Basketball

Visionär: Trainer Marko Simic vom CVJM Lörrach

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 03. März 2017 um 00:01 Uhr

Basketball

Als Bundesliga-Trainer war Marko Simic eine große Nummer im deutschen Basketball. Nun hat er beim CVJM Lörrach die Fäden in der Hand – und mit dem Team Großes vor.

Er trainierte einst Profis aus aller Welt in der Basketball-Bundesliga. Heute hat Marko Simic die Fäden beim CVJM Lörrach in der Hand – in der U-16-Oberliga Baden.

Apres-Ski mitten im Bayerischen Wald: Es gibt schlimmere Orte, den Aschermittwoch ausklingen zu lassen. Ohne Jacke ist es vor der Hütte aber trotz strahlendem Sonnenschein zu kalt. Kaum ist die übergeworfen, sprudelt es aus Thomas Schönbett heraus. Nicht nur das Alpenpanorama sorgt derzeit für ausgelassene Stimmung beim sportlichen Leiter der Lörracher Basketballer. "Es läuft richtig gut", sagt er. Die Männer-Mannschaft führt souverän die Tabelle der Landesliga an. Läuft alles normal, kehrt der CVJM in die Oberliga zurück. Seit mehr als zehn Jahren leitet Schönbett als Sportwart oder Trainer die Geschicke in Lörrach. Am Ende dieser Spielzeit gibt er seinen Trainerjob ab an den derzeitigen Assistenten Matthias Blum ab und konzentriert sich auf organisatorische Aufgaben. Die Meisterschaft wäre der krönende Abschluss.

Jüngster Coach der Bundesliga-Geschichte

"Die Landesliga ist nicht so wichtig", wiegelt Schönbett ab. Es brauche vielmehr eine gesunde Basis. Vor der Spielzeit hatte er erklärt, man wolle vermehrt auf die eigene Jugend setzen. Ohne Nachwuchs fehle "die Perspektive". Ein alter Hut. So argumentierte der CVJM bereits 2010 nach dem Regionalligarückzug. Dieses Jahr ist aber vieles anders. Für die Schönwetter-Stimmung ist in erster Linie ein Mann verantwortlich. Mit Marko Simic trainiert seit September ein Hochkaräter das U-16-Oberligateam. "Ein Geschenk des Himmels", wie Schönbett bei der Verkündung seines Coups betonte.

Ortswechsel nach Basel. Man hört Marko Simic im Lift zur Wohnung die Erschöpfung nach einem langen Arbeitstag an. Man darf das Zeitkorsett für ein Gespräch mit ihm nicht zu eng schnüren. Er kann gut erzählen, hat viel zu berichten. Früher stand der Schweizer stundenlang in der Halle, korrigierte den Sprungwurf seiner Profis, besprach Videoanalysen, tingelte mit seinen Bundesliga-Teams durch Deutschland und spielte vor tausenden von Zuschauern. Heute arbeitet er als Accountmanager bei einer Telekommunikationsfirma in Basel. Finden sich zu einem seiner Spiele mehr als 50 Zuschauer ein, ist das ein Spitzenwert.

Basketball ist zur Nebensache geworden. Nach fast zehn Jahren Bundesliga zog es Simic 2013 wieder in die Heimat. "Ich wollte mehr Nachhaltigkeit und Kontinuität." Wenn Simic so erzählt, wirkt das grotesk, der Zeit entrückt, als spräche ein Pensionär kurz nach Beginn der Rente. Das hat einen Grund. Simic war einst ganz früh dran. 2008 wurde er mit 21 Jahren jüngster Trainer in der Geschichte der Bundesliga.

Schweizer mit serbischen Wurzeln

Der Schweizer mit serbischen Wurzeln hat trotz seiner gerade 29 Lenze schon mehr Erfahrung auf dem Buckel als manch arrivierter Bundesligatrainer. In der kleinen Welt des deutschen Basketballs war er einst die große Nummer. Als in Landshut 2008 der Cheftrainer den Hut nahm, sprang Jugendcoach Simic ein und führte die Niederbayern in der Pro B von einem Abstiegsplatz ins gesicherte Mittelfeld. In Bamberg, einem der prominentesten deutschen Basketball-Standorte, übernahm er später die Leitung der Jugendakademie, war aber nach der Hälfte der Saison und einem Sponsorenwechsel erneut zum Ortswechsel gezwungen.

In Osnabrück coachte Simic schließlich zwei Jahre lang erfolgreich das Pro-A-Team. Über Heidelberg wechselte er nach Gotha, wurde 2012 Meister der Pro B und zum Bundesligatrainer des Jahres gewählt – mit 24. Als es in seinem dritten Gotha-Jahr nicht mehr so recht lief, trat Simic zurück – und zog zurück in die Heimat, trainierte ein paar Monate die Starwings Basel in der Schweizer Nationalliga und bis 2015 die U-20-Nationalmannschaft der Eidgenossen. Seitdem ist es still geworden um die einstige Trainer-Hoffnung.

CVJM-Talent Silas Rudolph wechselt nach Ludwigsburg

Warum jetzt Lörrach? Das war keine Bauchentscheidung. Dazu ist Simic zu sehr Visionär und Planer. "Mit einem Einzugsgebiet von 200 000 Einwohnern und nur ganz wenig Konkurrenz ist Lörrach die perfekte Adresse", erläutert er. Seit Freiburg im Männerbereich kleine Brötchen backt, reiche Basketballdeutschland nur noch bis Karlsruhe. "Strukturell ist Lörrach super aufgestellt", sagt Simic und verweist auf knapp 20 Jugendtrainer und mehrere Kleinbusse. Obwohl der Job ehrenamtlich läuft, ist Simic mit Feuereifer bei der Sache. Mit Silas Rudolph, 15, hat er auch schon einen Rohdiamanten in den eigenen Reihen. Als der Deutsche Basketballbund Rudolph nicht zum Sichtungslehrgang der Nationalmannschaft einlud, setzte sich Simic mit seinem Zögling ins Auto und schlug in Heidelberg auf. Den Sprung in den Kader verpasste Rudolph knapp. Bundesliga-Scouts horchten aber auf. Zur neuen Saison wechselt Rudolph nach Ludwigsburg.

Simic hat Großes vor

Auch wenn Simic nicht weiß, wohin es für ihn in den kommenden Jahren geht, hat er große Visionen. Das Event Basketball sei für die Stadt Lörrach eine Chance. "Da kann man mit geringem Aufwand deutschlandweit bekannt werden." Mit "einer halben Million Euro" könne man "in der Bundesliga dabei sein". Die U-16-Bundesliga sei noch leichter zu erreichen – wenn auch ferne Zukunftsmusik. Hört man Simic aber reden, klingt es nicht abwegig. Und es wäre ja nicht das erste Mal, wenn er einiges bewegen würde.

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