Sportministerium klagt Radteam an

sid

Von sid

Di, 06. März 2018

Eishockey

Vor dem Tour-de-France-Sieg von Bradley Wiggins 2012 nahm die Sky-Equipe wohl Kortikoide ein.

LONDON (sid). Für englische Medien ist es bereits das mögliche "Todesurteil" für Sky, denn jetzt belastet auch noch die eigene Regierung das britische Radsportteam. In einem hochbrisanten Bericht klagt das britische Sportministerium an, Sky habe medizinische Ausnahmegenehmigungen (TUEs) missbraucht, um mit Bradley Wiggins an der Spitze die Tour de France 2012 zu gewinnen.

Der Vorwurf ist nicht neu, gewinnt aber durch den Fakt, dass es sich beim "Ankläger" um eine staatliche Einrichtung handelt, enorm an Wucht. Sky steht wegen des Falls Wiggins und der Salbutamol-Affäre um den viermaligen Tour-de-France-Sieger Christopher Froome seit geraumer Zeit unter Druck. Froome und seine Teamkollegen starten von Mittwoch an beim Radrennen Tirreno-Adriatico – der Verdacht fährt nun noch stärker mit.

Das Department for Digital, Culture, Media and Sport (DCMS) sieht es als erwiesen an, dass Wiggins und möglicherweise auch dessen Helfer im Team Sky zur Vorbereitung auf die Tour unter dem Deckmantel von Ausnahmegenehmigungen leistungssteigernde Kortikoide konsumiert haben. Dies stelle zwar keine explizite Verletzung des Anti-Doping-Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) dar, aber Teammanager David Brailsford habe "die ethische Linie" überschritten, die sich das Team einst selbst gesetzt habe. Die Mittel seien genutzt worden, um die Leistungen der Fahrer zu steigern – und "nicht aus medizinischer Notwendigkeit". Das Mannschafts-Ethos des "sauberen Siegens" sei aus Erfolgsgier über Bord geworfen worden, klagte das Sportministerium an.

Die ominöse Medikamentenlieferung an Wiggins im Jahr 2011 wird in dem Bericht überdies als unglaubwürdig eingestuft. Anders als von Sky und Wiggins stets behauptet, dürfte das Päckchen auch nicht das Hustenmittel Fluimucil, sondern das Kortikoid Triamcinolon enthalten haben, hieß es. DCMS stützt sich in den Untersuchungen hauptsächlich auf die Aussagen eines anonymen Zeugen, der aufgrund seiner Stellung als glaubwürdig eingestuft wurde.

Wiggins, der 2012 als erster Brite die Gesamtwertung der Tour de France gewann, wies die Anschuldigungen von sich. "Ich finde es traurig, dass Anschuldigungen erhoben werden können, bei denen Leuten Dinge vorgeworfen werden, die sie nie getan haben, die aber als Fakten angesehen werden", sagte Wiggins. Er werde sich in den nächsten Tagen detailliert äußern, um die Vorwürfe auszuräumen, ergänzte der Zeitfahr-Olympiasieger von 2012 in London.