"Die Nummer eins im Land sind wir"

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Mi, 27. Dezember 2017

Schwenningen Wild Wings

Die Schwenninger Wild Wings und die Fans bejubeln den ersten Sieg seit 16 Jahren in einem DEL-Match in Mannheim.

EISHOCKEY. Die Schwenninger Wild Wings haben erstmals in der SAP-Arena überhaupt und erstmals seit 16 Jahren wieder in Mannheim gewonnen: Die Wildschwäne entschieden das rasante Baden-Württemberg-Derby in der DEL bei den Adlern mit 4:2 (1:2, 1:0, 1:0) für sich. "Die Nummer eins im Land sind wir", sangen die 650 mitgereisten Schwenninger Fans in der mit 13 600 Zuschauern ausverkauften SAP-Arena vor Spielbeginn und nach der Schlusssirene.

Das Derby, bei dem die Mannheimer in ihren blauen Weihnachtstrikots und die Schwenninger Spieler in Rot antraten, war von Beginn an hektisch und nervös. Zunächst musste der Ex-Schwenninger Matthias Plachta auf die Strafbank, die Wild Wings konnten aber kein gescheites Powerplay aufziehen. Dann musste der Schwenninger Verteidiger Dominik Bittner gegen seinen Ex-Klub in die Kühlbox. Mannheim kam in Überzahl aber nicht zum Abschluss. Als Bittner gerade von der Strafbank zurückkehrte, streckte ihn Sinan Akdag mit einem brutalen Stockfoul nieder. Der Mannheimer Verteidiger kassierte eine Spieldauer-Disziplinarstrafe. Bitter, denn Bittner fiel verletzt aus. Als dann auch noch Luke Adam für zwei Minuten raus musste, agierten die Wildschwäne in doppelter Überzahl. Und sie ließen sich die Chance nicht entgehen: Andrée Hult wurde von Will Acton herrlich freigespielt und traf gegen Dennis Endras zum 1:0 für die Wild Wings. Die Adler hatten allerdings eine passende Antwort parat. Als Simon Danner zwei Strafminuten bekam, markierte Ex-NHL-Star Devin Setoguchi mit einer tollen Einzelaktion das 1:1 (14.). Und nur 56 Sekunden später gingen die Nordbadener in Führung. Es war gegen die Gäste eine Strafe angezeigt und Chad Kolarik ließ SERC-Goalie Dustin Strahlmeier beim 2:1 keine Abwehrchance. In der 26. Minute hatte die Mannschaft von Coach Pat Cortina Pech: Istvan Bartalis traf nur den Pfosten. Andrew Desjardins musste anschließend auf die Strafbank, doch die Pässe waren bei den Schwänen im Überzahlspiel nicht präzise genug. Das Derby war aber weiter ein Kampf auf Biegen und Brechen. Insbesondere SERC-Topscorer Acton musste einige harte Checks einstecken. Der Kapitän spielte aber dennoch stark. Dann bekam Niki Goc zwei Strafminuten. Diesmal war das Powerplay der Schwenninger gut. Markus Poukkula erzielte mit einem Traumtor per Rückhand aus ganz spitzem Winkel den Ausgleich. Strahlmeier bewahrte sein Team anschließend mit einer tollen Parade gegen Adam vor einem neuerlichen Rückstand.

Zu Beginn des dritten Drittels hatte Goalie Endras viel zu tun. Der Mannheimer Keeper musste gegen Stefano Giliati und Poukkula retten. Glück hatte der Nationaltorwart, dass der blendend aufgelegte Bartalis zum zweiten Mal an diesem Abend nur den Pfosten traf. Dann waren die Mannheimer aber zu weit aufgerückt, die Scheibe kam zu Marcel Kurth und der gebürtige Donaueschinger erzielt endlich sein erstes Saisontor. Schwenningen lag wieder in Führung.

Mannheim machte in der Schlussphase Druck und wollte unbedingt den Ausgleich. Mit Glück und Geschick und dem guten Torwart Strahlmeier hielten die Gäste aber den Kasten sauber. 75 Sekunden vor Schluss nahm Adler-Trainer Bill Stewart seinen Torwart vom Eis. 25 Sekunden vor dem Ende traf Giliati in den leeren Mannheimer Kasten zum 4:2-Endstand für Schwenningen. Es war der erste Sieg der Wild Wings in der SAP-Arena, der erste Sieg in Mannheim seit 16 Jahren. "Ich bin wunschlos glücklich, endlich hat es mit meinem ersten Tor geklappt", sagte der strahlende Kurth hinterher. "Schwenningen ist cool geblieben, hat sich von den Mannheimern nicht provozieren lassen. Dieser Sieg war eine Ansage für die Top sechs", sagte Fernsehexperte Andi Renz.

Tore: 0:1 Hult (12./Acton), 1:1 Setoguchi (14./Festerling), 2:1 Kolarik (15./Adam), 2:2 Poukkula (37./Bartalis), 2:3 Kurth (45./Bartalis), 2:4 Giliati (60.). Strafen: Mannheim 15 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe Akdag, Schwenningen acht Minuten. Schiedsrichter: Lasse Kopitz (Iserlohn) und André Schrader (Dorsten). Zuschauer: 13600 (ausverkauft).