig zum Korb zu ziehen und viele Freiwürfe herauszuholen, warfen die Eisvögel zu oft von außen – und trafen zu selten.

In den restlichen drei Partien (in Bad Aibling, gegen Nördlingen und bei Schlusslicht Rotenburg-Scheeßel) müssen die Freiburgerinnen (11 Punkte) ein bis zwei Siege mehr erzielen als die Abstiegskonkurrenten Nördlingen und Chemnitz – falls der Punktabzug der Eisvögel aus dem Marburg-Spiel vom DBBL-Schiedsgericht nicht aufgehoben wird.

Der Hoffnungsschimmer: Am letzten Spieltag geht’s nach Rotenburg-Scheeßel. Dieses Team steht eventuell bis dahin als erster Absteiger fest. Und zur gleichen Zeit muss Chemnitz bei Meister Wasserburg antreten, für den es noch darum gehen dürfte, als Tabellenerster in die Playoffs einzuziehen.

Doch angesichts von Punktabzug, Termin-Hickhack und großem Verletzungspech in der Endphase der Saison wird es für die Eisvögel so schwierig wie noch nie, das Steuer noch einmal herumzureißen – und in der ersten Liga zu bleiben.

Halle: Hammond (10 Punkte), Thompson (11), Pohlmann (3), L. Schinkel (4/davon 1 Dreier), Henningsen (10/2), La. Hebecker (6/1), Hartmann (3/1), Engeln (10), Roualt (n. e.), Büschel (nicht eingesetzt), Horn (18), J. Schinkel (n. e.). Freiburg: Weber (8/2), Hoffmann (5/1), Ouedraogo (1), Hodapp, Sabally (12), Rodefeld (8), Ilmberger (3), H. Mestdagh (12/2), Vukoje (22/4), Schipek (n. e.), Ch. Zehender (n. e.), McCarthy (n. e.). Schiedsrichter: Hofmann, Winking. Zuschauer: 650.