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20. Oktober 2017

Handball

Drittligist HSG Freiburg fehlen drei Torhüterinnen

Nur zwei Torhüterinnen sind fit: Drittliga-Handballerinnen müssen auch im Heimspiel gegen den TV Möglingen improvisieren.

  1. Abtauchen nach einem HSG-Sieg – das möchte Torfrau Paula Petersen gerne auch am Samstag. Foto: Patrick Seeger

HANDBALL. Schon die Rückennummer weist ihre hervorgehobene Stellung aus: Allerdings stellt die "Eins" deren Träger im Gefüge von Handballmannschaften, wie sie glauben macht, nicht an die Spitze, sondern vielmehr an die letzte Stelle. Bei den Schlussleuten ist der Grat zwischen belächeltem Depp und gefeiertem Held jedoch überaus schmal. Langes Nachkarten hilft im Handballgehäuse nicht, da die nächste Bewährungsprobe stets wenig später folgt. Torkeeper sind denn auch Einzelkämpfer, auf denen in jedem Spiel ein hohes Maß an Verantwortung lastet.

Wohl dem, der über mehrere gute Torverhinderer verfügt. Die Handballerinnen der HSG Freiburg etwa besitzen insgesamt eine Handvoll von ihnen in der ersten und zweiten Mannschaft. Eigentlich. Jedoch sind derzeit gleich drei außer Gefecht, so dass Coach Ralf Wiggenhauser an jedem Spieltag zum Improvisieren genötigt ist. "So schlimm war die Situation in all’ den Jahren noch nie, nur zwei Torhüterinnen sind fit", stöhnt der Trainer des Drittligateams – Stefanie ("Steffi höre ich lieber") Weber und Paula Petersen.

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Angeführt wird die Verletztenliste von Lena Fischer. Die Stammkeeperin, die auch aufgrund ihrer Erfahrung den jungen Spielerinnen Halt verleihen sollte, hat sich vor drei Monaten das Kreuzband im Knie gerissen und wird wohl frühestens in der Rückrunde wieder eingesetzt werden können. Überdies verletzte sich ihre Vertreterin Debora D’Arca, die der HSG Freiburg zum Saisonstart gegen die Reserve des deutschen Meisters Bietigheim mit starken Paraden die ersten zwei Punkte festhielt, im zweiten Match beim TuS Metzingen II. "Nach 2:22 Minuten bin ich einem abgewehrten Ball nachgelaufen, am Kreis mit einer Gegenspielerin zusammengeprallt und blöd auf die rechte Schulter gefallen", schildert sie den Vorfall. Die Folgen: ein angerissenes Band und rund sechs Wochen Pause.

Die Armschlinge hat die 23-Jährige zwar inzwischen wieder abgestreift, doch ist vorerst lediglich an Lauf- und Krafttraining der Beine zu denken. "Es ziebt noch bei bestimmten Bewegungen, über jeden kleinen Fortschritt bin ich dankbar", gesteht die PH-Lehramtsstudentin, die in der Mimmenhauser Jugend groß wurde, alle Nachwuchskader Baden-Württembergs durchlief, ehe sie vergangene Rückrunde studienbedingt nach Freiburg kam.

Ihr Comeback kann Deborah D’Arca ("Seit 19 Jahren brodelt es voll in mir") kaum erwarten, auch wenn sie "nichts überstürzen" und erst "richtig fit werden" will. "Da das erste Spiel so gut lief, habe ich richtig Blut geleckt und bin schon richtig heiß darauf, endlich wieder im Tor zu stehen", versichert die temperamentvolle Tochter italienischer Eltern.

Da auch A-Jugendtorhüterin Tamara Öttlin verletzt ist, teilen sich HSG-Eigengewächs Steffi Weber und Paula Petersen momentan die Last der Verantwortung im Drittligateam. Indes legt Petersen, die in Dortmund drittklassig spielte, den Fokus absprachegemäß auf ihr Medizinstudium in Freiburg, so dass sie auswärts kaum mit von der Partie ist. Indes ist auch Weber nach einem Bänderriss im Fuß erst wieder seit kurzem fit, nachdem sie in der Vorbereitung acht Wochen ausfiel. "Ich sehe das positiv, da ich jetzt zeigen kann, dass ich im Tor auch etwas kann", sagt sie.

Vor Wochenfrist in Kandel war die Personalnot so groß, dass Wiggenhauser sogar Katharina Heilmann zu einem Comeback überredete. Dabei hatte die hochgewachsene, promovierte Chemikerin, die während ihres Studiums den HSG-Kasten bis 2011 vorzüglich hütete, ihre Laufbahn am Saisonende beendet. "Das war überragend von ihr, ein reiner Freundschaftsdienst für Team und Verein, an dem sie noch immer hängt; das ist ihr nicht hoch genug anzurechnen", betonen Wiggenhauser und sein Co Ralf Sausmann. "Stets reist sie von ihrem Wohnort am Bodensee an; in Ausnahmefällen wird sie dies auch weiterhin tun." Dass Tanja Papke wie in Metzingen erneut vom Feld ins Tor rückt, gilt indes nicht als Option.

Im dritten Heimspiel erwartet die HSG am Samstag, 20 Uhr, den TV Möglingen. Der Vorjahresvierte ist für Wiggenhauser und Sausmann "einer der Titelfavoriten, versehen mit einem starken Rückraum". Doch sehen beide eine gute Siegchance, wenn die "Abwehr besser steht" als zuletzt.

Autor: Jochen Dippel