Gegen Südkorea

Deutsches Eishockey-Team wahrt mit erstem WM-Sieg Viertelfinal-Chance

Thomas Lipinski

Von Thomas Lipinski (sid)

Mi, 09. Mai 2018 um 20:33 Uhr

Eishockey

Mit einem 6:1 gegen Südkorea hat sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Dänemark aller Abstiegssorgen entledigt. Die Hoffnung auf das Viertelfinale haben Leon Draisaitl und Co. noch nicht aufgegeben.

Nach dem höchsten WM-Sieg seit 13 Jahren atmete Franz Reindl tief durch. "Die Erleichterung ist groß. Das war Stress pur, der geht tief in den Magen rein", sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach dem erlösenden 6:1 (1:0, 3:0, 2:1) gegen den Neuling Südkorea. In den Abstiegskampf schlittert das Team um den NHL-Star Leon Draisaitl bei der WM in Dänemark nicht mehr, im Gegenteil: Die Hoffnung auf das Viertelfinale ist zurückgekehrt.

"Wir sind mit fünf Punkten wieder im Rennen", meinte Reindl und ergänzte mit Blick auf das nächste Spiel am Samstag (12.15 Uhr) gegen Lettland: "Wenn du da drei Punkte machst, ist die Chance da." Allerdings wird aller Voraussicht nach ein Sieg gegen die Balten allein nicht zum dritten Einzug in Folge in die K.o.-Runde reichen. Die DEB-Auswahl wird wohl auch gegen die Favoriten Finnland am Sonntag (20.15 Uhr) oder Kanada am Dienstag (16.15 Uhr/alle Sport1) punkten müssen.

"Von jetzt an wollen wir so viele Punkte wie möglich mitnehmen" Leon Draisaitl
"Von jetzt an wollen wir so viele Punkte wie möglich mitnehmen", kündigte Draisaitl an: "Das beginnt am Samstag." Der Stürmerstar der Edmonton Oilers hatte mit dem ersten deutschen Führungstor des Turniers in der elften Minute die große Anspannung gelöst. "Es war eine Menge Druck auf uns", gab der Münchner Patrick Hager zu. Mit einer Niederlage gegen den Aufsteiger wäre die deutsche Mannschaft tief in den Abstiegskampf gerutscht - nur zweieinhalb Monate nach der silbernen Olympia-Sensation von Pyeongchang.



Hager trug mit seinem dritten Turniertor (30.) ebenso zum höchsten WM-Sieg seit dem 9:1 im Jahr 2005 gegen Slowenien bei wie der Nürnberger Yasin Ehliz mit einem Doppelpack (21./49.). Nordamerika-Legionär Frederik Tiffels (35.) und der Münchner Yannic Seidenberg (53.) erzielten vor 7092 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen in Herning die weiteren Tore für das Team von Bundestrainer Marco Sturm, das die ersten drei Partien verloren hatte. Draisaitl schraubte mit zwei Vorlagen seine Ausbeute in den ersten vier WM-Spielen auf zwei Tore und sechs Assists.

Mit dem ersten Sieg in Dänemark ist das Viertelfinale wieder in den Fokus gerückt. "Das Turnier ist noch nicht vorbei. Wir sind noch mitten im Rennen drin", sagte Hager. Und Ehliz meinte: "Wir wollen erstmal gegen Lettland drei Punkte holen. Die müssen wir auch holen, wenn wir ins Viertelfinale wollen. Aber wir wollen nicht zu weit vorausschauen."

Im Kampf um das Weiterkommen erhält die deutsche Mannschaft keine weitere Hilfe aus der NHL. Der zweimalige Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl sagte nach dem Play-off-Aus mit Titelverteidiger Pittsburgh Penguins seine WM-Teilnahme ab. "Er ist ein bisschen angeschlagen und hat keinen Vertrag", berichtete Sturm, der den letzten Platz für einen Feldspieler im WM-Kader an den Schwenninger Mirko Höfflin, den neunten WM-Debütanten, vergab.

Kühnhackls Vertrag in Pittsburgh läuft aus, der 26-Jährige will bei der WM keine Verletzung riskieren. Der Landshuter, der in den vergangenen beiden Jahren mit den Penguins NHL-Meister wurde, hat bislang lediglich bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Pyeongchang für die Nationalmannschaft gespielt.