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10. Februar 2012
Die Geduldlosen
1899 Hoffenheim trennt sich von Trainer Holger Stanislawski / Wird Markus Babbel Nachfolger?.
ZUZENHAUSEN (dpa). Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim hat nicht viel Geduld mit Holger Stanislawski bewiesen und dem Trainer nach nicht einmal acht Monaten den Stuhl vor die Tür gesetzt. Einen Tag nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth gaben die Nordbadener die Trennung von dem 42-Jährigen bekannt. Als heißester Nachfolgekandidat gilt Markus Babbel, der am 18. Dezember bei Hertha BSC gefeuert worden war.
"Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer. Doch nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Interesse aller Beteiligten zu beenden", erklärte Manager Ernst Tanner in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. "Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür sicherlich ausschlaggebend."Stanislawski, der langjährige Coach des FC St. Pauli, betreute 1899 erst seit Beginn dieser Saison und hatte ursprünglich einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014. Die Hoffenheimer waren am Mittwochabend mit 0:1 gegen Fürth im DFB-Pokal-Viertelfinale ausgeschieden. Bereits am Samstag nach dem 2:2 gegen den FC Augsburg hatte Stanislawski heftig seine Spieler kritisiert und erste Zeichen von Resignation gezeigt. In der Liga hatte sein Team aus den vergangenen zehn Spielen nur einen Sieg geholt und die zurückliegenden fünf Heimspiele nicht mehr gewonnen.
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Stanislawski scheiterte auch am mächtigen Mäzen Dietmar Hopp. Der Milliardär hatte einerseits einen Sparkurs ausgerufen. So wurden Leistungsträger wie Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic verkauft. Andererseits wollte Hopp nicht mit ansehen, wie die Hoffenheimer sich allmählich zum Abstiegskandidaten entwickelten. Noch am 30. Januar hatte der SAP-Mitbegründer in einem Interview des Fachmagazins Kicker gemahnt: "Wir müssen Geduld haben, das habe ich auch Stani gesagt. Und ich hoffe, Stani ist in acht Jahren noch hier."
Am Donnerstagmorgen bekam "Stani", wie ihn auch in Hoffenheim alle nannten, von Tanner mitgeteilt, dass er gehen könne. Da half auch die lautstarke Unterstützung der Fans im Pokalspiel nichts mehr: Als die Mannschaftsaufstellung vom Stadionsprecher ausgerufen wurde, brüllten die Anhänger nach jedem Spieler-Vornamen: "Stanislawski!" Auch nach der Viertelfinal-Niederlage riefen die Zuschauer nach dem 1899-Coach, der winkte um 20.53 Uhr nochmal Richtung Südtribüne. Da ahnte er schon, dass er im Kraichgau keine Perspektive mehr hatte. Zumal Hopp seine Arbeit noch kurz vor der Partie öffentlich kritisiert hatte: "Ich sehe keine Linie im Spiel der Mannschaft, es ist keine Entwicklung zu erkennen."
Stanislawski lobte am Mittwochabend noch sein Team für einen engagierten Auftritt, spielerisch war die Partie jedoch ein Armutszeugnis. Und so musste er als fünfter Trainer in der laufenden Bundesliga-Saison seinen Posten vorzeitig räumen. Vor ihm trennten sich die jeweiligen Vereine von Michael Oenning (Hamburger SV), Markus Babbel (Hertha BSC Berlin) und Marcus Sorg (SC Freiburg). Ralf Rangnick (zuletzt Schalke 04) trat von sich aus wegen des Burnout-Syndroms zurück.
In Hoffenheim ist nach dem Abgang von Erfolgscoach Ralf Rangnick vor gut einem Jahr keine Kontinuität eingekehrt: Nach Marco Pezzaiuoli scheiterte nun der volksnahe Stanislawski, der dem Retortenklub im Kraichgau Seele und Leidenschaft einhauchen sollte. Mit dem Cheftrainer verlassen auch seine Assistenten André Trulsen und Hans-Peter Nemet den Klub.
Autor: dpa
