Raus mit Applaus in die Sommerpause

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Mo, 12. März 2018

Schwenningen Wild Wings

Schwenninger Wild Wings scheitern nach 0:2-Rückstand mit 2:3 an Wolfsburg / 6215 Fans feiern das Cortina-Team überschwänglich.

EISHOCKEY. Die Playoff-Bärte wurden bei den Wild Wings nicht lang, nach nur zwei Spielen waren die Schwenninger Kufencracks raus mit Applaus. "Es war eine super Saison, schade, dass sie jetzt doch so schnell vorbei ist", befand SERC-Torwart Dustin Strahlmeier nach dem Pre-Playoff-Aus gegen Wolfsburg. Die Wild Wings hatten nach der 3:4-Hinspielniederlage in Wolfsburg auch am Freitag daheim gegen die Grizzlys nach einem 0:3-Rückstand und einer begeisternden, aber glücklosen Aufholjagd vor dem mit 6215 Fans ausverkauften Haus mit 2:3 verloren.

"Unsere fantastischen Fans hätten es verdient gehabt, dass wir weiterkommen", so Kapitän Will Acton. Andererseits sei er sehr stolz auf die Leistung des Teams während der Saison und auch in den Pre-Playoffs. "Danke für ein geiles Jahr", skandierten die Schwenninger Anhänger in der ausverkauften Helios-Arena nach dem Aus des Teams. "Die Serie war sehr eng und bei den Torchancen auf beiden Seiten ausgeglichen. Kompliment aber an meine Mannschaft, wie sie das mit drei Sturmreihen durchgezogen hat", befand Grizzlys-Trainer Pavel Gross.

"Die Erfahrung gab den

Ausschlag für Wolfsburg."

Trainer Pat Cortina
"Wir haben sehr gut gespielt. Es war aber letztlich die Erfahrung, die für Wolfsburg den Ausschlag gegeben hat", so Schwenningens Trainer Pat Cortina. "Es war für uns eine schöne und wichtige Erfahrung, wir konnten in diesen Spielen einiges lernen." Voll des Lobes war der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Burger: "Die Mannschaft hat eine tolle Saison abgeliefert. Sie hat Eishockey gezeigt, mit dem sich die Fans voll identifizieren konnten, voller Kampf und Leidenschaft." Manager, Trainer, Spieler, alles habe "wunderbar gepasst". Der Schonacher Unternehmer hofft, dass die Wild Wings neue Fans und Sponsoren hinzugewinnen können. Er bleibe auch in der kommenden Saison weiter als Gesellschafter dabei, so Burger. 114 903 Zuschauer, das waren im Schnitt 4419 Fans, besuchten die Heimspiele der Wild Wings in der Punkterunde. Damit reichte es in der DEL-Zuschauergunst zu Rang acht. Das eine Pre-Playoff-Spiel war mit 6215 Fans ausverkauft. Nach zweimal dem letzten, einmal dem vorletzten und einmal dem drittletzten Rang hatten es die Schwenninger im fünften Jahr nach ihrer Rückkehr in die DEL als Zehnter endlich wieder in die Pre-Playoffs geschafft. 74 Punkte holten die Schwäne in 52 Partien. 26 Siegen standen 26 Niederlagen gegenüber. Prunkstück war die Defensive um Torhüter Dustin Strahlmeier mit nur 130 Gegentoren. Nur Hauptrundensieger München (128 Gegentore) und der Drittplatzierte Nürnberg (126) waren besser als die Neckarstädter. Das Toreschießen war hingegen nicht so die Sache der Schwenninger, nur 123 Mal zappelte der Puck in der Punkterunde im gegnerischen Netz – so wenig Treffer erzielte sonst kein Team. Tospcorer wurde Will Acton, der in der DEL-Hauptrunde und den zwei Pre-Playoff-Spielen genau 50 Punkte (20 Tore/30 Assits) sammelte. Dominik Bittner, Benedikt Brückner, Dominik Bohac und Kyle Sonnenburg erzielten kein einziges Tor. Das Problem: Die Wild Wings verfügen über keinen echten Blueliner. Keiner der Verteidiger hat von der blauen Linie einen wirklich harten und präzisen Schuss. Dies muss sich für kommende Saison unbedingt ändern. Denn dann dürfte auch automatisch das Überzahlspiel der Schwenninger, das mit einer Erfolgsquote von 13,8 Prozent das schlechteste der Liga war, besser werden.

Schön, dass die Wild Wings zum zweiten Mal in Folge den Fair-Play-Preis für die wenigsten Strafen erhielten und erneut 10 000 Euro für die Schwenninger Nachwuchsarbeit bekamen. Im Schnitt lediglich acht Strafminuten pro Partie erhielt die Cortina-Truppe. Einerseits sehr löblich, andererseits ist speziell in den Playoffs eben auch hartes, körperbetontes Spiel gefragt. Und da waren die Wolfsburger den Schwenningern überlegen. Als Dominik Bohac am Freitagabend Björn Krupp checkte, verzog der Nationalspieler und olympische Silbermedaillengewinner keine Miene.

Bei Stürmer Damien Fleury stehen die Zeichen auf Abschied. Er möchte, dass seine Kinder in eine französische Schule gehen, was in Villingen-Schwenningen nicht möglich ist. Fleury, der Anfang November aus Finnland zu den Wild Wings zurückkehrte, wird mit den Iserlohn Roosters in Verbindung gebracht. Der spielerisch starke Schwede Andrée Hult, der pfeilschnelle Stefano Giliati und Angreifer Markus Poukula, der wie Giliati 14 Saisontore erzielte, sollen gehalten werden. Spannend ist die Frage, was mit den beiden finnischen Verteidigern Jussi Timonen und Kalle Kaijomaa passiert. Die Saisonabschlussfeier ist am kommenden Freitag in der Helios-Arena.

Zukunft in Schwenningen: Folgende Spieler haben für kommende Saison bei den Wild Wings bereits Verträge: Tor: Dustin Strahlmeier. Abwehr: Benedikt Brückner, Dominik Bittner, Mirko Sacher, Dominik Bohac. Sturm: Will Acton, Istvan Bartalis, Simon Danner, Marc El-Sayed, Tobias Wörle, Marcel Kurth, Mirko Höfflin, Anthony Rech.