Vor dem Absprung

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 29. Juli 2018

USC Eisvögel

Der Sonntag Die Trainerin Hanna Ballhaus will den USC-Basketballerinnen eine solide Basis geben.

Die Bundesliga-Basketballerinnen der Eisvögel Freiburg arbeiten nach ihrem Aufstieg an einem schlagkräftigen Bundesligateam. Neu-Trainerin Hanna Ballhaus auf der Suche nach der Balance, ein Ausbildungsverein in einer zunehmend von Profis geprägten Liga zu sein.

In der Aviationswissenschaft haben sie einen Begriff für die derzeitige Situation der Eisvögel. Im Handbuch eines jeden Flugkünstlers steht da unter dem Wort Take-off vermerkt: der Moment, in dem ein Flugobjekt die eigene Gewichtskraft überwindet. Um abzuheben, muss die Beschleunigung das eigene Gewicht vergessen machen. In der Ökonomie beschreibt Take-off den Zeitpunkt, ab dem sich ein Wachstum selbständig trägt. Auf den Sport umgemünzt, hieße das dann wohl Absprung ins Glück. Nach der Rückkehr ins Basketballhaus nehmen die Eisvögel und ihre neue Trainerin Hanna Ballhaus gerade Anlauf.

"Wir haben sehr gute Verpflichtungen gemacht", erklärt Ballhaus. Die 35-Jährige ist gut aufgelegt. Sommer und Strand in Galizien, letzte Urlaubstage vor dem Umzug nach Freiburg, Seele baumeln lassen vor dem Trainingsstart Ende August. "Unser Recruiting haben wir dabei auf die Grundidee der Eisvögel ausgelegt", sagt die U20-Bundestrainerin. Was konkret heißt: Die Profis sollen eine solide Basis schaffen. In zweifacher Hinsicht: Für eine gute Saison und für die Umsetzung des Freiburger Jugendkonzepts. "Auf eigene Spieler zu setzen, ist nicht einfach", gesteht Ballhaus. Andere Teams warten mit sieben, acht Profis. Die Eisvögel werden, so viel steht bereits fest, mit vier Profis in die Saison gehen.

Was auf das immerwährende Dilemma jugendorientierter Clubs verweist: In einer zunehmend von reinen Profiteams geprägten Liga bleibt oft die Mannschaft auf der Strecke, die auf die eigene Jugend setzt. Bereits in Liga zwei konnten sie bei den Eisvögeln nicht auf ein reines Team aus Eigengewächsen setzen. "Trotzdem ist die erste Liga jetzt richtig für unsere jungen Spielerinnen", findet Ballhaus, "denn sich gegen Profis im Training durchzusetzen und sich ständig Minuten erarbeiten zu müssen, bringt jede Spielerin weiter."

Das bestätigt auch der sportliche Leiter, der dem einjährigen Intermezzo in der zweiten Bundesliga nach 17 Jahren Erstligazugehörigkeit Positives abgewinnt: "Für die Entwicklung vieler junger Spielerinnen ist das sehr hilfreich gewesen." Spielerinnen wie Luana Rodefeld hätten gelernt, mutiger zu spielen. Die Vorbereitung indes ist bereits seit Monaten in vollem Gange. Und Janson voll gefordert. Einerseits mit der Kaderplanung. "Da werden wir demnächst Vollzug melden können." Andererseits mit Trainingsarbeit. Bis Juni leitete noch Ex-Trainer Pierre Hohn die Übungseinheiten. Der Jurist konzentriert sich zukünftig auf sein Referendariat.

Seitdem teilt er sich in der sportlichen Arbeit mit Jugendtrainer Christian Berkes das Individualtraining. "Das ist für unsere jungen Spielerinnen die wichtigste Phase des Jahres", betont Janson. Schwächen ausmerzen, Stärken ausbauen. Zudem waren Rodefeld, Luisa Nufer und Pauline Mayer mit der Jugendnationalmannschaft unterwegs. Ab Ende August bittet dann die neue Trainerin – die zweite überhaupt bei den Breisgauerinnen, nach dem die Ungarin Zsuzsanna Boksay in der Premierenbundesligasaison 2000/2001 die Geschicke an der Dreisam geleitet hatte – zum Auftakt. Dann auch mit komplettem Kader. Und damit eine ausgewiesene Wunschkandidatin. "Wir haben in Hanna eine der talentiertesten und besten deutschen Basketballtrainerinnen verpflichten können", betont Janson. Kontakt besteht seit langem. Jeder kennt jeden in der Szene. "Besonders die positiv Verrückten fallen auf", findet der Unidozent.

Ballhaus indes hat eine eigentümliche Zeit in Spanien hinter sich. "Der spanische Verband kennt die deutschen Lizenzen nicht an, so dass ich bei den Spielen nicht coachen durfte", berichtet Ballhaus. So kam für zwei Jahre ein sonderbares Konstrukt zu Stande: Die A-Lizenzinhaberin trainierte und coachte Jugendteams bis zur U18, musste sich beim Zweitligisten aber auf die reine Leitung der Übungseinheiten beschränken.

Zuvor war sie neben ihrer Coachingtätigkeit beim Zweitligist Wolfenbüttel gleichzeitig hauptamtliche Trainerin bei den Girls Baskets Braunschweig-Wolfenbüttel, mit denen sie die Nachwuchs-Bundesliga-2016 gewann. Erste Trainerschritte machte Ballhaus früh: "Eigentlich direkt mit dem Ablaufen der Jugendzeit habe ich mit der Trainerarbeit begonnen." Die Karriere begann steil: Ihre erste hauptamtliche Stelle hatte sie bei den Korbjägern des MTV Treubund. Zuvor hatte sie bereits mit dem Osnabrücker SC den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert. Erfahrung pur also, trotz junger Jahre. Auch in der Nationalmannschaft hat sie sich beständig hochgearbeitet: von der Videoassistentin zum Headcoach der U20. Und jetzt die Leitung eines Erstligateams. Wie gesagt: Ballhaus und ihre Eisvögel nehmen gerade Anlauf.