Energiegeladen und euphorisch

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 20. Oktober 2017

Basketball

Eisvögel besiegen Erstligist und zeigen daheim starke Leistungen.

BASKETBALL. Wer nach 17 Jahren aus der ersten Bundesliga absteigt und weiß, dass er mindestens ein Jahr lang nicht zur Beletage seines Sports gehört, der dürstet förmlich nach einem Vergleich mit einem Erstligisten. Das war am Mittwochabend bei den Basketballerinnen des USC Freiburg so. Sie besiegten in der zweiten Runde des nationalen Pokalwettbewerbs den Erstliga-Aufsteiger USC Heidelberg mit 66:46 (45:30) und zogen ins Achtelfinale ein. "Wir haben eine sehr gute Leistung gezeigt", sagte Eisvögel-Trainer Pierre Hohn nach dem Spiel.

Mit diesem Satz fiel das Lob des Coaches an seine Spielerinnen ziemlich dezent aus. Schließlich schießt man auch im deutschen Frauen-Basketball als Zweitligist einen Erstligisten nicht einfach mal so mit 20 Punkten Unterschied aus der Halle. Aber Hohn weiß, dass seine junge Mannschaft (Durchschnittsalter bei Saisonbeginn 19,2 Jahre) einem zarten Pflänzchen gleicht, das gehegt und gepflegt werden will. Wohl auch vor dem nächsten Heimspiel – das am Samstagabend (19.30 Uhr, Unisporthalle) in der zweiten Liga gegen die zweite Mannschaft des vielfachen deutschen Meisters TSV Wasserburg ansteht.

Damit sein junges Team nach dem Erfolg gegen Erstligist Heidelberg nicht in Euphorie ausbricht, dürfte dem 25-jährigen Trainer das Erwähnen eines einzigen Beispieles ausreichen: Die einzige Pflichtspiel-Niederlage in dieser Saison kassierten die Eisvögel bekanntlich bei der zweiten Mannschaft eines Erstligisten – der des baden-württembergischen Konkurrenten Keltern.

Danach hatte Pierre Hohn eine Teambesprechung einberufen. Grund war nicht die Niederlage an sich, sondern die Art und Weise: In der Besprechung wurde nun eine Strategie gesucht, wie es die USC-Auswahl schafft, bei Auswärtsspielen mit genügend Energie aufs Parkett zu gehen. "Die zweite Liga ist einfach anders als die erste. In der zweiten Liga gibt’s Spiele vor weniger als 50 Zuschauern", weiß der Coach. "Ich bezeichne diese Partien als Geisterspiele", so Hohn. Und somit gibt’s keine Impulse von außen.

Solche Spiele seien schwierig zu spielen, aber auch schwierig zu coachen. Die Hauptaufgabe sei die, dass sich die Energielosigkeit, die nun mal in einer spärlich besetzten Halle herrsche, nicht auf die Spielerinnen übertrage. "Bei unseren Heimspielen ist die Gefahr nicht da, weil wir von etwa 400 Zuschauern angefeuert werden", sagt Pierre Hohn. Auch gegen Heidelberg im Pokal, als nur rund 200 Zuschauer in der Unihalle waren, gab’s kein Problem. Durch den flotten Start der USC-Frauen mit vier Dreiern in Folge war die Stimmung von Beginn an gut bis euphorisch. Es gab keine Phase, in dem das Spiel zu kippen drohte. Im Gegenteil: Im Schlussviertel, als es bereits 58:36 für die Eisvögel stand, setzte Gästetrainer Dennis Czygan fast nur noch seine Bankspielerinnen ein – was auch Pierre Hohn die Gelegenheit gab, seine Startformation fürs nächste Pflichtspiel am Samstag zu schonen. In dieser Partie gegen Wasserburg II dürfte die Unterstützung aus dem Publikum wieder so groß sein, dass der Coach nicht über eine Strategie wider die Energielosigkeit nachdenken muss. "Wir spielen zurzeit auf einem hohen Zweitliga-Level. Den müssen wir jetzt halten", sagt Hohn.