Eishockey

Thomas Jetter: Ein Südbadner bemalt die Masken der Olympia-Torhüter

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Fr, 16. Februar 2018 um 17:23 Uhr

Emmendingen

Früher stand er selbst auf dem Eis und wehrte Schlagschüsse ab. Heute bemalt Thomas Jetter in seiner Werkstatt in Emmendingen die Schutzmasken von Eishockey-Torhütern – auch die der drei deutschen Olympia-Goalies. Der 39-Jährige, der in Pfaffenweiler lebt, arbeitet mit Airbrushpistole und Föhn im Millimeterbereich.

Er weiß, wie Torhüter ticken. Er tickt nicht anders. Bis 2006 war er selbst Profi, spielte für die Freiburger Wölfe und die Revierlöwen Oberhausen. "Ich habe aufgehört, als die Schulter 20 Mal ausgekugelt war", erzählt er. Seine Masken hat er immer selbst bemalt: Als er 12 war, schenkten ihm seine Eltern ein Farbenset, eine Profilackierung hätte 1200 Mark gekostet. "Für einen Torhüter ist die Maske ein Heiligtum", sagt Jetter. Sein Talent sprach sich herum.

Jetter zeichnet Horrorclowns, aber auch mal den Bundesadler

Zu seinen Kunden gehören heute Dennis Endras, Danny aus den Birken und Timo Pielmeier, die drei Nationaltorhüter, die gerade beim olympischen Eishockeyturnier in Südkorea spielen. Ihre Masken hat Jetter in seiner Werkstatt in Emmendingen lackiert. Er hat versucht, sich trotz aller Beschränkungen auszutoben. "Das Olympische Komitee gibt strenge Regeln vor. Auf den Masken dürfen nur Motive drauf sein, die auch auf dem Trikot sind." Den Bundesadler, erzählt Jetter, habe er ein bisschen fotorealistischer gemacht, dazu kämen noch einige Schatten, eine Wabenstruktur, eine reflektieren Nummer. "In den Richtlinien stand nirgends, dass das nicht erlaubt ist", sagt er.

Video: So wird die Eishockey-Maske von Olympia-Torhüter Dennis Endras bemalt


Normalerweise hat er mehr Freiheiten. Er hat Horrorclowns und Hollywood-Piratenkapitän Jack Sparrow auf Masken lackiert, er hat Pokale und Kleeblätter gezeichnet – und auch schon mal Swarowski-Kristalle eingearbeitet. Profis zahlen für ihre maßgefertigte Maske schon rund 1600 Euro, erzählt Jetter – je nach Lackierung könne sich dieser Preis noch verdoppeln. "Einige sind so verrückt, dass sie sich eine Auswärts- und eine Heimmaske machen lassen."

Jetter lackiert jede Maske weiß. Dann bemalt er sie mit Hilfe millimeterfeiner Schablonen, die Sprühnadel der Airbrushpistole ist 0,2 Millimeter dick. Ein Föhn soll die Farbe trocknen und verhindern, dass sie verläuft. Für einen Maske kann er schon mal bis zu 20 Stunden brauchen, Trockenzeiten nicht eingerechnet. Es ist ein Saisongeschäft: "Die Masken kommen eigentlich alle gleichzeitig an", sagt Jetter. Er ist ausgebildeter Werbetechniker und Grafiker, Eishockeytorhüter sind nur ein Teil seiner Kundschaft. "Ich muss viele Anfragen ablehnen", sagt er. "Es ist stressig. Aber es ist ein tolles Gefühl, wenn man den Fernseher einschaltet und weiß: Der trägt eine Maske, die vor 14 Tagen in deiner Hand war."
Info

Die deutsche Olympiamannschaft trägt am Sonntag, 18. Februar, um 4.10 Uhr (Ortszeit: 12.10 Uhr) ihr drittes Vorrundenspiel gegen Norwegen aus.

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