Frankreich

Final-Niederlage gegen Portugal ist schwer zu verdauen

Christoph Ruf

Von Christoph Ruf

Di, 12. Juli 2016 um 00:00 Uhr

Fußball-EM

"Es ist grausam, dieses Finale so zu verlieren", sagt Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps nach dem 0:1 im EM-Finale gegen Portugal. Doch es gibt auch Positives.

PARIS. Didier Deschamps war deutlich anzumerken, dass er sich die Pressekonferenz nach dem Spiel gerne geschenkt hätte. Er hatte schließlich schon mit ansehen müssen, wie ausgelassen eine portugiesische Mannschaft den Gewinn der Europameisterschaft gefeiert hatte, die an diesem Abend die schlechtere Mannschaft gewesen war und mit der einzigen Chance des Spiels dennoch den Titel gewonnen hatte.

"Es ist grausam, dieses Finale so zu verlieren", sagte Deschamps, der mindestens bis 2018 Trainer bleiben wird. "Das muss ich erst mal verdauen. Aber ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles versucht. Gratulation an Portugal. Sie sind Europameister."

Das waren Worte, die genauso fair waren wie das Verhalten des französischen Publikums, das dem Gegner bei der Siegerehrung applaudierte, obwohl die Zahlen eigentlich für Frankreich als Sieger gesprochen hatten. 17 Torabschlüsse hatte der Gastgeber allein in der regulären Spielzeit, sieben davon kamen aufs Tor, Portugal schaffte das nur ein Mal, Keeper Hugo Lloris war faktisch beschäftigungslos.

Doch spätestens als der eingewechselte André-Pierre Gignac in der Nachspielzeit den bis dato unbezwingbar scheinenden Keeper Rui Patricio tunnelte und dennoch nur den Pfosten traf, dämmerte es vielen französischen Fans, dass dieses Spiel schlecht enden könnte. Und so kam es auch. Ausgerechnet der beim OSC Lille in der französischen Ligue 1 spielende Éderzito António Macedo Lopes traf in der Nachspielzeit. Die Portugiesen gewannen also, weil sie in der Nachspielzeit zwei gute Angriffe fuhren, zuvor gut mit ihren Kräften gehaushaltet hatten und am Schluss mehr Entschlossenheit an den Tag legten als die sichtlich ausgelaugten Gastgeber.

Insofern hatte Frankreich natürlich auch Grund, statt mit dem Schicksal mit sich selbst zu hadern. Allzu oft stand Antoine Griezmann, der mit seinen sechs Treffern immerhin als bester Schütze des Turniers ausgezeichnet wurde, auf verlorenem Posten, weil Dimitry Payet und Olivier Giroud am Ende ihrer Kräfte waren. Und Paul Pogba, der sich als kommenden "Weltfußballer des Jahres" sieht, enttäuschte einmal mehr. "Gegen Deutschland hatten wir nicht viele Torgelegenheiten und haben getroffen. Heute hatten wir gut zehn und es war umgekehrt", ärgert sich Griezmann, der nach dem Champions-League-Finale mit Atlético Madrid binnen weniger Wochen das zweite Endspiel in Folge verloren hatte. "Wir müssen künftig einiges noch besser machen."

"Fußball ist

manchmal komisch."

Finalspruch von Lukas Podolski
Im Laufe des Montags, am Tag nach der bitteren Niederlage, verschafften sich dann aber auch in Frankreich erste Stimmen Gehör, die einen versöhnlicheren Blick auf ein Turnier warfen, in dem Frankreich fünf von sieben Spielen gewann, spielerisch überzeugte und zum ersten Mal seit der WM 2006 überhaupt die Runde der letzten Vier erreichte.

Dass es Frankreich im Finale dann so ging, wie Deutschland im Halbfinale bleibt hingegen die aus französischer Sicht bittere Pointe dieses Turniers. Wie schrieb doch Lukas Podolski so schön: "Deutschland-Frankreich: bessere Mannschaft verliert! Portugal-Frankreich: bessere Mannschaft verliert! Fußball ist manchmal komisch." Die öffentliche Wahrnehmung ist es manchmal auch.

Dass die gerade zu Ende gegangene EM ohne Anschläge ablaufen konnte, wird auch in Frankreich nur in Nebensätzen erwähnt. Die französischen Sicherheitsbehörden haben offenbar gute Arbeit geleistet. Schließlich gab es einige Bombendrohungen. Die letzte fürs Finale am Sonntag, das unter nochmal verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfand.

Portugal: Patricio – Cedric, Pepe, Fonte, Guerreiro – W. Carvalho – Sanches (79.Éder), A. Silva (66. Moutinho), Mário – Nani, Ronaldo (25. Quaresma).

Frankreich: Lloris – Sagna, Koscielny, Umtiti, Evra – Pogba, Matuidi – Sissoko (110. Martial), Griezmann, Payet (58. Coman) – Giroud (78. Gignac).
Schiedsrichter: Clattenburg (England). Tor: 1:0 Éder (109.).

Zuschauer: 75 868.

Gelbe Karten:
Cedric, Mário, Guerrero, W. Carvalho, Moutinho / Umtiti, Matuidi, Koscielny, Pogba.