Einer wie Ebner-Eschenbach

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 05. August 2018

FC Basel

Der Sonntag Der Trainer Marcel Koller soll nun den FC Basel aus der Krise führen.

Nach der gescheiterten Champions-League-Qualifikation am Mittwoch präsentierte der FC Basel bereits am Donnerstag seinen neuen Cheftrainer, Marcel Koller. Ein alter Hase, der den Abonnementmeister wieder in ruhigere Fahrwasser bringen soll.

Manchmal passen Situationen wie die Faust aufs Auge. Küchenpsychologisch gab der FC Basel diese Woche allerhand Raum für großspurige Einordnungsversuche. Das Post-Champions-League-Aus-Interview des Basler Abwehr-Spielers Marek Suchy vor den sich leerenden Rängen der FC-Heimspielstätte war an Symbolhaftigkeit kaum zu übertreffen: Fast schon wie dramaturgisch geplant hallten die geknirschten Worte des Defensiv-Motors von den Rängen des St. Jakob-Parks wieder. "Es läuft einfach nicht", verbalisierte der 30-jährige Tscheche seinen Unmut. Und intonierte refrainartig immer wieder: "Wir müssen uns entschuldigen, das war sehr schlecht."

Suchys Klagelied steht sinnbildlich für die Krise, in die die Blau-Roten seit Frühjahr geschlittert sind. Langsam aber stetig. Unter Neu-Präsident Bernhard Burgener versuchte der Schweizer Topclub vor rund einem Jahr die Radikalkur. Komplette Runderneuerung und Imagewechsel waren angedacht. Nach Jahren der Erfolgsverwöhnung waren die Zuschauer zuletzt immer seltener in großen Zahlen zu den Heimspielen gepilgert. "Wir wollen mehr Unterhaltung", kündigte Burgener damals in der NZZ an.

Unter der Ägide von Trainernovize Raphael Wicky plante der Medienunternehmer den Neuaufbau. Und das Konzept ging auf. Zumindest anfänglich. In der Champions League lieferte der FCB im Herbst in der Vorrunde rauschende Europapokalnächte. Die Sportblätter überschlugen sich mit Lob.

Nun aber stecken Basler in der Krise. Im Endspurt der vergangenen Saison ging ihnen die Luft aus. Nach acht Titeln in Folge musste der FCB dem Erzkonkurrent, den Young Boys aus Bern, den Vortritt lassen. Zuletzt blieben die Wicky-Männer saisonübergreifend sieben Punktspiele in Folge ohne Erfolgserlebnis. Nachdem der FCB am Mittwochabend im Rückspiel der Champions League Qualifikation gegen PAOK Saloniki mit 0:3 ein Debakel erlebte, sah sich der Präsident zum Handeln gezwungen. Bereits vergangene Woche hatten die Basler Wicky entlassen, nun ist auch die Interims-Lösung mit Alex Frei nach wenigen Tagen bereits Geschichte.

"Wir haben keine Alternative mehr gesehen", betonte Burgener in einer Pressekonferenz, in der er gemeinsam mit Sportchef Marco Streller den neuen Trainer Marcel Koller und die Assistenten Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger präsentierte. Der Neue ist ein Rückgriff zu alten Methoden.

Der junge Wicky stand mit seinem Offensiv-Fußball und Ausrichtung auf flache Hierarchien für die neue Schule. Koller gilt als eher autoritärer Trainertyp alter Schule. Mit den Grasshopper Zürich wurde der Züricher zweimal Schweizer Meister, mit Bochum stieg er 2006 in die deutsche Bundesliga auf und hielt die Ruhrpott-Truppe drei Jahre in der Belletage. Von 2011 bis 2017 leitete Koller zuletzt die Nationalmannschaft von Österreich. Und packte die Qualifikation zur Europameisterschaft.

Ob Koller in seiner sechsjährigen Zeit in Österreich über die Erzählungen von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach gestolpert ist, ist indes nicht bekannt. Wie Koller verbrachte die bekannteste österreichische Erzählerin des 19. Jahrhunderts mehrere Jahre in Wien. Und prägte dabei mehrere Sätze, die bis heute zum aktiven Sprachgebrauch der Donaustädter gehören. "Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins", ist dabei einer der bekanntesten.

Marcel Koller jedenfalls lebt das Bonmot der Schriftstellerin vor wie wenige andere. Seinen ersten Auftritt, die Pressekonferenz im Basler St. Jakob-Park, bewältigte der 57-Jährige mit spielerischer Leichtigkeit. Auch die kritischsten Fragen prallten an ihm ab wie an einer Teflonpfanne.

Ruhig und bedacht, keine Hektik, keine Panik. Koller leistete sich keinen Fauxpas. Genau danach sehnt sich die Führungsriege um Streller. "Wir brauchen Erfahrung", betonte der Sportchef am Donnerstag immer wieder. "Er war durch seine Erfahrung unsere erste Wahl", leitete Burgener die Vorstellung des neuen Mannes ein.

Ob die wienersche Gelassenheit des gebürtigen Zürichers den Baslern zurück in die Spur verhilft, ist indes offen. Wie heißt es so schön im Sprichwort aus dem Berner Oberland. Den Gefilden also aus denen der größte Konkurrent, die bereits wieder auf vier Punkte enteilten Young Boys, stammen: "Von der Gelassenheit bis zur Heiterkeit ist noch ein weiter Weg."

Die Premierenpartie des Basler Neu-Trainers gegen seinen Ex-Club Grasshopper Zürich am späten gestrigen Sonnabend war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet. Der erfahrene Trainermethusalem muss seine sportliche Feuertraufe mit dem FC Basel erst noch während der nächsten Wochen bestehen.