"Wie ein Energiestoß"

Michael Wilkening

Von Michael Wilkening

Mo, 24. April 2017

Basketball

BZ-INTERVIEW mit Paul Zipser über seine erste NBA-Saison.

CHICAGO/HEIDELBERG. Beeindruckend schnell hat sich der gebürtige Heidelberger Paul Zipser in seiner Premierensaison in der stärksten Basketballliga der Welt durchgesetzt und spielt nun mit den Chicago Bulls in den Playoffs. Im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen die Brooklyn Nets stellte Zipser mit 21 Punkten eine persönliche Bestleistung auf. Nach zwei Auftaktsiegen müssen die Bulls nun die erste Playoff-Heimniederlage gegen die Boston Celtics (87:104) verkraften. Über Playoffs und prominente Kollegen sprach Michael Wilkening mit Zipser.

BZ: Was bedeuten Ihnen die Playoffs in Ihrem ersten Jahr in der National Basketball League (NBA)?
Zipser: Die Playoffs sind das Ziel jedes Teams. Dass wir das geschafft haben, ist sehr gut für jeden einzelnen und den gesamten Klub. Das hat auch eine große Bedeutung für die Stadt. Jetzt ist für uns alles möglich. Unser Selbstvertrauen ist derzeit einfach riesig.
BZ: Nach einigen Monaten haben Sie den Mythos "Chicago Bulls" sicher schon zu spüren bekommen. Wie macht er sich bemerkbar? Wo ist er ein Hemmnis, weil die Erwartungen so groß sind, wo kann er beflügeln?
Zipser: Ein Hemmnis ist er gar nicht. Jedes Mal, wenn wir uns für ein Spiel bereit machen, gibt es mir einen besonderen Energiestoß. Dieses Trikot. Die Banner in der Halle. Die Musik beim Einlaufen. So vieles.
BZ: Sie sitzen in einer Kabine mit Dwayne Wade und Jimmy Butler, zwei absoluten Superstars der NBA. Fühlt sich das für Sie immer noch wie ein Traum an, oder ist das mittlerweile zur Normalität geworden?
Zipser: Natürlich haben die beiden eine andere Stellung im Team, aber letztendlich sind die beiden auch "nur" Teamkollegen. Da gewöhnt man sich ziemlich schnell dran.
BZ: In Ihrer Premierensaison haben Sie Statistiken, die besser sind als beispielsweise die von Dennis Schröder, und die denen von Dirk Nowitzki in dessen erstem Jahr ähneln. Wie bewerten Sie Ihre erste Regular-Season in der NBA?
Zipser: Ich denke, ich darf zufrieden sein. Ich weiß, dass ich Bälle versenken kann, und das weiß auch jeder im Team. Ich sehe, was ich besser machen kann, und daran wird im Sommer gearbeitet. Ich halte nicht viel davon, mich mit anderen zu vergleichen, das ist doch Schwachsinn. Jede Situation ist anders, und gerade bei Dirk und Dennis macht ein Vergleich wenig Sinn, weil sie auf anderen Positionen spielen.
BZ: Mit welchen Gefühlen und Erwartungen sind Sie denn in die Playoffs gegangen?
Zipser: Wie schon erwähnt, lebt man ja für diese Momente und für diese Partien. Dafür trainiert man hart im Sommer. Deshalb war ich schon sehr gespannt.
BZ: Vor kurzem hat Bastian Schweinsteiger Sie in der Arena besucht, der für die Fußballer der Chicago Fire spielt. Wie war das Aufeinandertreffen und planen Sie einen Gegenbesuch? Wer von Ihnen ist in Chicago denn nun der berühmtere Deutsche?
Zipser: (lacht) Ich glaube, in Sachen Bekanntheit habe ich gegen Basti keine Chance. Ich habe mich aber gefreut, ihn mal wieder zu sehen, es war ja schon ein bisschen her, dass ich ihn zuletzt in München gesehen habe. Wenn unsere Saison rum ist und ich in Chicago trainiere, werde ich mir sicher ein paar Spiele von ihm bei den Fire anschauen. Hoffentlich dauert es aber noch ein wenig, bis ich dafür Zeit finde.