Basketball

Riesenüberraschung – Freiburger Eisvögel besiegen und stürzen Tabellenführer Keltern

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 18. Februar 2017 um 23:11 Uhr

USC Eisvögel

Big Point im Abstiegskampf: Freiburgs Erstliga-Basketballerinnen zeigen die beste Saisonleistung und gewinnen ihr Heimspiel gegen den bisherigen Spitzenreiter Keltern völlig überraschend mit 69:67 (34:33).

Du hast keine Chance, also nutze sie. Das ist ein Satz, der im Sport oft Anwendung findet. Er steht für Duelle zwischen David und Goliath. Am Samstagabend in der Freiburger Unihalle stand ein solches Duell an. Auf der einen Seite der Spitzenreiter aus der Nähe von Pforzheim, der sich anschickt, an der Vorherrschaft von Serienmeister Wasserburg zu rütteln und der bisher punktgleich vor den Bayern lag, da Keltern beide Partien gegen den Titelverteidiger in dieser Saison gewonnen hat. Und auf der anderen Seite der USC Freiburg, der vor einer Woche nicht nur die bislang letzte Auswärtspartie in Hannover verloren hatte (69:81), sondern weitere Rückschläge zu verkraften hatte. Dem Team wurde nach einem angeblichen Formfehler ein Punkt abgezogen, so dass es vor dem Spiel gegen Keltern auf einem der beiden Abstiegsplätze rangierte. Die Breisgauer legten zwar Widerspruch gegen die Entscheidung der Ligenleitung ein. Aber darüber ist noch nicht entschieden worden. Gegen den Spitzenreiter fielen zudem die Topscorerinnen Kristen McCarthy (Kniebeschwerden) und Mariesa Greene (Zahnprobleme nach einem Zusammenprall mit einer Mitspielerin im Training) aus.

Ein Sieg – ein Ding der Unmöglichkeit? Von wegen

Wie, um Himmels Willen, sollte da ein Sieg gegen den Tabellenersten am 18. von 22 Hauptrundenspieltagen gelingen? "Jede Spielerin muss nach McCarthys und Greenes Ausfall noch ein bisschen mehr aus sich herausholen", forderte Trainer Sascha Bozic. Und er ergänzte: "So lange wir nicht mit zehn Punkten in Rückstand sind, ist alles möglich." In Hälfte eins führten die Eisvögel meist, 19:17 nach dem ersten Viertel, 34:33 zur Halbzeit. Die Hoffnung des Teams wuchs, dem Spitzenreiter vielleicht doch ein Schnippchen schlagen zu können.

Als Keltern aber unmittelbar nach der Halbzeitpause mit einem 10:0-Lauf auf 43:34 davonzog – und das mit der Abgeklärtheit einer Spitzenmannschaft – glaubte kaum einer der 800 Zuschauer in der Unihalle mehr an eine Überraschung.

Die Minuten der Sasha Weber

Aber der Rückstand betrug ja lediglich neun Punkte – und keine zehn. Die nur 1,69 Meter große Kapitänin Juliane Hodapp griff sich unter dem Korb den Ball und versenkte ihn in der Reuse – 36:43. Die ebenfalls stark spielende Centerin Nadjeschda Ilmberger traf zwei Freiwürde – 37 und 38:43. Satou Sabally tat es ihr gleich: 29 und 40:43. Gästetrainer Christian Hergenröther gab trotz des knappen Resultats der jungen Leonie Elbert ein paar Minuten Spielzeit – was die weit größere US-Amerikanerin Sasha Weber zu ihren ersten zwei Punkten in der Partie nutzte – erzielt direkt unterm Korb zum 42:43. Danach ein kurzes Hin und Her, ehe Winter-Neuzugang Weber nun bewies, dass sie nicht nur in der Defensive eine Bereicherung sein kann. Ihr Selbstvertrauen war groß genug, einen Dreier zu probieren – und zu treffen (49:47), es folgten zwei weitere Punkte durch sie. Mit einer Zwei-Punkte-Führung (51:49) zogen die Eisvögel dann ins letzte Viertel. Nun waren sie heiß. Und glaubten an ihre Chance.

Lea Ouedraogo trifft wichtigen Dreier

Ganz langsam schlichen sie jetzt davon, auf vier Zähler und danach durch einen Dreier der 19-jährigen Lea Ouedraogo sogar auf fünf (62:57) und durch einen Zweier von Jovana Vukoje sogar auf sechs (64:58). Doch immer noch waren drei Minuten zu spielen. Keltern kam auf einen Punkt ran, ehe Ilmberger 31 Sekunden zwei Freiwürfe verwandelte und es 67:64 stand. Die Zuschauer jubelten, doch 17,5 Sekunden vor Schluss wurden sie auf einen Schlag leise, wenn sie dem USC die Daumen drückten. Jasmine Thomas versenkte einen Dreier für den Gast – Gleichstand. Der USC nahm eine Auszeit. Nun sollte der Ball in die Hände der erfahrenen Spielmacherin Jovana Vukoje oder der korbgefährlichen Satou Sabally. Die Jugend-Nationalspielerin bekam dann auch das Spielgerät – dribbelte sich unter den Korb und traf 3,7 Sekunden vor der Schlusssirene zum 69:67.

Keltern vergibt die letzte Chance

Nun nahm Keltern eine Auszeit, warf danach von der Mittellinie ein. Der Ball kam wieder zu Thomas, doch die US-Amerikanerin kam nicht mehr zum Wurf. Und die Riesenüberraschung war perfekt. Die Eisvögel verlassen damit die zwei Abstiegsränge wieder – zumindest für eine Nacht, denn an diesem Sonntag hat Chemnitz die Chance, mit einem Sieg in Nördlingen wieder am USC vorbeizuziehen.

Selbst wenn das geschehen sollte, hat die Freiburger Auswahl jetzt großes Selbstvertrauen gesammelt.

Nun gegen die Abstiegskonkurrenten

Wer den bisherigen Spitzenreiter Keltern schlägt, der durch den gleichzeitigen Sieg von Wasserburg in Herne (85:71) auf Rang zwei zurückgefallen ist, der kann den Klassenerhalt im 17. Erstliga-Jahr in Folge schaffen. Zumal es für den USC in den vier noch ausstehenden Partien (davon allerdings drei auswärts) nun – bis auf Bad Aibling – gegen direkte Konkurrenten um den Ligaverbleib geht. Die Gegner lauten: Halle (auswärts), Bad Aibling (auswärts), Nördlingen (daheim) und zum Schluss am 18. März Schlusslicht Rotenburg-Scheeßel (auswärts).