PR-Aktion

EHC-Spieler zerstören Hotelzimmer in Freiburg und geben Startschuss für Sanierung

Dora Volke, Video: Falko Wehr

Von Dora Volke & Video: Falko Wehr

Di, 27. Februar 2018 um 08:43 Uhr

Freiburg

Der Puck kracht in den Spiegel, Gardinenfetzen und Federn fliegen durch die Luft: EHC-Spieler haben Zimmer des Mercure Hotels in Freiburg zerstört. Dahinter steckt eine PR-Aktion.

Klirren, Scheppern, lautes Lachen: In zwei Zimmern des Mercure Hotels Am Münster in Freiburg war am Montagnachmittag Remmidemmi. Das Hotel am Karlsplatz wird saniert, zum Auftakt der Bauarbeiten hat sich das Hotel Unterstützung vom Freiburger Eishockeyverein EHC geholt: Drei Spieler durften selbst Hand anlegen und zwei Zimmer kurz und klein schlagen. "Es darf alles kaputt gehen – bis auf die Matratzen und die Fernseher", animiert Hoteldirektor Patrick Graf-Mathias die Jungs, die sich das nicht zwei Mal sagen lassen. In voller Eishockeymontur treten die Spieler also an – nicht um zu demolieren, sondern um "bei der Demontage der Zimmer zu helfen", wie es im Vorfeld in der Pressemitteilung hieß. Dementsprechend zögerlich zeigen sich der Verteidiger Daniel Maly und die beiden Stürmer Enrico Saccomani und Julian Airich anfangs. Vorsichtig stellt Saccomani seinen Schläger an der Wand ab, Maly dreht fein säuberlich eine Glühbirne aus einer Stehlampe, bevor er sie auf den Tisch haut. Doch mit zunehmenden Anfeuerungsrufen von Fotografen und Hotelmitarbeitern werden die Jungs mutiger: Scherben, Kissenfüllung und Gardinenfetzen fliegen durch die Luft – und am Ende sogar aus dem Fenster, gefolgt von Stühlen und Bildern. Einen Tisch werfen die Jungs gegen die Wand, dann treten sie ihn klein. "Verletzt euch bloß nicht", mahnt Karl Heidegger, zuständig für die Kommunikation beim EHC.

Die Jungs bekommen nach und nach sichtlich Spaß am Zerstören. Von Aggressionstherapie und Frustbewältigung jedoch keine Spur – dabei hätten die Spieler Grund genug dazu, am Sonntag verloren sie gegen die Eispiraten Crimmitschau und stehen damit im Abstiegskampf. Aber nein: "Frustbewältigung geht bei uns anders", schmunzelt Julian Airich. Er streicht sich den Schweiß von der Stirn, dort, wo er unter der Maske dran kommt. "Anstrengend – aber nicht so sehr wie ein Eishockeyspiel", ergänzt er schnell. "Das macht echt Spaß", meint auch Stürmerkollege Saccomani. Dann schießt er einen Puck in den Badezimmerspiegel, der in tausend Scherben zerspringt.

Für die Sanierung bleibt das Hotel geschlossen

Alle 115 Zimmer des Hotels, inklusive Bar, Restaurant und Tagungsräumen, werden in den kommenden Wochen und Monaten saniert und neu eingerichtet. Bis Ende Mai bleibt das Mercure geschlossen. Die Idee, vor der Sanierung Zimmer öffentlichkeitswirksam zu zerstören, sei von einem Mercure Hotel in Stuttgart abgeguckt, so Hoteldirektor Graf-Mathias. Der Großteil der Möbel, die das Hotel aussortiert, werden nicht zertrümmert, sondern gespendet. Eigentlich sei es für die Accor-Hotelgruppe, zu der die Mercure Hotels gehören, ungewöhnlich, ein Hotel für die Renovierung ganz zu schließen. "Aber Freiburg ist generell irgendwie anders", scherzt der Direktor. 4 Millionen Euro wird die Sanierung kosten, die Hälfte davon trägt laut Graf-Mathias der Verpächter, die Karlsbau-Gesellschaft.

Am Ende des Tages sehen die zwei zerstörten Zimmer aus wie nach dem Einschlag einer Bombe. Staub liegt in der Luft. Die EHC-Spieler sind erschöpft, Hoteldirektor Graf-Mathias zufrieden. Ob er sich die Aktion so vorgestellt habe? "Auf jeden Fall! Obwohl, ne, eigentlich war’s noch besser als gedacht", sagt er. Jetzt kann die Sanierung losgehen.