Der lange Weg für den EHC

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

So, 01. April 2018

EHC Freiburg

Der Sonntag Das Eishockey-Team aus Freiburg schafft den Klassenerhalt.

Operation geglückt: Der Wolf lebt. Der EHC Freiburg hat sich mit einem 5:2-Heimerfolg am Dienstagabend den Klassenerhalt in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Spielklasse gesichert und darf sich nach einem Herzschlagfinale in eigener Halle in den sportlichen Sommerurlaub verabschieden. Der Weg war weit und steinig, der Ligaverbleib jedoch verdient und wichtig für den Verein.

"It’s a long way to the top" – es ist ein langer Weg an die Spitze: So heißt es im gleichnamigen Song der australischen Rocklegenden von AC/DC, der vor jedem Heimspiel des EHC Freiburg durch die Franz-Siegel-Halle schallt. An die Spitze führte der Weg der Wölfe in dieser Saison zwar nicht – lang war der Weg bis zum Ligaverbleib in der DEL 2 aber allemal. Eine schwierige Saison mit mehr Tiefen als Höhen liegt hinter dem Wolfsrudel von der Ensisheimer Straße. Schwere Verletzungen einiger der besten Spieler, Ergebniskrisen, Tiefschläge trotz ansprechender Leistungen und Tage zum Vergessen begleiteten die Freiburger Puckjäger fast durch die gesamte Spielzeit.

Mit einem vielversprechenden Kader in die Saison gestartet, oftmals aber vom Pech verfolgt und hinten zu anfällig, musste sich die Mannschaft jeden Punkt hart erkämpfen. Favoriten wurden geschlagen, gegen vermeintliche ebenbürtige Gegner stimmten die Leistungen hingegen nur selten. Gerade deshalb war es manchem EHC-Kenner bange, als klar wurde, dass der Weg zum Ligaerhalt durch die Untiefen der Abstiegsrunde führen sollte. Doch nun haben die Wölfe eine mehr als schwierige Spielzeit, dank einer großen Willensleistung in der entscheidenden Phase, zu Ende gebracht und sich mit dem verdienten Klassenerhalt belohnt.

0:3, 2:5, 2:0, 4:3 nach doppelter Verlängerung, 7:3, 0:6, 5:2 – so die Ergebnisse aus Freiburger Sicht in der ersten Playdown-Runde. Schon die nackten Zahlen lassen darauf schließen, wie dramatisch die Best-of-seven-Serie für die Kontrahenten aus Freiburg und Bad Tölz verlief. Manchmal galten die Wölfe als abgeschrieben, jedes Mal kämpften sie sich zurück. Nachdem sie die ersten beiden Partien sang- und klanglos abgegeben hatten und bereits mit 0:2 in der Serie hinten lagen, meldeten sich die Breisgauer mit einem disziplinierten Auftritt und dem daraus resultierenden 2:0-Erfolg vor heimischer Kulisse zurück.

Zwei Tage später in Bad Tölz: Der EHC entschied hier das längste Spiel seiner Vereinsgeschichte nach 93 Minuten in der zweiten Overtime dank eines Treffers von Jannik Herm für sich. Es war der Ausgleich in der Serie. Im folgenden Spiel überzeugten die Wölfe beim 7:3-Heimerfolg, der den ersten Matchball zum Klassenerhalt bedeutete. Doch die Fans sollten noch mal zittern, denn im vorletzten Saisonspiel ging der EHC mit 0:6 bei den Löwen unter.

Wer nun jedoch meinte, dass die Packung von Tölz im entscheidenden Spiel noch in den Hinterköpfen stecken würde, der wurde am Dienstagabend eines Besseren belehrt. Mit großem Willen belohnte sich das Rudel vor fast 3000 Zuschauern für einen fulminanten Schlussspurt, der die Saison 2017/18 zu einem versöhnlichem Ende brachte. Das Ergebnis: Auch in der kommenden Spielzeit ist der EHC Freiburg zweitklassig.

Ihre Blessuren auskurieren werden in den kommenden Tagen und Wochen Kapitän Philip Rießle und dessen Abwehrkollege Alexander Brückmann. Beide hatten trotz Verletzungen am Knöchel auf die Zähne gebissen, hatten in den Drittelpausen Schmerzmittel gespritzt bekommen, um dennoch einsatzfähig zu sein – und zeigten dabei jeweils herausragende Leistungen in der Defensive.

Nun ist der Klassenerhalt geschafft, wenngleich über den Umweg der Abstiegsrunde. Der Playdown-Modus selbst missfällt Wölfe-Trainer Sulak. Daraus macht der 60-Jährige keinen Hehl. Bei einer Pressekonferenz vor Beginn der Abstiegsrunde erläuterte der Übungsleiter seine Gedanken zur Endrunde der vier letztplatzierten Mannschaften: "Ich finde, fair ist der Modus nicht. Da hält man sich die ganze Saison von den beiden hinteren Tabellenplätzen fern und kann am Ende trotzdem noch absteigen", so Sulak. "So ist es vergangenes Jahr Rosenheim passiert – und so kann es jedem ergehen, der in einem sportlich schwierigerem Jahr einen der letzten vier Plätze belegt. An so etwas können Existenzen von Vereinen hängen."

13 Punkte hatte der Vorsprung der Wölfe nach der Hauptrunde auf den letzten Tabellenplatz betragen. Acht Punkte waren es auf den Vorletzten und späteren Playdown-Gegner, die Tölzer Löwen. Auch dies zeigt – in den Abstiegsstrudel zu geraten, das kann schnell passieren. Dies werden die Wölfe in der Folgesaison – ihrer vierten seit dem Wiederaufstieg in die DEL 2 – vermeiden wollen.

Bis dahin überwiegt jedoch die Freude, den Gang in die Oberliga verhindert zu haben. Den sportlichen Absteiger spielen in der entscheidenden zweiten Playdown-Runde die Tölzer Löwen und die Bayreuth Tigers aus (Stand: 1:0 für Bad Tölz).