USC setzt ein Ausrufezeichen

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Mo, 20. Februar 2017

USC Eisvögel

69:67 – Freiburgs abstiegsgefährdete Basketballerinnen stürzen den Spitzenreiter Keltern.

REIBURG. Big Point im Abstiegskampf: Freiburgs Erstliga-Basketballerinnen zeigten am Samstagabend die beste Saisonleistung und gewannen ihr Heimspiel gegen den bisherigen Spitzenreiter Keltern überraschend mit 69:67 (19:17, 15:16, 17:16, 18:18).

FDu hast keine Chance, also nutze sie. Das ist ein Satz, der im Sport oft Anwendung findet. Er steht für Duelle zwischen David und Goliath. Am Samstag in der Freiburger Unihalle stand ein solches Duell an. Auf der einen Seite der Spitzenreiter aus der Nähe von Pforzheim, der sich anschickt, an der Vorherrschaft von Serienmeister Wasserburg zu rütteln und der bisher punktgleich vor den Bayern lag, da Keltern beide Partien gegen den Titelverteidiger in dieser Saison gewonnen hat.

Und auf der anderen Seite der USC Freiburg, der zuletzt Rückschläge zu verkraften hatte. Dem Team wurde nach einem angeblichen Formfehler ein Punkt abgezogen, so dass es auf einen der beiden Abstiegsplätze zurückfiel. Die Breisgauer legten zwar Widerspruch gegen die Entscheidung der Ligenleitung ein. Aber darüber wurde noch nicht entschieden. Gegen den Spitzenreiter fielen zudem die Topscorerinnen Kristen McCarthy (Kniebeschwerden) und Mariesa Greene (Zahnprobleme nach einem Zusammenprall im Training) aus.

Wie, um Himmels willen, sollte da ein Sieg gegen den Tabellenersten am 18. von 22 Hauptrundenspieltagen gelingen? "Jede Spielerin muss nach McCarthys und Greenes Ausfall noch ein bisschen mehr aus sich herausholen", forderte Trainer Sascha Bozic. Das Spiel gegen den Ersten müsse von der Mannschaft als "Feiertag" angesehen werden. Und er ergänzte: "Solange wir nicht mit zehn Punkten in Rückstand sind, ist alles möglich." In Hälfte eins führten die Eisvögel meist, 19:17 nach dem ersten Viertel, 34:33 zur Halbzeit. Die Hoffnung des Teams wuchs, dem Spitzenreiter vielleicht doch ein Schnippchen schlagen zu können.

Als Keltern aber unmittelbar nach der Halbzeitpause mit einem 10:0-Lauf auf 43:34 davonzog, glaubte kaum einer der 800 Zuschauer mehr an eine Überraschung. Aber der Rückstand betrug ja lediglich neun Punkte – und keine zehn. Kapitänin Juliane Hodapp griff sich unter dem Korb den Ball und versenkte ihn – 36:43. Die ebenfalls stark spielende Centerin Nadjeschda Ilmberger traf zwei Freiwürfe – 37 und 38:43. Satou Sabally tat es ihr gleich: 29 und 40:43.

Sasha Weber überzeugt erstmals in der Offensive

Dann nutzte die US-Amerikanerin Sasha Weber einen Größenvorteil unter dem Korb – 42:43. Danach ein kurzes Hin und Her, ehe Winter-Neuzugang Weber bewies, dass sie nicht nur in der Defensive eine Bereicherung sein kann. Ihr Selbstvertrauen war nun groß genug, einen Dreier zu probieren – und zu treffen (49:47), es folgten zwei weitere Punkte durch sie. Mit einer Zwei-Punkte-Führung (51:49) zogen die Eisvögel ins letzte Viertel. Nun glaubten sie an ihre Chance.

Ganz langsam schlichen sie jetzt davon, auf vier Zähler und danach durch einen Dreier der 19-jährigen Lea Ouedraogo sogar auf fünf (62:57) und durch einen Zweier von Jovana Vukoje sogar auf sechs (64:58). Doch immer noch waren drei Minuten zu spielen. Keltern kam auf einen Punkt ran, ehe Ilmberger 31 Sekunden zwei Freiwürfe verwandelte (67:64). Die Zuschauer jubelten, doch 17,5 Sekunden vor Schluss wurden die USC-Fans auf einen Schlag leise: Jasmine Thomas versenkte einen Dreier für den Gast – Gleichstand. Der USC nahm eine Auszeit. Nun sollte der Ball in die Hände der erfahrenen Spielmacherin Jovana Vukoje oder der korbgefährlichen Satou Sabally. Die Jugend-Nationalspielerin bekam dann auch das Spielgerät – dribbelte sich unter den Korb und traf 3,7 Sekunden vor der Schlusssirene zum 69:67.

Nun nahm Keltern eine Auszeit, warf danach von der Mittellinie ein. Der Ball flog wieder zu Thomas, doch sie kam nicht mehr zum Wurf. Die Riesenüberraschung war perfekt. USC-Topscorerin Nadjeschda Ilmberger konnte es Minuten danach kaum fassen: "Wir haben bewiesen, dass wir besser sind als der Tabellenstand. Aber so richtig an den Sieg habe ich erst kurz vor Schluss geglaubt."

Wer den bisherigen Spitzenreiter Keltern schlägt, der durch den gleichzeitigen Sieg von Wasserburg in Herne (85:71) auf Rang zwei zurückgefallen ist, der kann den Klassenerhalt im 17. Erstliga-Jahr in Folge schaffen. Zumal es für den USC in den ausstehenden Partien nun – bis auf Bad Aibling – gegen direkte Konkurrenten um den Ligaverbleib geht. Die Gegner: Halle, Bad Aibling (beide auswärts), Nördlingen (daheim) und zum Schluss am 18. März Schlusslicht Rotenburg-Scheeßel (auswärts).

Freiburg: Weber (7 Punkte/davon 1 Dreier), Hoffmann (2), Ouedraogo (6/2), Hodapp (8/1), Sabally (13/1), Rodefeld (2), Ilmberger (15), H. Mestdagh (5/1), Vukoje (11/1). Keltern: Thomas (5/1), Ciappina, Elbert, Pokk (4), Vucurovic (9), Markovic (6), Teilane (13), Davis (18), Mayombo (12/1). Schiedsrichter: Reiter, Petricevic. Zuschauer: 800.