Der "Mister Basketball" von Freiburg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Do, 10. November 2016

Basketball

Siegfried Eckert prägt seit mehr als 40 Jahren die Sport-Landschaft in Südbaden / Für seine Leistungen hat ihn nun auch der deutsche Verband geehrt.

FREIBURG. 40 Jahre USC-Basketball, 30 Jahre Jugendausschuss des Deutschen Basketball Bundes (DBB), 25 Jahre Schatzmeister beim baden-württembergischen Verband, 20 Jahre Kassenwart des Unisportclubs und den eigenen 60. Geburtstag – Siegfried Eckert hatte viel zu feiern. Es war ein vollgepacktes Jahr. Anderes kennt der Jubilar auch nicht. Über einen Tausendsassa, der stets arbeitet.

Dienstagnachmittag, Treffpunkt im einzigen Freiburger Café in einem Stadttor. Die Zeitumstellung hat die Nachmittage dunkler werden lassen, die Feierabend-Fußgänger stolpern durch die kalte Dunkelheit. Eines überrascht nicht: Basketballabteilungsleiter Siegfried Eckert ist schon da, das erste Heißgetränk bereits geleert.

Sinnbildlich, denn irgendwie ist er schon immer da gewesen. Eckert war bereits USC-Mitglied, bevor der Verein auch nur daran gedacht hatte, in der Bundesliga zu starten. 1975, kurz nachdem sein erster Verein, Nachbar 1844 Freiburg, seine Basketballabteilung auflöste, kam er zum USC. Er hat Erstliga-Aufstieg, Ausgliederung des Männer- und Frauenbundesliga-Teams, den Abstieg, die Insolvenz sowie den Neustart der Männer 2011 miterlebt. Den heutigen Eisvögel-Trainer Sascha Bozic betreute er einst mit bei dessen freiwilligem Sozialen Jahr im Hauptverein, den jetzigen hauptamtlichen Jugendtrainer Oliver Mayer trainierte er als Jugendlichen Ende der 80-er, zwanzig Jahre später dessen Sohn Max. Unter Eckerts Ägide schaffte Max vergangenes Jahr den Sprung zum Bundesligisten Gießen.

Die Leitung des heute drittgrößten und zwischenzeitlich gar mitgliederstärksten Basketballvereins Deutschlands war stets nur ein Teil des Eckert-Engagements. "Ich habe immer ,hier’ gerufen", scherzt Eckert. Überraschend, denn er ist ein ruhiger Zeitgenosse, der mitunter grummelig wirkt. Die Worte sind bedächtig gewählt, das Polo des Verbands blitzt unter der Verbands-Jacke hervor. Er hat viel zu erzählen. Es wirkt überall so, als sei er stets irgendwie schon da gewesen. Eckert hat immer auf vielen Hochzeiten getanzt. Seit 25 Jahren ist er stellvertretender Schatzmeister beim baden-württembergischen Verband, seit 30 Jahren im Jugendausschuss des DBB. Mitte der 90er tourte er als Delegationsleiter der Jugendnationalmannschaft durch Europa. Der Finanzbeamte war bereits Pressesprecher des Verbands, als Mitteilungen noch per Brief versandt wurden. Das war, als er von 1979 bis 1982 eine Ausbildung an der Finanzfachhochschule Ludwigsburg absolvierte.

Die Wartezeit auf den Gesprächspartner im Café weiß Eckert gut zu nutzen: "So komme ich wenigstens dazu die 250 Mails zu lesen, die ständig reinschneien." 35 USC Mannschaften wollen schließlich verwaltet werden. Er hat einen langen Tag, eine volle Woche hinter sich: Der ganz normal Eckert-Wahnsinn. Am Samstag riefen ihn die Endinger Basketballer an. In ihrer Halle stand das Wasser. Eckert hat ihnen die Sepp-Glaser-Halle organisiert und aufgeschlossen. Seit halb sieben stand er im Büro, das Gespräch ist die einzige Verschnaufpause. Um 18 Uhr ist Training der U 18. "In Hochzeiten waren es auch mal sechs Teams, die ich gleichzeitig betreut habe", berichtet Eckert. Auch bei einem Bundesligaspiel hat er einst gecoacht. "Irgendwann Ende der 70-er", erinnert er sich. Es war damals in Heidelberg der einzige Sieg, der USC stieg sang- und klanglos ab. Dem Training folgt eine Vorstandssitzung. "Wenn ich dann nach Hause komme, wartet dann noch so ein Stapel Spielberichtsbögen auf mich", sagt Eckert und formt mit den Händen den Umfang eines Basketballs. Die Bögen muss er als "Oberstaffelleiter Jugend" des DBB bis Mittwoch ausgewertet haben.

Seit mehr als 40 Jahren prägt Eckert die Basketball-Landschaft Freiburgs, Südbadens und irgendwie auch Deutschlands. In Anerkennung seiner langjährigen Dienste hat ihm der DBB im Oktober die goldene Ehrennadel verliehen. Es ist ein weiterer Orden am wohlbehangenen Firmament der Eckert-Auszeichnungen. 2001 erhielt er die Landesehrennadel Baden-Württemberg, 2008 die Ehrengabe der Deutschen Sportjugend und dieses Frühjahr den Kurt-Siebenhaar-Trainerpreis.

Die Ehrungen im Jahr des runden Geburtstages sind auch eine Verneigung vor Eckerts Lebenswerk. Aber Bauchpinselei beiseite, denn auf den ersten Blick wirkt es, als liege die Arbeit beim USC derzeit in Trümmern. Dieses Frühjahr erlebten die Männermannschaften einen Doppelabstieg. Die Teams spielen jetzt nur noch Landes- und Oberliga. Verhält es sich mit dem USC also wie mit dem kurzen goldenen Breisgau-Herbst, dessen vor zwei Wochen noch gelb-golden scheinende Blätter jetzt vergilbt-bräunlich plattgetreten am Boden liegen? "Es geht immer um das Gesamtpaket Basketball", relativiert Eckert. Das befinde sich im Aufwind.

Seit vergangenem Jahr hat der USC mit einem hauptamtlichen Angestellten die Zahl der Grundschulkooperationen mehr als verdoppeln können. "Und wir haben jetzt für jedes Team zwei Trainer", freut sich Eckert. So könne eine durchgehend hochwertige Betreuung garantiert werden – die U 18 freilich trainiert nur Eckert. Überhaupt stimmen bei genauerem Hinsehen auch die Ergebnisse. Mit Cosmo Grühn und Max Mayer sind zwei Spieler des Paradejahrgangs 1997/98 in Richtung Bundesliga gewechselt. Mit Emily Kapitza und Pauline Mayer sind zwei Spielerinnen im Dunstkreis der Jugendnationalmannschaft. "Manchmal geht es Außenstehenden zu langsam", sagt Eckert und versichert: "Wir haben aber einen Plan." Dann stapft der hochgewachsene Mann, der sein zusätzliches Schiedsrichter-Engagement als Ausgleich bezeichnet, hinaus in die kalte Nacht. Der Verein wartet. Und im orange-gelben Licht der Straßenlaternen wirkt das Laub am Boden doch wieder ein wenig gülden.

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