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30. Juni 2012

"Alles ganz furchtbar aufregend"

BZ-Interview mit Antje Montolivo, der deutschen Mutter des italienischen Finalisten Riccardo.

  1. Antje und Riccardo Montolivo Foto: Jochen Dippel

FREIBURG. Riccardo Montolivo hat mit der italienischen Nationalmannschaft das Heimatland seiner Mutter besiegt. Zudem hat er das 2:0 Mario Balotellis gegen Deutschland elegant vorbereitet. Seine Mutter Antje freut sich riesig mit ihrem Sohn. Warum sie jedoch auch Mitleid mit den Deutschen hat, hat sie Andreas Frey erzählt.

BZ: Frau Montolivo, Ihr Sohn hat gerade Ihr Heimatland besiegt. Freuen Sie sich trotzdem?

Montolivo: Ja, riesig. Ich bin wahnsinnig glücklich und freue mich für Riccardo.

BZ: Er hat ja auch ein sehr gutes Spiel gemacht. Wo haben Sie das Spiel denn geschaut?
Montolivo: Wir waren zuhause und ganz spontan sind einige Freunde gekommen, und dann haben wir das zusammen angeschaut. Das was natürlich alles ganz furchtbar aufregend.

BZ: Die Deutschen haben ganz schön forsch losgelegt. Was ging da in Ihnen vor?
Montolivo: O mein Gott, habe ich gedacht. Aiuto, aiuto (Hilfe, Hilfe, d. Red.). Jedes Mal, wenn der Ball in die Nähe des Tores kam. Das war sehr aufregend. Stillsitzen konnte ich auch nicht. Am Ende wurde es nochmal spannend. Wenn es zum Ausgleich gekommen wäre und damit zur Verlängerung, hätten es die Italiener nicht durchgestanden. Da bin ich mir sicher. Und Deutschland wäre nun im Endspiel.

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BZ: Normalerweise würden Sie ja eher mit den Deutschen fiebern, aber dieses Spiel war natürlich eine Ausnahme.
Montolivo: Ja, klar. Sonst sage ich immer, zu 60 Prozent bin ich für Deutschland.

BZ: Hätten Sie denn erwartet, dass die Deutschen so schlecht spielen?
Montolivo: Nein, damit hat keiner gerechnet. Die waren so überzeugend das ganze Turnier. Eigentlich hab ich gedacht, dass die Deutschen gewinnen.

BZ: Haben Sie denn auch ein bisschen Mitleid mit den Deutschen?
Montolivo: Doch, doch. Ach, ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Das tut mir wirklich leid für die Deutschen.

BZ: Haben Sie Ihren Sohn schon gesprochen?
Montolivo: Nein, mein Mann hat mit Riccardo gesprochen. Ich habe lediglich ein paar SMS geschrieben.

BZ: Was stand da drin?
Montolivo: Solche Sachen wie Glückwunsch, super gespielt, Wahnsinn. Nur kurze Meldungen.

BZ: Und, fliegen Sie jetzt nach Kiew zum Endspiel?
Montolivo: Eventuell. Ich muss mir das noch überlegen. Das hängt von meinem Hund ab, wie es dem geht. Der ist sehr alt und ein bisschen krank. Mal schauen, ob ich jemanden finde, der auf ihn aufpasst. Mein Mann fährt auf jeden Fall, Luca (der ältere Sohn, d. Red.) war am Donnerstag schon in Warschau.
BZ: Was trauen Sie Italien nun zu?
Montolivo: Jetzt müssten wir gewinnen. Es wird aber sehr schwer, die Spanier haben zwar nicht mehr so überzeugend gespielt gegen Portugal, aber sie haben eine starke Mannschaft und starke Spieler. Das Finale wird ein ganz anderes Spiel als das Halbfinale.

BZ: Der wievielte Journalist bin ich denn schon, der anruft?
Montolivo: Wissen Sie, ich bin diesen Rummel um meine Person gar nicht gewohnt. Das ist unglaublich. Die meisten Anfragen kamen über die ARD und deren Sender. War aber alles ganz nett.

BZ: Mehr italienische oder deutsche Medien?
Montolivo: Mehr deutsche. Die Deutschen haben das mitgekriegt über Riccardo, sie haben aufgehorcht: nanu, deutsche Flagge auf dem Schuh, was ist denn hier los?

BZ: Sie sind jetzt wahrscheinlich ziemlich stolz, egal, wie das Finale ausgeht, oder?
Montolivo: Na klar. Das ist super, und weil er auch bisher so gut gespielt hat.

BZ: Was ist zuhause vor Ort nun los?
Montolivo: Viele sagen mir, Riccardo hat gut gespielt. Alle verfolgen das, man kennt ihn, man schätzt ihn.

BZ: Wann sehen Sie ihn zum ersten Mal wieder?
Montolivo: Kommt darauf an, was passiert. Wenn sie es nicht schaffen, kommt er sicher gleich nach Hause. Wenn nicht, dauert es noch etwas.

BZ: Auf ihn warten wäre also gar nicht schlimm.
Montolivo: In diesem Fall nicht, nein.

Autor: dpa


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