Eine Umkircher Zweier-WG zwischen Blitzern und Playoffs

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 23. März 2018

Basketball

Ob die Eisvögel in die erste Liga zurückkehren, hängt auch von der Form der beiden US-amerikanischen Basketballerinnen Kelly Hughes und Kristen Gaffney ab.

BASKETBALL. "Jetzt geht’s rund", sagt Kristen Gaffney und lächelt direkt nach dem Training verschmitzt und verschwitzt. Die Basketballsaison 2017/18 geht in ihre entscheidende Phase, auch in der zweiten Frauen-Bundesliga, Gruppe Süd. Am Wochenende beginnen die Playoffs der besten vier Teams. Gaffney und Kelly Hughes können es kaum erwarten. Die beiden Frauen aus den USA, die seit Sommer 2017 beim Erstliga-Absteiger USC Freiburg unter Vertrag sind, möchten nun ernten, was sie und ihre deutschen Mitspielerinnen gesät haben. "Wir wollen die Playoffs gewinnen und aufsteigen", sagt die 24-jährige Gaffney mit spürbarer Energie. Kelly Hughes pflichtet ihrer Landsfrau bei: "Jetzt müssen wir unser bestes Basketball zeigen", sagt die ruhige und zurückhaltende 22-Jährige leise.

Das Engagement bei den Eisvögeln hat die zwei Amerikanerinnen zusammengebracht. In Umkirch wohnen die beiden Profi-Basketballerinnen im USC-Kader in einer Zweier-WG. Der Verein bezahlt sie, stellt ihnen die Wohnung und ein geleastes Auto. Sie lieben den Münstermarkt in Freiburg (Hughes) und die Altstadt (Gaffney) – und sie hassen die Radarfallen zwischen Umkirch und Freiburg. In die rauschen sie immer wieder mal, wenn sie auf dem Weg von der 5000-Einwohner-Gemeinde in die Breisgaumetropole sind. Diese blöden Blitzer haben die Basketballerinnen schon einige Euro gekostet.

17 Jahre in Serie spielten die USC-Frauen in der ersten Bundesliga, ehe sie im Frühling 2017 nach einer verkorksten Saison abstiegen. Harald Janson, ehemals Eisvögel-Trainer und nun Sportlicher Leiter, beziffert die Anzahl der US-Spielerinnen, die in diesen 17 Jahren für die Eisvögel auf Korbjagd gegangen sind, mit 30 bis 35. Es waren überragende Basketballerinnen und überragende Charaktere darunter: Sarah Hayes, Yvonne Turner, Shea Mahoney. Es gab auch die Ausreißer: Eine Spielerin, die allein in einer Wohnung lebte und die mit der Mülltrennung überfordert war. Als sie wieder in die USA flog, fanden die Klub-Verantwortlichen den Müll von acht Monaten im Keller. Von einer anderen US-Akteurin wird berichtet, dass sie sehr eigenwillig reagiert hat, als sie vom Trainer kritisiert worden war: Sie weigerte sich drei Wochen lang im Training, auf den Korb zu werfen – und war die Position noch so vielversprechend.

"Da haben wir es mit Kristen Gaffney und Kelly Hughes richtig gut getroffen", sagt Harald Janson – und bezeichnet die 1,85 Meter große Centerin (Gaffney) sowie die 1,80 Meter große Flügelspielerin (Hughes) als "angenehme Zeitgenossen". Trainer Pierre Hohn berichtet davon, dass die Umkircher Basketball-WG gar nicht dem typischen Bild von US-Basketballern entspreche, die trainieren und ihre Freizeit vor der Glotze sowie dem Smartphone verbringen und sich über den Lieferservice ernähren. Hohn: "Kristen und Kelly fahren schon mal nach Straßburg und erkunden die Gegend."

Für die in New York geborene Gaffney, die in der 162 000-Einwohner-Stadt Cary (North Carolina) aufwuchs, ist die Zeit in Deutschland der zweite Auslandsaufenthalt. Vor drei Jahren war sie für einen Monat in Italien. Kelly Hughes, die in der 18 000-Einwohner-Gemeinde Point Pleasant (New Jersey) geboren wurde und dort auch zusammen mit ihren Eltern sowie ihrem Bruder Kieran und Zwillingsschwester Lauren aufwuchs, ist erstmals in Europa. Für sie ist die alte Welt eine neue Welt. Eine Welt, in der sie Umkirch schätzen gelernt hat. "Auch wegen der Pferde", sagt sie, die sie von der WG aus auf der Weide sehen kann.

Alte Welt, neue Welt: Die Playoffs sind – hier wie dort – der Saisonhöhepunkt. Für diesen erwartet Eisvögel-Trainer Hohn viel von seiner Umkircher US-WG. "Kristen Gaffney ist sportlich das Herz unseres Teams. Sie macht auch in Situationen, in denen Chaos entstanden ist, das Richtige. Und sie spornt die Mitspielerinnen an. Sie hat die Eigenschaften einer Kapitänin, auch wenn unsere Spielführerin Luana Rodefeld ist", sagt er.

Für Kelly Hughes, die exzellente Dreier-Schützin, hofft Hohn, "dass sie in den Playoffs wieder an die gute Wurfquote der Hinrunde anknüpft". Da versenkte sie bis zu einem halben Dutzend Dreier pro Spiel. "Nach Weihnachten war meine Treffsicherheit im Spiel weg", sagt Kelly Hughes – und ergänzt: "Ich hoffe sehr, dass sie bald wiederkommt. Denn jetzt geht’s rund."

Am Samstagabend (19.30 Uhr) bestreiten die Eisvögel in der heimischen Unihalle das erste von maximal drei Playoff-Halbfinalspielen gegen die Sportgemeinde 1886 Weiterstadt. In der Hauptrunde, die das Team aus Hessen als Vierter abschloss, gewann der favorisierte USC Freiburg beide Partien – daheim mit 75:65, auswärts mit 79:58.