Olympische Spiele in Pyeongchang

Freiburger Eishockeyexperten zum Finaleinzug: "Ich würde sagen: souverän zu Ende gespielt"

Joachim Röderer, Simone Höhl, Oliver Huber und Anika Maldacker

Von Joachim Röderer, Simone Höhl, Oliver Huber & Anika Maldacker

Fr, 23. Februar 2018 um 17:31 Uhr

Freiburg

Auch in Freiburg freuen sich viele Eishockeyexperten über den Erfolg des deutschen Teams über Kanada im olympischen Halbfinale.

Die deutschen Eishockey-Cracks stehen im olympischen Finale von Pyeongchang. Im Halbfinale schlugen sie am Freitag überraschend Titelverteidiger Kanada in einem spannenden Match mit 4:3-Toren. Was sagen Freiburger Eishockeyexperten dazu? Einer hat das Spiel sogar in Kanada am Fernsehen verfolgt und dort um 6 Uhr in der Früh gejubelt.

"Das sollte auch für Freiburg ein Signal sein." Stefan Breiter, Finanzbürgermeister
Stefan Breiter, künftiger Freiburger Finanzbürgermeister und einst Schiedsrichter in der Eishockeybundesliga. Er hat das Spiel auf Vancouver Island angeschaut. Er besucht dort seine Tochter Laura, die in Kanada ein Highschooljahr absolviert: "Das ist eine absolute Sensation! Sie haben super gekämpft. Und natürlich haben wir hier auch gezittert im letzten Drittel. Es sind ja einige Spieler dabei, die ich aus meiner Schiedsrichterzeit noch kenne. Wenn wir nachher mit der Fähre zurück nach Vancouver fahren, werden wir sicher ein paar Kanadier trösten müssen. Natürlich wird das einen Schub für das deutsche Eishockey geben. Den muss man aber auch nutzen. Es wird auch Zeit, dass in Freiburg die Sportinfrastruktur entsprechend ausgebaut wird. Das sollte auch für Freiburg ein Signal sein.

Toni Klein, Leiter der Nachwuchsabteilung des Freiburger EHC, ist einen Moment überfragt, ob der Verein auf einen Ansturm neuer junger Spieler vorbereitet ist. "Damit war ja nicht zu rechnen, dass die Mannschaft ins Finale kommt. Aber wir haben noch Schlittschuhe, Schläger, Helme und wir freuen uns über jedes Kind. Momentan gibt es sieben Teams mit über 150 Spielern zwischen 4 und 19 Jahren, allein in dieser Saison sind 40 neu dazugekommen – und das war vor Olympia. Wir platzen aus allen Nähten – schon jetzt wäre eine zweite Eisfläche dringend nötig."

"Ab einem bestimmten Niveau gewinnt die Mannschaft, die mehr kämpft." Patrick Vozar, Eishockeyspieler
Patrick Vozar (43), EHC-Legende mit über 500 Spielen und Sohn von Ferenc Vozar, der 1976 mit der deutschen Nationalmannschaft Olympia-Bronze gewann: "Ich bin krank und hab das Spiel leider verschlafen. Ich schau es mir später an. Nach dem Viertelfinale gegen Schweden war der Mannschaft schon viel zuzutrauen. Sie hat es mit Teamleistung und Einsatz von jedem für jeden wettgemacht. Jetzt stehen die Chancen tatsächlich fifty-fifty. Ab einem bestimmten Niveau gewinnt die Mannschaft, die mehr kämpft – sie hat bisher bewiesen, dass sie’s kann."

Mark Mancari, Topspieler des EHC Freiburg: "Ich konnte mir das Spiel nicht anschauen, weil ich mich um mein krankes Kind kümmern musste. Daher habe ich nur die Highlights gesehen und ab und zu den Ticker verfolgt. Ich war für mein Heimatland Kanada. Aber ich freue mich für die deutsche Mannschaft. Umso besser das Team wird, umso besser ist das für das Eishockey in Deutschland. Das Finale will ich mir aber anschauen, wenn’s meinem Kind wieder besser geht."

EHC-Kapitän Philip Rießle: "Während des Halbfinals waren wir gerade im Bus unterwegs zu unserem Auswärtsspiel in Bad Nauheim. Einige der Jungs haben die Partie im Livestream verfolgt. Wir haben uns riesig über den Sieg gefreut und hoffen nun auf einen positiven Effekt auf das Eishockey in Deutschland. Vielleicht finden ja künftig noch mehr Menschen den Weg in die Eishalle. Am Sonntag haben wir ein Heimspiel. Wahrscheinlich können wir das Finale zusammen ansehen und die gute Stimmung mit auf die Eisfläche nehmen. Wir hoffen jedenfalls auf Gold für Deutschland."

EHC-Trainer Leos Sulak: "Das ist eine super Sache! Damit hätte niemand gerechnet. Der Sieg ist eine gute Werbung für unseren Sport. Eishockey kann so in Deutschland vielleicht etwas mehr Gewicht bekommen. Schön wäre es auch, wenn wir durch den Erfolg etwas Rückenwind für eine neue Eishalle in Freiburg bekommen würden. So oder so hat Eishockey schon jetzt an Sympathien gewonnen."

Werner Karlin, EHC-Vorsitzender: "Wahnsinn! Wir haben es hier bei uns im Anwaltsbüro mit dem gesamten Personal angeschaut. Ich würd’ sagen: souverän zu Ende gespielt. Olympische Spielen finden große Beachtung, deswegen wird der Erfolg dem Eishockeysport einen großen Schub geben, der sicher nicht so schnell verpufft wie der nach der WM 2010 im eigenen Land. Es ist wichtig, dass junge Leute weg von der Straße in unsere Vereine kommen, wo sie Selbstdisziplin und Fokussiertheit lernen.

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