"Sehr, sehr harte Arbeit"

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Do, 13. September 2018

Eishockey

Schwenningen startet am morgigen Freitag mit einem Heimspiel in die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga – doch noch gibt es viele Fragezeichen.

Im fünften Jahr der Rückkehr in die DEL hatte es endlich wieder mit den Pre-Playoffs geklappt für die Schwenninger Wild Wings. Eine Garantie, dass die Wild Wings diesen Erfolg in der nun beginnenden Saison erneut erreichen, ist das nicht. "Davor steht sehr, sehr harte Arbeit", hatte Trainer Pat Cortina bereits vor einiger Zeit klargestellt.

Zumal die Wild Wings fünf Abgänge zu verzeichnen haben. Besonders schwer wiegt der Abschied von Topscorer Will Acton, der in 151 Spielen 149 Punkte für die Schwenninger erzielte. Der Kapitän ging von Bord, obwohl er noch einen gültigen Vertrag hatte. Bei den Nürnberg Ice Tigers lockte nicht nur ein höheres Gehalt, sondern auch die Möglichkeit, um den Titel mitspielen zu können. "Acton können wir nicht eins zu eins ersetzen", erklärt Wild-Wings-Sportmanager Jürgen Rumrich. Zumal auch dessen Mitspieler vom Spiel des kanadisch-amerikanischen Anführers profitierten. "Wir müssen die Last nun auf mehreren Schultern verteilen, uns breiter aufstellen", weiß Rumrich. Neben Acton verließen Tim Bender (ebenfalls Nürnberg), Damien Fleury (BDL Grenoble), Uli Maurer (SC Riessersee) und Lennart Palausch (Crocodiles Hamburg) den Verein.

Bereits vor Saisonbeginn wurden deshalb erstmals zehn Ausländer verpflichtet. Allerdings zog sich der finnische Stürmer Markus Poukkula schon in der Vorbereitung eine Armverletzung zu, er wird lange ausfallen. Die beiden Angreifer vom finnischen Erstligisten Ässät Pori, Philip McRae, der sowohl die US-amerikanische als auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, und Ville Korhonen, die beide auf Empfehlung von SERC-Assistenztrainer Petteri Väkiparta an den Neckarursprung kamen, hinterließen in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Ebenso der Lette Rihards Bukarts von den Eisbären Berlin. Der 22-Jährige spielte für die Hauptstädter starke Playoffs und hatte nicht unwesentlichen Anteil daran, dass es die Eisbären bis ins Finale schafften, scorte er doch acht Punkte. Der junge Stürmer Julian Kornelli vom Zweitligisten Tölzer Löwen wurde auch für den neuen Schwenninger Kooperationspartner, die Towerstars Ravensburg, in der DEL 2 lizenziert.

Die Schwenninger Abwehr ist nahezu unverändert und daher eingespielt. Ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs ist der 19-jährige Boaz Bassen, Sohn des ehemaligen SERC-Stürmers Mark Bassen. Er hat zwar nicht die Erfahrung von Abgang Bender, spielte aber in der Vorbereitung stark auf. Bassen soll dennoch zunächst den Schwenninger Nachwuchs verstärken.

"Ich bin überzeugt davon, dass wir wieder eine gute Truppe zusammen haben. Wir werden noch laufintensiveres Eishockey betreiben. Alle fünf Feldspieler sollen nach vorne auf die Scheibe gehen. Wir haben sehr ausgeglichene Reihen. Ich bin mir sicher, dass wir wieder eine schöne Saison erleben", blickt Rumrich voraus. Coach Cortina will, dass alle fünf Feldspieler ihren Gegner künftig früher und aggressiver angehen. Eine derart schwache Torausbeute von 123 Treffern (die schlechteste Bilanz der Liga) hat bislang in der DEL-Historie nur einmal zu Rang zehn gereicht – den Wild Wings vergangene Saison. Wiederholung unwahrscheinlich.

Obwohl mit EBM-Papst ein Hauptsponsor zurückgezogen hat, der sich dem Vernehmen nach mit 130 000 Euro pro Saison einbrachte, liegt der Gesamtetat laut Wild Wings GmbH unverändert bei 5,7 Millionen Euro. Allerdings hatten die "Schwäne" auch in der abgelaufenen Saison laut dem geschäftsführenden Gesellschafter Michael Werner keine schwarze Null schreiben können. Die im voraus publizierte Unterdeckung von 320 000 Euro konnte trotz des sportlichen Erfolgs nicht ganz aufgefangen werden. Rund 1600 Dauerkarten und damit etwa 100 mehr als in der vergangenen Saison haben die Wild Wings aktuell verkauft. Die Schwenninger kalkulieren mit einem Zuschauerschnitt von 4000. Vergangene Saison lag er bei 4419.