Basketball

Eisvögel-Sportchef Janson kritisiert Kelterner Verhalten

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Do, 04. Januar 2018 um 22:00 Uhr

USC Eisvögel

Vor dem Pokalspiel der USC-Basketballerinnen gegen Keltern erklärt der Sportliche Leiter Harald Janson, was er beim Erstliga-Topclub schlimm, unsozial und nervig findet.

Es dürfte einer der Saisonhöhepunkte für die Zweitliga-Basketballerinnen des USC Freiburg werden: das Pokalviertelfinale am Sonntag (16 Uhr) in der heimischen Unihalle gegen Keltern, den Tabellenzweiten der ersten Bundesliga. Vor dem Spiel um den Einzug ins Cup-Finalturnier (Top Four) sprach Georg Gulde mit Harald Janson, dem Sportlichen Leiter der Eisvögel, über das Freiburger Team, den Gastverein Keltern und Reifenspuren im Rasen des Unistadions.

BZ: Tabellenführer in der zweiten Bundesliga, nun steht im Pokalviertelfinale das Highlight gegen den Erstliga-Tabellenzweiten Keltern an. Läuft es bei den Eisvögeln so, wie Sie sich das vor Saisonbeginn erhofft hatten?
Janson: Es liegt in der Natur unseres Programms, nie allzu euphorisch zu sein. Wir lassen uns ungern von kurzfristigen Erfolgen wie einem gewonnenen Spiel oder dem Tabellenstand blenden. Aber die Mädels liefern alle zwei Wochen ein top Heimspiel-Event ab, locken mit ihrem Kampfgeist die Fans in die Halle und entwickeln sich im Großen und Ganzen ordentlich. Es freut uns, dass sie zu Weihnachten von Tabellenplatz eins grüßen.

"Der Gesundheitszustand unserer jüngsten Talente muss besser werden."

BZ: Was hat Sie im ersten Halbjahr positiv gestimmt, was negativ?
Janson: In der der Entwicklung nahezu jeder einzelnen Spielerin gibt es Positives wie Negatives. Das eine gilt es zu stärken, am anderen muss man arbeiten. Und trotzdem: Wir haben zwei ordentliche US-amerikanische Profis im Team, sind Tabellenführer. Das ist sehr gut. Deutlich besser muss der Gesundheitszustand insbesondere unserer jüngsten Talente werden. Durch Verletzungen, Krankheiten und lange Rehamaßnahmen kann von einer kontinuierlichen Entwicklung, wie es ihr Potential verspricht, noch nicht die Rede sein. Da liegt noch viel Arbeit vor uns.
BZ: In Pierre Hohn (25) haben Sie einen jungen Trainer geholt, der von der einen oder anderen Spielerin als streng bezeichnet wird und der auch mal während einer Partie Spielerinnen hart kritisiert, so dass schon Tränen geflossen sind. Ist das bei einem jungen Team der richtige Ansatz?
Janson: Es ist grundsätzlich völlig falsch, einen Trainer oder eine Trainerin auf Grund einer einzigen Eigenschaft zu beurteilen. Das Gesamtpaket muss stimmen. Und das passt bei Pierre Hohn insbesondere angesichts seines jungen Alters hervorragend. Zudem muss jede Spielerin lernen, auch mit verschiedenen Trainertypen zu Recht zu kommen. Benötigt der Sportler einen ganz bestimmten Trainertyp, um erfolgreich zu sein, wird er nur in den seltensten Fällen sein Potenzial voll entwickeln können.

"Ein Trainer muss die Fäden in der Hand halten."

BZ: Müssen junge Trainer im Frauenbasketball strenger sein als erfahrene?
Janson: Nein. Jung ist zudem nicht das Gegenteil von erfahren. Außerdem suggeriert die Frage, Pierre Hohn sei ein strenger Trainer und diese Eigenschaft sei zudem negativ. Insbesondere Letzteres ist nicht der Fall. Und: Ich habe überhaupt nichts gegen einen strengen Trainer oder Lehrer. Ein Trainer muss die Fäden in der Hand halten. Ist das nicht der Fall, haben wir ein Problem. Und die Spielerinnen sehr bald auch.
BZ: Würden Sie der These zustimmen, dass die Pokalpartie gegen Keltern ein besonderes Spiel ist?
Janson: Ja und nein. Ich schenke dem Klub nicht gerne viel Aufmerksamkeit.
BZ: Ist es nicht auch deshalb besonders, weil da zwei gegensätzliche Konzepte aufeinandertreffen? Auf der einen Seite der USC, der sehr junge Spielerinnen fördert und bei dem nur die ausländischen Spielerinnen Vollprofis sind; auf der anderen Seite Keltern, das in den vergangenen Jahren zur Nummer zwei im deutschen Basketball aufgestiegen ist, das stark auf gestandene Profis setzt und deren Frauenbasketball-Mannschaft als Abteilung des Fußballclubs FC Nöttingen firmiert.
Janson: Ja, das stimmt schon. Beide Klubs gehen da etwas unterschiedlich Wege. Aber das ist doch gar nicht schlimm! Ich habe überhaupt nichts gegen die sportliche Ausrichtung des Kelterner Erstligateams. Das müssen die für sich entscheiden. Schlimm ist, sich nicht an interne Abmachungen der Liga zu halten. Unsozial ist, bei jeder kleineren Meinungsverschiedenheit mit dem Anwalt anzukommen. Und nervig ist, bei Ligasitzungen die Hälfte der Redezeit für sich zu beanspruchen und dann beleidigt vorzeitig die Sitzung zu verlassen.

"Ich weiß nicht, was der Kelterner Weg ist."

BZ: Wäre der Kelterner Weg jemals eine Option für die Eisvögel?
Janson: Ich weiß nicht, was der Kelterner Weg ist. Sportlich sehen wir uns in Freiburg etwas anders ausgerichtet.
BZ: Stimmt es, dass die USC-Basketballerinnen vergangenes Jahr mal Ärger mit der Univerwaltung bekamen, weil einer der Macher des Kelterner Basketballs mit seinem Sportwagen quer über den Uni-Fußballplatz, der an die Unihalle angrenzt, gefahren ist und deutliche Reifenspuren auf dem satten Grün hinterlassen hat?
Janson: Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben.
BZ: Wie groß sind die Chancen, dass die USC-Frauen binnen einer Woche zweimal gegen Keltern gewinnen, einmal gewinnen oder gar nicht gewinnen – am Sonntag steigt das Pokalspiel und am Samstag, 13. Januar, das Zweitliga-Punktspiel gegen Keltern II?
Janson: Die Chancen sind sehr groß. Aber Sie wissen ja, schon meine unqualifizierte Antwort zeigt, dass ich kein Fachmann in Wahrscheinlichkeitsrechnung und Tippen im Sport bin. Ich versuche einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass sich unsere Spielerinnen möglichst gut vorbereitet und optimal auf das Spiel konzentrieren können.

Harald Janson (48) ist Sportlicher Leiter der Eisvögel, Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium Freiburg und Dozent am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.