Frauen-Basketball

Eine Pokalniederlage und eine Überraschung beim USC

Georg Gulde

Von Georg Gulde

So, 07. Januar 2018 um 20:35 Uhr

USC Eisvögel

Erstliga-Spitzenverein Keltern gewann erwartungsgemäß das Pokal-Viertelfinale beim USC Freiburg mit 80:52. Im Fokus stand jedoch das Comeback einer Freiburgerin.

BASKETBALL. DBB-Pokal-Viertelfinale USC Freiburg – Keltern 52:80 (15:17, 7:25, 15:16, 15:22). Die Zweitliga-Basketballerinnen aus Freiburg schafften die Überraschung nicht. Gegen den Erstliga-Tabellenzweiten Keltern, der zum dritten Mal in Folge ins Top-Four-Turnier einzog, verloren sie am Sonntagnachmittag im Pokal-Viertelfinale daheim 52:80. Eine große Überraschung hatten die Eisvögel dennoch parat: Co-Trainerin Mirna Paunovic, die von 2005 bis 2012 eine der herausragenden USC-Spielerinnen war, stand mit ihren 41 Jahren wieder auf dem Parkett.

Eigentlich hatten die meisten der 350 Zuschauer ihr Augenmerk auf Lina Pikciute richten wollen. Die 1,92 Meter große litauische Nationalspielerin war von Keltern in der Weihnachtspause für die Centerposition verpflichtet worden – von einem spanischen Erstligisten. Sie soll die deutsche Nationalspielerin Katharina Fikiel ersetzen, die einst als junge Spielerin auch mal in Freiburg einen Teil ihrer basketballerischen Ausbildung erfuhr und die nun nach Polen gewechselt ist. Keltern löste zudem den Vertrag mit Katarina Vuckovic, einer weiteren Centerin, auf.

Seit Sommer Co-Trainerin, nun auch Spielerin

Doch wer sich dann das Aufwärmen des Freiburger Kaders ansah, entdeckte da eine Spielerin, die er nicht erwartet hatte: Mirna Paunovic. Seit Sommer 2017 ist sie die Co-Trainerin von Pierre Hohn bei den Eisvögeln. Mindestens dreimal die Woche steht die zweifache Mutter in der Halle. Sie ist für das Individualtraining des jüngsten Teams der zweiten Liga Süd zuständig. Doch wenn Spielerinnen wegen Verletzung oder Krankheit fehlten, die Trainingssituation aber eine bestimmte Anzahl an Basketballerinnen braucht, dann hat Mirna Paunovic den Kader aufgefüllt.

Nachdem der Verletzten- und Krankenstand – vor allem von den vielbelasteten Schülerinnen im Team – anhaltend hoch war, reifte bei den USC-Verantwortlichen der Gedanke, mit Mirna Paunovic zu sprechen, ob sie sich eine Rückkehr aufs Parkett vorstellen könne. Sie konnte.

Die Heimniederlage Ende November im Spitzenspiel gegen Bad Homburg und die unbeständigen Leistungen der sehr jungen Mannschaft (Durchschnittsalter: 19,2 Jahre) ließen bei Trainer Hohn und dem Sportlichen Leiter Harald Janson ernsthafte Überlegungen aufkommen, wieder mit Mirna Paunovic als Spielerin zu planen. "Hätte mich der USC nicht gefragt, dann hätte ich den USC gefragt", sagte die 41-Jährige nach dem Pokalspiel gegen Keltern. Das Feuer der ehemaligen Profispielerin, die schon mit 15 Jahren auf ein Sportinternat in Montenegro gegangen war, brannte wieder – bis zum Saisonende will sie nun wieder mitspielen.

Keine Statistik wegen Computerausfall

Gegen Keltern kam sie nach 5:24 Minuten erstmals aufs Feld – unter dem Beifall der Zuschauer, von denen sie ein Gutteil noch als aktive Spielerin kannte. Die Ex-Nationalspielerin von Bosnien-Herzegowina passt alterstechnisch zwar nicht in die Mannschaft, aber ihre Erfahrung, körperliche Präsenz, Freiwurfsicherheit, das Block stellen und die Spielintelligenz sind immer noch außergewöhnlich. Zudem ist ihre Qualität als Dreierschützin weiter vorhanden, wie sie im zweiten Viertel bewies, als für den USC quasi nur Paunovic traf, die zusammen mit der US-Amerikanerin Kristen Gaffney Topscorerin ihres Teams gewesen sein dürfte. Ganz genau wusste das nach der Partie niemand, denn durch einen Computerausfall gab es kein Scouting, also keine Statistik.

In den ersten Minuten der Partie agierten beide Teams nervös in der Offensive, nach viereinhalb Minuten stand es 4:3 für den Gast, ein einstelliges Viertelergebnis schien möglich. Erst als Kelterns US-Spielerin Amber Orrange das Heft in die Hand nahm, wurde es flotter. Doch mehr als vier Punkte Vorsprung konnte sich der Erstliga-Tabellenzweite in den ersten zehn Minuten nicht erspielen. Erst zu Beginn des zweiten Viertels gelang es der Mannschaft von Trainer Christian Hergenröther davonzuziehen (25:15/23. Minute). Da nun Marina Markovic sicher von jenseits der Drei-Punkte-Linie traf, vergrößerte Keltern stetig seinen Vorsprung – bis zum 42:25 zur Halbzeit.

Partie kurz nach der Pause entschieden

Die Partie war kurz nach der Halbzeit so gut wie entschieden, Freiburgs Trainer Pierre Hohn wechselte nun viel. Die Frage nach dem Sieger war spätestens beim Stand von 50:30 (24.) entschieden. Nur das Duell auf der Centerposition verloren die Gäste. Während Paunovic immer wieder punktete, kam Pikciute erst in der 27. Spielminute zu ihrem ersten Zähler nach einem Freiwurf – und danach noch zu vier weiteren Punkten.

Beim USC Freiburg tröstet man sich nach dem Pokal-Aus nun damit, dass schon am Samstag (19.30 Uhr) an gleicher Stelle die nächste Chance besteht, den baden-württembergischen Konkurrenten zu besiegen. Dann treffen die Eisvögel in der Unihalle wieder auf Keltern – im Zweitliga-Punktspiel allerdings auf die zweite Mannschaft des Klubs.