Zwischen Privileg und Bestrafung

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Do, 31. August 2017

USC Eisvögel

Freiburgs Basketballerinnen üben wieder – für das Ziel Wiederaufstieg / Vorrang soll Förderung von deutschen Talenten haben.

BASKETBALL. Die Sonne sticht vom Himmel, doch für die schönen Seiten des Spätsommers haben die jungen Frauen in der Unisporthalle II an diesem Nachmittag kaum einen Blick. Man kann darüber streiten, ob es eine Bestrafung ist, bei mehr als 30 Grad Celsius Außentemperatur sich ausgerechnet in einer schwül-warmen Sporthalle körperlich zu ertüchtigen. Vielleicht ist es auch ein Privileg, denn so entgehen die Basketballerinnen des USC Freiburg wenigstens der prallen Sonne.

Über die Frage Bestrafung oder Privileg will sich keine der 15 Spielerinnen auslassen. Sie alle sind zum ersten gemeinsamen Training unter dem neuen Coach Pierre Hohn gekommen. Es ist das erste Training als Zweitligist – nach stolzen 17 Jahren erster Liga.

Doch bevor das junge Team, in dem vier der sieben Neuzugänge aus der eigenen Jugend stammen (Leonie Kambach und Pauline Mayer/jeweils 16 Jahre, Emily Kapitza/17, Luisa Nufer/15), sich des Balles annehmen dürfen, ist Geduld angesagt. Eine knappe Dreiviertelstunde lang hat Mareike Röll das Sagen. Die Athletik- und Krafttrainerin der Eisvögel macht Stabilitätsübungen und gymnastische Einheiten vor. Sie korrigiert, sie spornt an. Und man erkennt gleich, wer schon mit ihr gearbeitet hat und wer nicht. Zu letzteren gehören die beiden US-Amerikanerinnen Kelly Hughes und Kristen Gaffney. Sie werden von Röll schon besonders beäugt.

Dann übernimmt der neue Trainer Pierre Hohn, der mit 25 Jahren jünger ist als die älteste USC-Spielerin Juliane Hodapp (27). Die bisherige Kapitänin will in dieser Saison zwar kürzertreten, aber beim Auftakttraining marschiert die flinke Verteidigungsspezialistin gewohnt vorneweg. Mit Hohn kommt der Ball ins Spiel. Die Übungen zeigen gleich, welche Art von Basketball er spielen lassen will: aggressiv und schnell. Der Schnellangriff soll wieder eine Spezialität werden – wenn auch dieses Mal in Liga zwei.

17 Jahre lang flatterten die Eisvögel meist putzmunter in der ersten Liga herum. Doch in der vergangenen Saison lähmte in den entscheidenden Spielen eine rätselhafte Flügelstarre Mannschaft, Trainer und Funktionäre. Hinzu kam der Ausflug in die Eurocup-Qualifikation und anschließend die Teilnahme an der Central Europe Women League, die Absage des Finalturniers wegen einer Terminkollision mit der ersten Bundesliga – und auch noch ein Punktabzug wegen einer nicht einsatzberechtigten Spielerin. Alles in allem: eine Saison zum Vergessen, an deren Ende der Abstieg in die zweite Liga Süd stand.

Aber die Eisvögel wären nicht die Eisvögel, wenn sie nicht auch dem Abstieg noch etwas Gutes abgewinnen könnten. Und der Sportliche Leiter Harald Janson wäre nicht Harald Janson, wenn er im Abstieg nicht auch eine Chance sehen würde. Für den schulstress-geplagten Trainer Sascha Bozic kam Coach Pierre Hohn aus Niedersachsen als Coach an die Schwarzwaldstraße – und das hauptamtlich.

Einige Nationalspielerinnen aus den Nachwuchsteams

Er arbeitet mit einer runderneuerten Mannschaft mit zahlreichen deutschen Jugend- und Junioren-Nationalspielerinnen. Man will die jungen Frauen vor allem fördern, aber auch fordern: "Den Wiederaufstieg habe ich mir zum Ziel gesetzt – und die Mannschaft auch", sagt Hohn. Nicht umsonst prangt derzeit auf der Homepage des Vereins ein Ausschnitt des Sportteils der Badischen Zeitung vom 11. Oktober 2000, also vier Tage vor dem ersten ersten Punktspiel in der ersten Liga – versehen mit dem Zusatz: "Das war mal...und kommt wieder..!!" Der zweite Slogan ist: "Unsere eigenen Talente in der zweiten Liga DBBL-fähig machen."

Die Fans der Eisvögel müssen auf die Premiere ihrer Mannschaft allerdings noch einen Monat warten. Die neu zusammengesetzte Auswahl mit nur noch zwei US-Profis ist zwar seit Montag wieder im Mannschaftstraining und bestreitet immerhin an vier Wochenenden Testspiele beziehungsweise Vorbereitungsturniere. Aber die finden ausschließlich in fremden Hallen statt, in Straßburg, Nördlingen, Saarlouis und dem schweizerischen Fribourg.

Erst am Samstag, 30. September (19.30 Uhr), spielt das Team vor heimischem Publikum – zum Zweitliga-Rundenstart gegen das Team aus Speyer-Schifferstadt. Bis dahin wird Mareike Röll den Spielerinnen noch so manche Dysbalance austreiben und Pierre Hohn so manchen Spielzug mit lautem Kommando stoppen. Ganz gleich, ob draußen die Sonne lacht oder nicht. Zumindest körperlich wollen sich die neuen Eisvögel schon so fit präsentieren, als wären sie wieder erste Liga.