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21. Januar 2012 13:19 Uhr
EHC Freiburg vs. Rhein-Neckar Stars
EHC Freiburg dreht Partie nach 0:3-Rückstand
Reichlich Spannung war am Freitagabend beim EHC Freiburg geboten. Gegen die Rhein-Neckar Stars holte der Regionalligist einen 0:3-Rückstand auf und feierte noch einen 8:4-Sieg.
Spannung und Emotionen durften die 1000 Zuschauer in der Franz-Siegel-Halle bei der Partie zwischen den Südbadenern und den Kurpfälzern erleben. Das Aufeinandertreffen war eine enge wie ruppige Angelegenheit. Darüber hinaus bot das Duell ein Novum sowie manch lohnenswerte Randnotiz.
14 Regionalliga-Partien hatte der EHC bisher absolviert. Nur zweimal konnte der Gegner in Führung gehen - Heilbronn und Zweibrücken gelang dies in der Franz-Siegel-Halle zu Saisonbeginn. Ansonsten übte sich Freiburg als notorischer Frühstarter, das 1:0 ließ meist nicht lange auf sich warten. Gegen die Rhein-Neckar Stars zeigte sich jedoch alsbald ein ungebetenes Novum auf dem Tableau.
Nach 48 Sekunden stand es 0:2 für die Gäste aus der Kurpfalz. Nicht nur zwei Gegentore in der ersten Minute waren für Freiburg äußerst ungewohnt - überhaupt lag man noch nie in dieser Saison mit zwei Treffern zurück. Zwei kapitale Fehler im eigenen Drittel hatten die Stars zu den Torerfolgen gebracht. Und auch das 0:3 kam dank Freiburger Mithilfe zustande: Ein EHC-Schlittschuh fälschte einen Powerplay-Pass der Gäste ins eigene Tor ab. Nach sechs Minuten lag der Außenseiter überraschend klar in Front - und das nicht unverdient. Die Spielgemeinschaft aus Mannheim/Eppelheim spielte zielstrebig und sicher, Freiburg gönnte sich dagegen ein Fehlerfestival und praktisch einen Eigentor-Hattrick.
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Folglich war der Regionalliga-Spitzenreiter zu einer Aufholjagd gefordert. Was für ein Ding? Aufholjagd? Erstmal nachschlagen … Der EHC war willens, in die Partie zu finden, doch gegen starke Kurpfälzer tat man sich weiterhin schwer. Nur selten tauchte man gefährlich vor dem Gäste-Gehäuse auf. Wenn man schon nicht vor das gegnerische Tor kommt, dann muss man es eben auch mal in der Distanz versuchen. Das dachte sich wohl Nachwuchsverteidiger Robert Peleikis, drosch noch in der neutralen Zone beherzt auf die schwarze Hartgummischeibe - und traf! Stars-Goalie Dominik Wich musste sich bei dem Schuss in den Winkel geschlagen geben. Und nur 24 Sekunden später hatte Nikolas Linsenmaier den Anschluss hergestellt.
Die Chancen häuften sich auf Freiburger Seite, der Ausgleich lag in der Luft und wurde mehr als nur einmal knapp verpasst. Aber auch die Stars blieben gefährlich, immer wieder setzten sie zu gefährlichen Angriffen an. Ihre weiteren Versuche wehrte allerdings EHC-Schlussmann Fabian Hönkhaus erfolgreich ab. Bei den Hausherren lief es spielerisch auch im zweiten Drittel nicht rund, dafür erkämpften sie sich aber den Ausgleich durch Philip Rießle. In der 34. Minute war es dann soweit: Freiburg ging in Führung. Mike Soccio hatte einen Flügellauf sehenswert zum 4:3 vollendet. An Chancen mangelte es längst nicht mehr. Beide Teams trieben es in einer Freiburger Überzahl auf die Spitze, indem erst Benjamin Stehle und im Gegenzug ein Kurpfälzer jeweils am Innenpfosten scheiterten. Zudem hielt Hönkhaus bravourös, einen Alleingang in der Schlussphase des Mittelabschnitts wehrte er reaktionsschnell ab und bewahrte seinen Farben die knappe Führung.
Es gibt ungeschriebene Gesetze im Eishockey, unter anderem schießt man nach Sirenen oder Pfiffen nicht mehr auf das Tor. Wer sich den Spaß dennoch gönnt, macht unbequeme Bekanntschaft mit dem Gegner. So machten die EHC-Akteure einem Stars-Angreifer auch deutlich, wie sie dessen Fehlverhalten nach 40 Minuten einstimmig bewerteten. Doch die Rüge war eigentlich harmlos, mehr verbaler denn physischer Natur. Allerdings war das Spiel zuvor hitziger geworden, die Nickligkeiten hatten sich gehäuft und der enge Verlauf tat sein Übriges.
Plötzlich standen alle Spieler auf ihrem Weg in die Kabinen am Tatort und anstatt Nerven hatte manch ein Akteur nur noch seinen Gegenüber im Griff. Eine Massenkeilerei lag in der Luft, schlussendlich konzentrierte sich das Geschehen auf drei Duelle. Für die Freiburger Christian Böcherer und Mike Soccio war der Abend danach zu Ende, sie erhielten wie ihre Kontrahenten Sven Jacobaschke und Andreas Nowak eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Der emotionale Überschuss war fachmännisch verarbeitet worden.
Die zweite Pause konnten beide Teams zum Abkühlen nutzen und der EHC zur Rückbesinnung auf seinen starken Schlussabschnitt. Tatsächlich legte Freiburg im letzten Drittel die entscheidende Schippe drauf, die Gäste traten offensiv nur noch gelegentlich in Erscheinung und sahen sich zahlreichen Angriffen des Spitzenreiters ausgesetzt. Nikolas Linsenmaier erhöhte folgerichtig auf 5:3. Die Vorentscheidung fiel schließlich im Powerplay, als ein Distanzschuss gleich doppelt abgefälscht wurde: Erst durch Norman Stehle und dann durch Kevin Kern. Ein Hauch von Billard, auch das sieht man nicht alle Tage.
Die Rhein-Neckar Stars kamen zwar noch einmal auf 6:4 heran, doch ließ sich der EHC diesen Sieg nicht mehr nehmen. Tobias Kunz stellte den alten Abstand wieder her, nachdem er eigentlich mit einem Solo gescheitert war. Doch schoss er bewusst die Scheibe auf Goalie Wich - und der bugsierte sie über die eigene Linie. Ein weiteres Tor der Marke Billard. Der Schlusspunkt war Nikolas Linsenmaier vorbehalten, mit einem Hattrick besiegelte der Nachwuchsstürmer den 8:4-Arbeitssieg.
Ein Dutzend Tore - doch gefallen waren noch mehr. Denn Patrick Vozar jubelte gegen die Rhein-Neckar Stars zweimal. Allerdings jeweils vergeblich. Im zweiten Drittel hatte er einen Gegenstoß in Überzahl raffiniert abgeschlossen. Aus der Mitteldistanz täuschte der gewiefte Routinier einen Schuss zum rechten Winkel an, Wich reagierte und erst als deshalb die linke Torseite blank war, netzte Vozar ein. Sein Pech: Das Spiel war da schon längst unterbrochen, was jedoch kaum jemand vernommen hatte.
Im letzten Abschnitt erging es dem Freiburger Kapitän nicht besser. Ein Block der EHC-Abwehr generierte eine Bogenlampe in die neutrale Zone, dort befand sich Vozar gerade auf dem Weg ins eigene Drittel. Alsbald fischte die Scheibe aus der Luft, vollzog dabei eine Drehung und marschierte allein auf das Gäste-Tor zu. Ein Move der hohen lauftechnischen Kunst legte Vozar hin, glitt am geschlagenen Wich vorbei und legte die Scheibe ins Tor. Doch auch diesmal hatten die Unparteiischen bereits abgepfiffen. So schaffte es die Vozar'sche Finesse an diesem Abend nicht auf den Spielberichtsbogen.
"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", resümierte EHC-Trainer Peter Salmik nach der Partie treffend. Glänzte Freiburg vergangene Woche gegen Hügelsheim noch mit sehenswerten Kombinationen und hohem spielerischen Niveau, so kamen diese Stärken gegen die Stars kaum zur Geltung. Nicht zu Unrecht hatte Salmik schließlich auch beklagt, dass er in dieser Saison noch nie so viele Fehler seiner Mannschaft gesehen hatte. Ein schmerzhaftes Spiel für Traineraugen. Nächste Woche sollte der EHC eine Wiederholung vermeiden, dann gastiert man beim Titelverteidiger Stuttgart. Das Positive vom Sieg über die Kurpfälzer: Freiburg konnte einen frühen und hohen Rückstand aufholen und letztlich noch einen standesgemäßen Sieg feiern.
Stars-Coach Volker Laub konnte derweil mit der Leistung seiner Mannen sehr gut leben, Schmerzen bereitete ihm dafür das Spielgerät - er war vom Puck am Kopf getroffen worden. Obwohl sichtlich gezeichnet, trat Laub zur Pressekonferenz an. Eishockey eben. Doch irgendwann muss jeder einmal kapitulieren, so wie Referee Stefan Breiter. Nach dem ersten Drittel kehrte er nicht mehr aufs Eis zurück, eine Magen-Darm-Grippe machte einen weiteren Einsatz des Hauptschiedsrichters unmöglich. So stellten seine Assistenten auf das bekannte Zwei-Mann-System um. Zu guter letzt wird EHC-Stürmer Christian Böcherer sich noch immer fragen, ob sein Kurpfälzer Kontrahent im Bereich der Physiotherapie tätig ist. Der verpasste ihm nämlich während des Gruppenkuschelns eine seltsam wirkende wie auch ungefragte Rückenmassage. Mit den Fäusten wohlgemerkt. Der Eishockeyabend war nicht ganz so normal - und deshalb eine packende Angelegenheit.
EHC Freiburg - Mannheim Rhein-Neckar Stars 8:4 (2:3, 2:0, 4:1)
Tore: 0:1 (1.) Erdmann (Korte), 0:2 (1.) de Raaf (Hambrecht), 0:3 (6.) Ackermann PP, 1:3 (13.) Peleikis (Kästle), 2:3 (14.) N. Linsenmaier (N. Stehle, J. Falb), 3:3 (31.) Rießle (Böcherer) PP, 4:3 (34.) Soccio (Kunkler), 5:3 (42.) N. Linsenmaier (T. Kunz, N. Stehle), 6:3 (44.) Kern (N. Stehle, N. Linsenmaier) PP, 6:4 (52.) Bruns (Aigner, Miethke), 7:4 (53.) T. Kunz, 8:4 (57.) N. Linsenmaier (T. Kunz, N. Stehle)
Strafen: Freiburg + 10 (Iliev) + 20 (Böcherer) + 20 (Soccio) - Mannheim + 20 (Jakobaschke) + 20 (Nowak)
Schiedsrichter: Stefan Breiter (Stuttgart)
Zuschauer: 1000
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Autor: Matthias Konzok
