USC Eisvögel

Juliane Hodapp "Wenn ihr mich braucht, bin ich da"

Georg Gulde

Von Georg Gulde

So, 15. April 2018 um 14:25 Uhr

USC Eisvögel

Es geht um den Aufstieg: Am Sonntag steigt das erste Finale zwischen Jahn München und dem USC Freiburg. USC-Basketballerin Juliane Hodapp spricht über die Playoffs und den Abstieg 2017.

BASKETBALL. Juliane Hodapp ist ganz heiß auf die Partie: Am Sonntag (15.30 Uhr) steigt in München das erste von maximal drei Playoff-Finalpartien um den Aufstieg in die erste Basketball-Bundesliga der Frauen zwischen Jahn München und dem USC Freiburg. Zuvor sprach die ehemalige Kapitänin der Eisvögel, die seit dem Halbfinale gegen Weiterstadt wieder für die Breisgauerinnen auf Korbjagd geht, mit Georg Gulde über den Gegner, die Chancen für einen sofortigen Wiederaufstieg und die große Enttäuschung nach dem Abstieg vor einem Jahr.

BZ: Frau Hodapp, am Sonntag beginnt die Playoff-Finalserie in München. Ist Ihnen der Gegner, den der USC in der Hauptrunde zweimal besiegt hat, lieber als das Team von Bad Homburg, gegen das die Eisvögel zweimal verloren haben?
Hodapp: Noch kann ich zum Gegner nicht viel sagen. Ich war ja in der Hauptrunde weder bei den Spielen gegen Bad Homburg noch denen gegen München dabei. Ich weiß aber, dass sich München im Halbfinale nicht unverdient durchgesetzt hat und über ein spielstarkes Team verfügt. Ich habe höchsten Respekt vor der Mannschaft aus Bayerns Landeshauptstadt, die oft mit nur acht Spielerinnen antritt und ohne ausländische Spielerin auskommt.

BZ: Wie schätzen Sie die Chancen ein, die Finalserie zu gewinnen und damit ein Jahr nach dem Abstieg wieder aufzusteigen?
Hodapp: Jedes Spiel fängt bei null an. Ich weiß, dass wir über Trainer Pierre Hohn gut vorbereitet sein werden. Und ich weiß, dass wir heiß sind auf diese Spiele. Aber ich weiß nicht, wie es ausgeht.

BZ: Was halten Sie vom neuen Modus, dass der Hauptrundenbeste nicht im ersten Spiel daheim spielt, sondern erst in den Partien zwei und drei?
Hodapp: Wir müssen den Modus akzeptieren. Aber es stimmt schon, das erste Spiel ist sehr, sehr wichtig. Ich halte den Modus deshalb eher für nachteilig und nicht ganz gerecht. Denn eigentlich sollte der Hauptrundenbeste doch dafür belohnt werden. So steht er aber, sollte er auswärts verlieren, mehr unter Druck als der Gegner, der in der Hauptrunde schlechter abgeschnitten hat.

BZ: Ihr Team setzte sich gegen Weiterstadt mit 2:0 Siegen durch, München gegen Bad Homburg mit 2:1. Ihr Team ist also weniger im Spielrhythmus als der Finalgegner. Und in der Finalserie gibt es nach dem Spiel eins in München wieder ein Wochenende Pause, bevor es Samstag, 28. April (19.30 Uhr) zum zweiten Spiel in Freiburg kommt. Falls es eine dritte Partie gibt, findet sie am Sonntag, 6. Mai (16 Uhr) in der Freiburger Unihalle statt. Stören die Pausen in der entscheidenden Saisonphase nicht?
Hodapp: Das glaube ich nicht. Wir hatten eine Woche Pause nach den Halbfinals, konnten gut trainieren und eine längere kognitive Erholungsphase einlegen als München. Und in der Finalserie haben ja beide Mannschaften die gleiche Pause nach Spiel eins.

BZ: Sie sind in den Playoffs ins Team zurückgekehrt, obwohl Sie nach dem Erstliga-Abstieg 2017 fast nur noch in der zweiten USC-Mannschaft in der Regionalliga spielten. Wer kam auf die Idee und wann wurde sie geboren?
Hodapp: Ich habe ja noch die Vorbereitung auf die neue Saison mitgemacht, aber aufgrund meiner Tätigkeit als Referendarin war klar, dass ich nur einmal die Woche mit der ersten Mannschaft würde trainieren können. Ich habe aber schon zu Beginn signalisiert: Wenn ihr mich braucht für die erste Mannschaft, dann bin ich da. Und dann hat Pierre Hohn mich gefragt, ob ich in den Playoffs zur Verfügung stehe. Da habe ich natürlich ja gesagt.

BZ: Sie waren die Kapitänin des Teams, das nach 17 Jahren erster Liga in Folge im vergangenen Jahr abstieg. Wie stark hat Sie das beschäftigt?
Hodapp: Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob ich als Kapitänin die Mannschaft noch mehr hätte pushen müssen; ob ich mehr hätte interagieren und kommunizieren müssen; warum wir im entscheidenden Spiel nicht viel auf die Reihe bekommen haben; warum das ausgerechnet dann passiert ist, als ich viel Verantwortung hatte fürs Team.

BZ: Haben Sie sich Vorwürfe gemacht?
Hodapp: Ich habe mich hinterfragt – mehr als einmal. Aber mit der Zeit bin ich zum Schluss gekommen, dass der Abstieg für uns auch eine Chance sein kann. Und nun freue ich mich umso mehr, dass wir die Chance haben, wieder aufzusteigen.

BZ: Wer mit Ihnen spricht, dem fällt auf, wie sehr Sie den Teamgedanken verinnerlicht haben. Haben Sie auch einmal einen Einzelsport betrieben?
Hodapp: Ja, Geräteturnen – als Mädchen zur Grundschulzeit und in der fünften Klasse. Aber dann konnte ich nicht mehr beides machen. Da habe ich das Turnen aufgegeben und mich auf Basketball konzentriert.

BZ: Sie gelten basketballerisch als Verteidigungsspezialistin. Jahn München hat in Anne Delafosse, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Anne Breitreiter, eine Spielerin in seinen Reihen, die ehemals als Vollprofi durch europäische Topligen zog und nun mit 33 Jahren ihr Team zum Aufstieg werfen will. Können Sie sie aufhalten?
Hodapp: Ich habe schon oft gegen ihr Ex-Team Wasserburg gespielt. Ich habe einen großen Respekt vor ihr. Da sie aber 15 Zentimeter größer ist als ich und sie eine ausgezeichnete Werferin ist, weiß ich nicht, ob vor allem ich gegen sie spielen werde. Das entscheidet unser Trainer. Bisher habe ich nur wenig direkt gegen sie gespielt.

BZ: Welche Trümpfe hat der USC für die Finalserie?
Hodapp: Das ganze Team. Wir haben eine starke Mannschaft und sind tiefer besetzt als München.

Juliane Hodapp (28) ist ein Urgestein des Freiburger Mädchen- und Frauenbasketballs. Im Sommer endet das Referendariat der Sport- und Biologielehrerin am Freiburger Theodor-Heuss-Gymnasium. Wo es die 1,69 Meter große Hodapp danach beruflich hin verschlägt, weiß sie derzeit noch nicht. Dem Basketballsport will die Flügelspielerin jedenfalls weiter verbunden bleiben – als Trainerin einer Jugendmannschaft und/oder als Spielerin.