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30. Mai 2012

"Entscheidend ist, dass du Antworten gibst"

BZ-INTERVIEW mit dem 44-jährigen Südtiroler Eishockey-Trainer Stefan Mair, der die Schwenninger Wild Wings in die neue Zweitliga-Saison führen wird.

  1. „Ich möchte die Scheibe haben“ – so erklärt der neue SERC-Trainer Stefan Mair seine Eishockey-Philosophie. Foto: max pattis

EISHOCKEY. Der Südtiroler Stefan Mair ist der neue Trainer der Schwenninger Wild Wings. Der 44-Jährige war bislang nur in Italien als Eishockey-Übungsleiter tätig. Er sieht Schwenningen nun aber als große Chance für seine Karriere. BZ-Mitarbeiter Heinz Wittmann unterhielt sich mit dem neuen Trainer des Eishockey-Zweitligisten vom Neckarquell über Disziplin, zielgenaue Pässe und seine Vorliebe für eine Mischung aus kanadischem und finnischem Eishockey.

BZ: Wie kommt es, dass Sie aus dem schönen Südtirol nach Schwenningen wechseln?

Mair: Schwenningen ist eine super Adresse, das ist ein Traditionsverein. Für mich ist es ein weiterer Schritt in meiner Trainerkarriere.

BZ: Wie kam der Kontakt mit Schwenningen zustande?
Mair: Manager Stefan Wagner hat eine Anfrage an mich gerichtet. Ich hatte aber auch schon vorher Kontakte nach Schwenningen und zwar über den damaligen SERC-Trainer Axel Kammerer. Wir haben uns über Spieler ausgetauscht, denn die zweite Bundesliga ist mit der italienischen Serie A durchaus vergleichbar.

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BZ: Sie hatten ja schon Ritten Sport für die kommende Saison zugesagt, oder?
Mair: Das ist richtig. Und es ist auch überhaupt nicht meine Art, ein Team hängen zu lassen, wenn ich mein Wort gegeben habe. Ich bin deshalb auch sehr dankbar, dass mir Ritten keine Steine in den Weg legt und mir diese Riesenchance in Schwenningen ermöglicht.

BZ: Sie wurden von Wild-Wings-Manager Stefan Wagner als moderner Trainer angekündigt. Was darf man darunter verstehen?

Mair: Es ist so, dass ich jedes Jahr ein oder zwei Trainerseminare besuche. Ich versuche aus besseren Ligen Material zu bekommen und bei Topteams Einblick zu erhalten, um zu sehen wo Verbesserungspotential besteht.

BZ: Wie sieht Ihre Eishockey-Philosophie aus?
Mair: Ich bin eindeutig Anhänger der Philosophie des Puckbesitzes. Ich möchte die Scheibe haben und sie dem Mitspieler zuspielen. Allerdings fordert diese Spielweise eine hohe Passgenauigkeit der Spieler. Die Spielzüge müssen kollektiv eingeübt werden.

BZ: Dann müsste Ihnen ja eigentlich das Eishockey, das Weltmeister Russland jetzt aktuell bei der WM gezeigt hat, zusagen.
Mair: Wenn du so wie die Russen spielen willst, brauchst du die entsprechenden Spielertypen. Nein, meine Vorstellung ist mehr eine Mischung aus finnischem und kanadischem Eishockey. Die Finnen haben ein sehr mannschaftsorientiertes, kollektives Auftreten. Die Kanadier besitzen die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor und sind in der Lage, den nötigen Druck vor dem gegnerischen Tor zu erzeugen.

"Ich bin ein Statistikfreak

und führe über

jedes Detail Buch."

Trainer Mair über Kontrolleur Mair
BZ: Sind Sie ein harter Hund, oder ein Kumpeltyp?

Mair: Ich lege großen Wert auf Disziplin und führe viele Einzelgespräche. Die Rollenverteilung muss klar sein. Es ist nicht jeder ein Torjäger, aber wenn ein Spieler die Aufgabe hat, zu checken, dann erwarte ich auch, dass er die Checks fertig macht. Ich bin ein Statistikfreak und führe über solche Details Buch. Einen General gibt es sowohl im Fußball als auch im Eishockey nicht mehr. Das funktioniert bei den jungen Spielern, die so viele Informationsquellen nutzen, nicht mehr. Das entscheidende ist, dass du den Spielern Antworten und Lösungen gibst. Beides ist gefragt, Karotten und ein Tritt in den Hintern.

BZ: Elf Spieler stehen bei den Wild Wings bislang unter Vertrag. Wen kennen Sie?

Mair: Spieler wie ein Dan Hacker oder Andi Renz sind mir natürlich ein Begriff. Ich habe aber keine Bedenken, in der sechswöchigen Vorbereitung werde ich alle sehr gut kennen lernen.

BZ: Wie stark werden Sie bei Neuverpflichtungen Einfluss nehmen, werden Sie vielleicht Spieler aus Italien mitbringen?

Mair: Es wäre jetzt vermessen, wenn ich nach Schwenningen käme und behaupten würde, den und den Spieler brauchen wir. Ausländer sind nur noch drei zu verpflichten, dass jemand aus Italien kommt, ist nicht angedacht. Stefan Wagner hat in der Vergangenheit schon bewiesen, dass er gute Spieler verpflichten kann.
BZ: Welches Ziel setzen Sie sich mit den Wild Wings für die kommende Saison?
Mair: Das Minimalziel ist das Playoff-Heimrecht, also nach der Doppelrunde unter den ersten Vier zu sein.

BZ: Werden Sie einen Co-Trainer haben?
Mair: Ja, es ist aber noch völlig offen, wer dies sein wird, diese Details haben wir bislang nicht besprochen.

BZ: Sind die erste italienische Liga und die zweite Eishockey-Bundesliga vergleichbar?

Mair: Die Topteams in der zweiten Bundesliga schätze ich stärker als die Teams in der Serie A ein. Die deutschen Mannschaften haben in ihrem Kader eine größere Tiefe. Sie spielen häufig mit vier Linien. In Italien wird oft nur mit drei Reihen gespielt, allerdings sind die ersten beiden Reihen dann schon sehr stark und fast komplett mit den Ausländern besetzt. In Italien ist die Saisonvorbereitung meist nur drei oder vier Wochen lang. Das hängt damit zusammen, dass die Wohnungen in den Tourismusgebieten im Sommer sehr teuer sind und du dann hohe Mieten für die ausländischen Spieler und ihre Familien bezahlen musst.

BZ: Kommen Sie mit ihrer Familie nach Schwenningen?
Mair: Ich bin nicht verheiratet. Ob meine Lebensgefährtin mitkommt, ist noch nicht entschieden. Da gibt es noch einige Dinge abzuklären.





ZUR PERSON: STEFAN MAIR

Der 44-jährige Südtiroler kann ohne Eishockey nicht sein. Mair galt zu seiner aktiven Zeit als beinharter Stürmer. Als Trainer war er bislang nur in Italien und Südtiriol gefordert – unter anderem in Mailand, Bozen, Fassa, Bruneck, Meran und zuletzt in Ritten.  

Autor: BZ

Autor: witt