Den Heimkomplex überwinden

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Fr, 22. Dezember 2017

Regionalsport Freiburg

Der EHC Freiburg gewinnt zur Zeit nur auswärts, während Erfolgserlebnisse zu Hause ausbleiben – nächste Chance gegen Heilbronn.

EISHOCKEY. Ein Wechselbad der Gefühle durchlebt derzeit der EHC Freiburg. Vor dem Duell gegen den direkten Konkurrenten um den zehnten Tabellenplatz in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Spielklasse, die Heilbronner Falken, blicken die Wölfe auf einen Wintermonat voller Höhen und Tiefen zurück. Die bisherige Dezember-Bilanz der Breisgauer: drei Siege und drei Niederlagen, zehn Punkte. Auffällig: Erfolge konnten nur in der Fremde gefeiert werden, die Pleiten setzte es allesamt in der eigenen Halle.

Heimkomplex? Davon will Leos Sulak, Trainer des Freiburger Eishockey-Zweitligisten, nichts wissen. "Vor einem Monat hatten wir einen Auswärtskomplex, jetzt haben wir einen Heimkomplex – keine Ahnung", so der Kommentar des sichtlich angesäuerten EHC-Übungsleiters nach dem zurückliegenden Heimspiel gegen die Bayreuth Tigers, das trotz spielerischer Überlegenheit mit 3:4 nach Verlängerung verloren ging. "Die Chancen haben wir herausgespielt, wir bringen sie nur nicht im Tor unter. Wenn wir das ändern und konsequenter werden, dann gewinnen wir auch wieder Spiele."

Gesagt, getan: Zwei Tage später reist das Wolfsrudel ins fast 800 Kilometer entfernte Weißwasser zum nächsten direkten Konkurrenten, den Lausitzer Füchsen – und gewinnt nach einer ihrer effizientesten Leistungen mit 5:2. "Wir sind glücklich in Führung gegangen, haben danach aber clever und taktisch sehr diszipliniert gespielt", blickt Sulak zurück. "Wenn wir den Matchplan so effizient durchziehen, dann können wir jeden Gegner schlagen. Aber dafür müssen wir immer bis an die Grenze gehen."

Jeden Gegner schlagen – ja, das können sie, die Wölfe. Aber eben auch gegen jeden verlieren. Auf Auswärtssiege gegen den EC Bad Nauheim und den amtierenden Meister Löwen Frankfurt folgten Pleiten gegen vermeintliche Gegner auf Augenhöhe, wie Crimmitschau oder eben Bayreuth – und das, obwohl der EHC in beiden Spielen die klar dominantere Mannschaft war. "Es ist ärgerlich, wenn man sich für eine gute Leistung nicht belohnen kann", findet der Trainer. "Um das besser zu machen, braucht es Erfolgserlebnisse, die Selbstvertrauen geben."

Ob daheim oder auswärts spiele derzeit eine untergeordnete Rolle. "Es geht darum, dass einer die Verantwortung übernehmen und die Schüsse aufs Tor bringen muss", so der Trainer, der eine der größten Baustellen des EHC anspricht: die zum Teil katastrophale Chancenverwertung. Denn regelmäßig spielten sich die Wölfe zuletzt ein Chancenplus heraus, um sich am Ende nicht zu belohnen – zumindest in eigener Halle. Hinzu kommt die Verunsicherung nach Gegentoren, die das Team immer wieder zu lähmen scheint. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zuschauerzahlen zuletzt merklich zurückgingen. Im Heimspiel gegen Bayreuth wurde ein Saison-Negativrekord von 1490 Zuschauern erreicht. Dabei ist es auch das lautstarke Publikum in der Franz-Siegel-Halle, das Gegnern Probleme bereitet. Doch mehr Zuschauer kommen nur dann, wenn die Leistungen stimmen. Entsprechend wichtig ist es, dass die Wölfe auch vor heimischer Kulisse wieder in die Erfolgsspur finden.

Mark Mancari belebt das Spiel der Wölfe

Leos Sulak äußert sich nicht gerne öffentlich zu taktischen oder personellen Entscheidungen, lässt sich ungern in die Karten blicken. Ein Kniff, der allmählich Früchte trägt, ist jedoch offensichtlich: der variable Einsatz des NHL-erfahrenen Neuzugangs Mark Mancari. Ursprünglich als Stürmer in den Breisgau gelotst, schickt der Trainer seinen Kanadier inzwischen gerne als Verteidiger aufs Eis. Eine Rolle, die der robuste Crack annimmt: "Ich habe im Laufe meiner Karriere beide Positionen gespielt und fühle mich auch in der Defensive wohl", so Mancari. Torgefahr strahlt er dennoch aus: Im Powerplay sorgt der schussgewaltige Mancari von der blauen Linie für Gefahr, aus dem Spiel heraus leitet er Angriffe ein und setzt nach. Wenn es vorne nicht läuft, reagiert der Trainer und beruft seinen Hybridspieler in den Sturm. Mancari ist seit seiner Ankunft in Freiburg zum effizientesten Wölfe-Spieler geworden. Das belegen seine Statistiken: 8 Tore und 11 Assists in 14 Spielen. Am heutigen Freitag (19.30 Uhr) bekommen die Wölfe ihre nächste Chance, den Heimkomplex zu durchbrechen – und die Fans, die den Weg in die Halle finden mögen, mit einem Erfolg zu beschenken.