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Saisonstart in Italien im Zeichen der Trauer

dpa

Von dpa

Fr, 17. August 2018 um 19:08 Uhr

Fussball International

Nach dem Einsturz der Brücke in Genua steht auch Italiens Fußball unter Schock. Die Trauer überschattet das Liga-Debüt des Portugiesen Cristiano Ronaldo in der Serie A.

Wochenlang haben die Tifosi in Italien auf das erste Pflichtspiel des neuen Stars Cristiano Ronaldo hingefiebert – doch der Brückeneinsturz in Genua mit Dutzenden Toten drängt den Fußball in Italien zum Saisonstart in den Hintergrund. Mindestens 37 Menschen starben, Italien ist erschüttert. Vor jeder Partie soll in den Stadien zum Saisonauftakt der Serie A am Wochenende eine Minute lang Stille herrschen. Gespielt wird mit schwarzem Trauerflor.

Gespielt wird mit schwarzem Trauerflor

In Genua, dem Schauplatz des Unglücks, bleibt sogar das gesamte Stadion leer. Die Liga verschob sowohl das Heimspiel von Sampdoria Genua gegen Florenz als auch die Begegnung von CFC Genua und AC Mailand auf unbestimmte Zeit. Die Entscheidung sei ein "wichtiger Akt der Solidarität für Genua und die Genoveser, die Tage des tiefen Schmerzes und der Bestürzung erleben", sagte Sampdoria-Präsident Massimo Ferrero, der sich für die Anteilnahme bedankte.

Hätte man den Spieltag ganz absagen sollen?

Der aus Genua stammende italienische Parlamentsabgeordnete Luca Pastorino kritisierte, dass der Spieltag nicht ganz abgesagt wurde. "Am nationalen Trauertag erscheint es absurd, dass die Meisterschaft der Serie A regulär mit Chivo gegen Juventus beginnt. Wie viel ist das Leben wert, wie viel sind die unter einer eingestürzten Brücke zerrissenen Herzen wert? Was ist der Schmerz der Familien, Kinder, Männer und Frauen wert? Nichts?" Ferrero sagte dagegen: "Es ist richtig, dass auf den anderen Plätzen gespielt wird, das nimmt uns nichts von der Nähe, die uns ganz Italien gezeigt hat."

Die Welt schaut derzeit nach Italien – doch die Klub-Verantwortlichen hatten sich zum Saisonstart eigentlich eine andere Art der Aufmerksamkeit erhofft. Ex-Juve-Spieler Christian Vieri bezeichnete den Transfer Ronaldos von Real Madrid zu Juve als "Lottogewinn", der der italienischen Liga wieder mehr Beachtung aus dem Ausland schenken werde. Über die Serie A habe man zuletzt wenig gesprochen, weil die ganz großen Stars fehlten. Diese Zeit soll nun vorbei sein.

Mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler

Die Gazzetta dello Sport sprach vom "verrücktesten Transfersommer seit vielen Jahren". Nicht nur Juventus, das mit dem 112 Millionen Euro teuren Rekordtransfer Ronaldo den achten Meistertitel in Serie anstrebt, griff tief in die Tasche. Die 20 Vereine der Serie A gaben nach Berechnungen des Portals transfermarkt.de noch vor Ablauf der Wechselperiode am Freitagabend mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler aus. In den vergangenen Jahren stiegen die Summen zwar stetig, bisher aber nicht über die Milliardengrenze.

Turin verpflichtete neben Ronaldo auch den deutschen Nationalspieler Emre Can vom FC Liverpool und João Cancelo von Inter Mailand. Leonardo Bonucci ist nach einer Saison beim AC Mailand ebenfalls zurück.

Der Tabellenzweite SSC Neapel will in der kommenden Spielzeit mit dem Ex-Bayern-Coach Carlo Ancelotti einen neuen Angriff auf den ersehnten dritten Scudetto seiner Geschichte starten. Unter Maurizio Sarri, den Klub-Boss Aurelio de Laurentiis zum FC Chelsea ziehen ließ, begeisterte Napoli zwar mit Offensivfußball, für einen Titel reichte es aber nicht. Fast 30 Jahre nach dem letzten Meistertitel der Mannschaft um Klub-Legende Diego Maradona weckt Ancelotti trotz einer enttäuschenden Vorbereitung bei den Fans große Träume.

Auch die Mailänder Klubs haben wieder aufgerüstet

Während bei Napoli Ex-Coach Ancelotti der prominenteste neue Name ist, rüsteten die Mailänder Klubs in diesem Sommer wie auch Juve wieder einmal auf. Milan holte Stürmer Gonzalo Higuaín aus Turin, Inter zahlte geschätzte 38 Millionen Euro Ablöse an AS Rom für Radja Nainggolan. Der Titelkampf der Serie A könnte daher nach der Juve-Dominanz der vergangenen Jahre wieder mehr Spannung bieten – und Italien zum Serie-A-Auftakt inmitten der Trauer um die Opfer von Genua zumindest wieder mal ein paar andere Schlagzeilen bescheren.