"Man will dem Bruder ja was zeigen"

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Mo, 15. Januar 2018

USC Eisvögel

Laura Zdravevska liefert beim 63:56-Sieg der USC-Basketballerinnen gegen Keltern II ihr bisher bestes Spiel im Eisvögel-Trikot ab.

BASKETBALL. Zweite Frauen-Bundesliga Süd: USC Freiburg – Keltern II 83:56 (23:17, 16:12, 19:13, 25:14). Was macht man nicht alles als ältere Schwester für einen jüngeren Bruder? Man hilft ihm bei den Hausaufgaben. Man kocht ihm sein Lieblingsgericht. Man zeigt ihm heimlich, wie das mit dem Autofahren geht. Man sagt ihm, wie die Mädchen ticken und auf was sie stehen.

Die 1,85 Meter große Laura Zdravevska (20), seit dieser Saison Spielerin der Zweitliga-Basketballerinnen des USC Freiburg, hat nach dem 83:56-Sieg des Spitzenreiters gegen den Tabellensiebten Keltern II nicht verraten, in welchen Angelegenheiten und wie oft sie ihrem 16-jährigen Bruder Daniel schon geholfen hat. Aber es waren sicher einige Male.

Irgendwie hat sich der jüngere Bruder, der bei 2,04 Metern Körpergröße beileibe nicht mehr der "kleine Bruder" ist, nun revanchiert. Daniel Zdravevska reiste am Samstag aus München, wo er im Team des FC Bayern in der Nachwuchs-Bundesliga Basketball spielt, nach Freiburg, um seiner älteren Schwester, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr seine "große Schwester" ist, beim Spiel gegen Keltern II zuzuschauen. Daniel Zdravevska scheint Laura Zdravevska mit seiner Anwesenheit inspiriert zu haben. Denn die 20-jährige Nachwuchs-Nationalspielerin, die vor der Saison vom Zweitligisten Würzburg zu den Eisvögeln gekommen war, absolvierte ihr wohl bestes Spiel im Dress des USC. Warum ihr das geglückt ist: "Man will seinem ’kleinen Bruder’ ja etwas zeigen", sagt Laura Zdravevska und schmunzelt. Zwölf Punkte erzielte sie, darunter waren zwei Dreier. Vier Rebounds kamen noch hinzu.

Die junge Frau, die in Freiburg Soziale Arbeit studiert, sagt, sie hätte etwas gebraucht, um sich in der Breisgaumetropole einzugewöhnen. Neue Stadt, neues Team, neuer Coach, alles gar nicht so einfach. Zudem war der Umzug nach Freiburg bereits der zweite Ortswechsel binnen eines Jahres. Zuvor war sie von Grünberg (Hessen) nach Würzburg gezogen.

Neben dem Besuch des jüngeren Bruders haben vielleicht auch Laura Zdravevskas Vorsätze fürs neue Jahr zu dem Leistungssprung beigetragen: "Ich habe mir vorgenommen, mindestens so gut zu spielen wie vergangenes Jahr", sagt sie. Sollten die Vorsätze weiter so beherzigt werden und Bruder Daniel vielleicht noch öfter von München aus anreisen, dann werden die Eisvögel noch viel Freude an der Flügelspielerin haben.

Vor der erstaunlichen Kulisse von 800 Zuschauern (doppelt so viele wie bei der 52:80-Pokalniederlage vor Wochenfrist gegen den deutschen Vizemeister Keltern I) zeigte aber nicht nur Laura Zdravevska aufsteigende Tendenz. Auch Lea Ouedraogo, Pauline Mayer und die erst 15-jährige Luisa Nufer "zeigten, was sie können" (USC-Trainer Pierre Hohn). Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, in der auch defensiv vieles klappte, was sich die Eisvögel vorgenommen hatten, wurde ein Gegner mit 27 Punkten Differenz besiegt, der in der Vorrunde noch mit 91:85 nach zweimaliger Verlängerung gegen die Freiburgerinnen triumphiert hatte. "Das hat heute Spaß gemacht, der Mannschaft zuzuschauen", so Trainer Hohn.

Die 41-jährige Eisvögel-Co-Trainerin Mirna Paunovic, die vor einer Woche gegen Keltern I im Pokal nach fünfeinhalb Jahren Pause erstmals wieder für den USC gespielt hatte, musste es dieses Mal nicht richten. Sie erhielt nur dreizehneinhalb Minuten Spielzeit, die sie aber effektiv zu neun Punkten, zwei Rebounds und zwei Assists nutzte.

"Von Mirna kann ich noch viel lernen", sagt Laura Zdravevska voller Hochachtung. Vielleicht lernt sie ja so schnell, dass Bruder Daniel beim nächsten Besuch wieder ins Staunen gerät beim Begutachten der Leistungen der "großen Schwester".

Für den USC spielten gegen Keltern II: Paunovic 9 Punkte, Zdravevska 12/davon 2 Dreier, Rodefeld 4, Wieczorek 1, Nufer 5/1, Ch. Zehender, Hoffmann 5/1, Ouedraogo 8/2, Hughes 13/3, Gaffney 18, Mayer 8/2.