Basketball

USC-Trainer - ungleicher geht kaum

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 06. Oktober 2017

USC Eisvögel

Pierre Hohn ist erst 25 Jahre alt, aber schon Cheftrainer der USC-Basketballerinnen. Mirna Paunovic, 41, ist Novizin als Co-Trainerin.

BASKETBALL. Ein ungewöhnliches Trainerduo soll die Entwicklung des jungen Teams voranbringen und – wenn möglich – die Eisvögel wieder zurück in die erste Bundesliga. Mirna Paunovic (41), ehemals Nationalspielerin von Bosnien-Herzegowina und von 2005 bis 2012 Centerin beim USC-Freiburg, ist die Co-Trainerin. Der 16 Jahre jüngere Pierre Hohn ist der Cheftrainer. Kann das funktionieren?

Manchmal fühlt sich Mirna Paunovic, die vor fünfeinhalb Jahren ihre Laufbahn als aktive Basketballerin beim USC Freiburg beendete, noch als Spielerin. Als sich die zweifache Mutter, die inzwischen mit ihrem Mann und Ex-Handball-Profi Damir Hasanovic sowie den beiden kleinen Kindern in Ettenheim wohnt, vergangenes Wochenende auf ihr erstes Heimspiel als Co-Trainerin der Zweitliga-Basketballerinnen des USC Freiburg vorbereitete, war ihr erster Gedanke: "Habe ich denn auch die Basketballschuhe eingepackt?" Noch denkt sie wie eine Spielerin. Nicht wie eine Trainerin. "Ich weiß, dass ich mich da ändern muss", sagt sie. Aber wer seit seiner Jugend Basketballspielerin ist, erst zum Vergnügen und dann als Profi quer durch Europa, der ist in dieser Rolle irgendwie festgelegt.

Vielleicht ist das gut so. Denn so sind die Rollen zwischen Hohn und Paunovic klar verteilt. Obwohl sie auf höchstem europäischen Niveau gespielt hat, fühlt sich Paunovic nicht als die geborene Trainerin. Sie selbst sieht sich als Novizin auf diesem Gebiet. Im Training ist sie fürs Individuelle zuständig. Sie formt, fordert und fördert. Sie überprüft. Manchmal will sie mitspielen – und tut es dann und wann auch. Selbst wenn es lediglich dem Zweck dient, zu zeigen, wie man richtig ausblockt. Von der 41-Jährigen, die es zu einer Final-Four-Teilnahme in der Euroleague, also der Champions League des Basketballs, gebracht hat, lassen sich die Eisvögel-Küken gerne etwas erklären.

Zumal die 1,85 Meter große Frau, die beim USC zu ihrer aktiven Zeit die Konstante auf der Centerposition war, eine beachtliche Physis mitbringt. Die Basketballerinnen des USC-Kaders (Altersdurchschnitt 19,2 Jahre), die in Freiburg aufgewachsen sind, haben Paunovic noch spielen sehen. Damals waren sie fast alle noch Mädchen und die Centerin eines ihrer Vorbilder. "Wissen vermitteln, das macht mir Spaß", sagt Mirna Paunovic, die wegen ihrer zwei Kinder zu Eisvögel-Auswärtsspielen nur im Ausnahmefall mitfahren wird.

Wenn es um die Taktik des Teams und das Analysieren des Gesamten geht, hat indes Pierre Hohn das Sagen. Der 25-Jährige, zuletzt beim Nord-Zweitligisten Bremerhaven, verfügt trotz seines niedrigen Alters bereits über siebenjährige Erfahrung als Mädchen- und Frauencoach. Dem examinierten Juristen gefällt die Aufgabenstellung beim USC Freiburg. "Ich war immer vom Freiburger Modell angetan, dass mit vielen jungen deutschen Spielerinnen gearbeitet wird", sagt er. So kam beim Bundesjugendlager 2016 der Erstkontakt zu Harald Janson zustande, dem Sportlichen Leiter der Eisvögel.

Als der USC Freiburg im Frühjahr dann nach 17 Jahren in Folge aus der ersten Liga abstieg und klar war, dass der angehende Lehrer Sascha Bozic als Trainer nicht weitermachen würde, war Pierre Hohn der erste Kandidat. Harald Janson konnte ihm – ungewöhnlich für die Eisvögel, aber auch für die gesamte zweite Frauen-Bundesliga – eine hauptamtliche Stelle als Coach anbieten. So hat der neue USC-Trainer eine nach eigener Auskunft "sehr, sehr interessante Aufgabe angenommen".

Aufgrund der klar abgesteckten Aufgabengebiete sieht er in der etwas unüblichen Trainerkonstellation beim USC kein Problem: "Mirna weiß, was sie machen muss. Und ich weiß, was ich zu tun habe."

Am Samstag, 19.30 Uhr, treffen die Eisvögel in der heimischen Unisporthalle im dritten Saisonspiel auf den Ex-Erstligisten Bamberg. Trainer Pierre Hohn zählt die Franken zu den Mitfavoriten um den Titel in der zweiten Liga Süd. Allerdings ist Bamberg mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet.