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19. Mai 2017 06:50 Uhr

Transfermarkt

Der EHC Freiburg wird jünger und wohl defensiver

Der EHC Freiburg ist schwer aktiv auf dem Transfermarkt. Nach dem Weggang mehrerer Leistungsträger soll die Mannschaft jünger werden – und eine defensivere Grundausrichtung erfahren. Am Donnerstag vermeldete der Verein die Verpflichtung von Verteidiger Jannik Woidtke, der aus Kaufbeuren nach Freiburg wechselt.

  1. Trainer Leos Sulak gibt den Wölfen in der vergangenen Saison Anweisungen – bald wird das Team neu gemischt sein. Foto: Patrick Seeger

Beim EHC Freiburg gibt es zahlreiche personelle Rochaden - eine Neuausrichtung zeichnet sich ab. Der EHC Freiburg ist auf dem Transfermarkt aktiv. Beim Eishockey-Zweitligisten ist die strukturelle Neuausrichtung im vollen Gange. Nach dem Weggang mehrerer Leistungsträger soll die Mannschaft insgesamt jünger werden und eine defensivere Grundausrichtung erfahren.

Es bewegt sich was an der Ensisheimer Straße – einiges, um genau zu sein – denn der EHC Freiburg befindet sich im Umbruch. Leistungsträger haben den Verein verlassen, kampferprobte DEL-2-Recken und junge Cracks schließen sich dem Wolfsrudel an. Wenngleich der harte Kern aus Eigengewächsen bestehen bleibt, wird klar: Das Team verändert sich – sowohl in personeller, als auch in spielerischer Hinsicht.

Drei tragende Säulen der Freiburger Offensive haben den EHC verlassen

Wölfe-Eishockey – das stand in der vorangegangenen Saison besonders für eines: Geschwindigkeit. Schnelle Spieler, schnelles Umschaltspiel, schnelle Pässe. Was die Freiburger Offensivabteilung – gespickt mit Edeltechnikern wie Chris Billich, Niko Linsenmaier oder Radek Duda – im Angriff zelebrierte, machte Spaß und bescherte dem EHC den drittbesten Sturm der Liga. Diese Zeiten scheinen vorbei, denn mit Linsenmaier, dem Tschechen Duda und dem ungarischen Nationalspieler Márton Vas, der zu den torgefährlichsten Verteidigern der Liga gehört, haben drei tragende Säulen der Freiburger Offensive den Klub verlassen. Linsenmaier – gemeinsam mit Billich bester deutscher Scorer der vergangenen DEL-2-Saison – versucht sein Glück bei den Krefeld Pinguinen in der DEL.

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Über die Zukunft der Routiniers Vas und Duda ist noch nichts bekannt. Gleiches gilt für den 39-jährigen Defensivmann Milos Vavrusa, der Freiburg nach vier Jahren den Rücken kehrt. Ebenfalls den Verein verlassen haben die Förderlizenzspieler Steven Billich (ESV Kaufbeuren) und Yannick Mund (Lausitzer Füchse). Richtung Schwenningen wandert Marco Wölfl ab, die bisherige Nummer zwei im Wölfe-Tor. Es klingt nach Ausverkauf – kann jedoch auch sein Gutes haben.

Das Geld für Einkäufe ist da

An der Ensisheimer Straße redet man nicht gerne übers Geld. Gleichwohl dürften sich den Wölfen durch die jüngsten Spielerwechsel nun ungeahnte finanzielle Möglichkeiten bieten. Zumal in Chris Billich ein hervorragender Teamplayer dem Rudel die Treue hält, der manchem Angreifer ein Engagement im Breisgau schmackhaft machen könnte. Kapazitäten für Einkäufe sollten vorhanden sein. Fakt ist dennoch: Der EHC verfügt über vergleichsweise kleine finanzielle Mittel und dürfte es deshalb schwer haben, große Namen anzulocken.

Allerdings stellte Trainer Leos Sulak immer wieder ein goldenes Händchen bei der Spielersuche unter Beweis – gerade in seinem Geburtsland Tschechien, wo er neben den ehemaligen Nationalspielern Duda und Lukas Mensator einst auf Angreifer Petr Haluza stieß, der bereits beim Aufstieg in die DEL 2 das EHC-Trikot trug und seither in jeder Saison zu den Topscorern zählt.

Weiteres ergibt sich oftmals aus den Mechanismen des Transfermarktes, auf dem umworbene Spieler in ihrem Wert steigen, jene, die bei keinem neuen Team unterkommen, jedoch bald für weniger zu haben sind. Geduld könnte sich also auszahlen. Gleichzeitig sind erste Schritte in Richtung Kaderkonstellation bereits getan.

"Man hasst es, gegen Spieler wie Jakub Körner zu spielen, liebt es aber, sie im Team zu haben" Kapitän EHC Freiburg, Philip Rießle
Erste Neuverpflichtungen waren die beiden Jungspieler Gabriel Federolf (21 Jahre) und Daniel Maly (19). Während Federolf zuletzt in der drittklassigen Oberliga die Schlittschuhe schnürte, ist der EHC für den Deutsch-Tschechen Maly die erste Profistation seiner Karriere.

Nun wartet der EHC aber mit den ersten namhaften Transfers des Sommers auf – ebenfalls in der Defensive. Zunächst verpflichtete man den 37-jährigen Jakub Körner von den Eispiraten Crimmitschau. Seit über zehn Jahren ist der Routinier in der zweithöchsten deutschen Spielklasse aktiv und gilt als physisch starker Verteidiger, was er zuletzt in der Playdown-Serie gegen Rosenheim unter Beweis stellte.

"In Freiburg soll Jakub Körner eine Schlüsselrolle in der Abwehr übernehmen und als routinierter Aufbauspieler auch Marton Vas ersetzen", kommentierte die EHC-Vereinsführung den Wechsel. Kapitän Philip Rießle, der seinen Vertrag bereits um ein weiteres Jahr verlängert hat, beschreibt seinen neuen Mannschaftskameraden aus Spielersicht: "Man hasst es, gegen Spieler wie Jakub zu spielen, liebt es aber, sie im Team zu haben", so der Leitwolf. "Sie gehen dahin wo es wehtut."

Zusätzliche Stabilität für die Wölfe-Defensive

Ähnliches gilt für Verteidiger Jannik Woidtke, der aus Kaufbeuren nach Freiburg wechselt. Der 26-Jährige pflegt einen ähnlichen Stil wie Körner und dürfte der zusätzliche Stabilität verleihen. Offensichtlich geht die Ausrichtung in eine defensivere Richtung, als noch in den Vorjahren. Indirekt bestätigt dies auch Trainer Sulak, der sich "eine körperlich stärkere Abwehr" wünscht und so die größte Baustelle des EHC aus der Vorsaison angeht. Angesichts eines gewissen Aderlasses am vorderen Ende des Eises eine ebenso logische wie richtige Weichenstellung, denn zuletzt kassierten die Breisgauer 177 Gegentore und leisteten sich die schlechteste Unterzahlquote (76 Prozent) der gesamten Liga.



Die Zeiten des Offensivspektakels scheinen also auf den ersten Blick vorbei – noch steht aber nicht fest, welche Verpflichtungen die Verantwortlichen bis zum Ende des Sommers aus dem Hut zaubern. Bislang ist keine der vier möglichen Ausländerpositionen besetzt. "Hier wäre es denkbar, drei Stürmer und einen Torwart zu benennen", erklärt Sulak. Und auch der Kapitän weiß, was von den möglichen Neuen im EHC-Dress zu erwarten ist. "Von den ausländischen Stürmern brauchen wir vor allem eines: Scoring, scoring, scoring." Bange ist an der Ensisheimer Straße jedenfalls keinem – und der Sommer ist noch lang.

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Autor: Benjamin Resetz