Zuschlag für das Amerika-Trio

dpa

Von dpa

Do, 14. Juni 2018

Fußball-WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen – was bedeutet das für Fans und Verband?.

MOSKAU (dpa). Der Fifa-Kongress hat gleich drei Gastgeber für die WM 2026 gekürt. Mit 134:65 Stimmen setzten sich die USA mit Mexiko und Kanada souverän gegen Marokko durch. Logistisch wie finanziell ist das für den Fußball-Weltverband (Fifa) die bessere Option. Doch politische Fragen bleiben.

Was gab den Ausschlag für
die USA, Mexiko und Kanada?
Geld und Macht. Diese zwei Faktoren spielten die Hauptrolle beim WM-Zuschlag. Das Amerika-Trio verspricht einen WM-Gewinn von 14,3 Milliarden Dollar (12,1 Milliarden Euro) – fast doppelt so viel die unterlegenen Marokkaner. Dieses Geld kann die Fifa gut gebrauchen. Das haben viele Verbände bei ihrer Entscheidung berücksichtigt. Die Summe wurde im Evaluierungsbericht veröffentlicht. Dort bekamen die Amerikaner eine deutlich bessere technische Bewertung, was auch den Deutschen Fußball-Bund zur Stimme pro Amerika bewegte.

US-Präsident Donald Trump erzeugte mit seiner Einwanderungspolitik und beleidigenden Äußerungen ("Dreckslochstaaten") zunächst Gegenwind für die Amerika-Bewerbung. Dann agierte er aber mit Drohungen für mögliche Marokko-Wähler geschickter. Sein Motto: Wer uns nicht wählt, bekommt von uns keine Hilfe mehr. Das hat viele kleine Länder der Kategorie Afghanistan oder Liberia bestimmt beeinflusst.

Was bedeutet das für die

Fifa und ihren Präsidenten?
Weltverbandschef Gianni Infantino kann durchatmen. Öffentlich durfte er nicht Partei ergreifen, doch hinter den Kulissen lief viel Lobby-Arbeit für Amerika. Marokko mit seinen infrastrukturellen Defiziten hätte dem Weltverband in den kommenden Jahren eine Dauerdiskussion um nicht fertige Stadien und fehlende Hotelkapazitäten beschert – keine gute Grundlage um weiter fehlende Sponsoren zu akquirieren. Jetzt kann sich Infantino in Ruhe um seine angestrebte Wiederwahl im nächsten Jahr kümmern. Er wird den unterlegenen Afrikanern gewiss manch Kompensationsgeschenk offerieren.

Wo liegen mögliche
Probleme der Gastgeber?
Der Gratulations-Tweet von Trump kam wie erwartet schnell. Doch unter dem US-Präsidenten haben sich die Beziehungen zwischen den USA und ihren Nachbarn verschlechtert. Die Fifa wird genau darauf achten müssen, dass es zu keiner Verletzung der eigenen Statuten in Menschenrechtsfragen kommt, sonst tun dies die Weltverbands-Kritiker. Freier Zugang zum WM-Land ist eine Grundbedingung – unabhängig von jeder Religion oder Staatsangehörigkeit. Eine Mauer zwischen zwei WM-Gastgebern wie von Trump an der mexikanischen Grenze geplant, wäre auch keine gute Turnier-Werbung.

Wo wird gespielt, und was heißt
das für die Fans in Deutschland?
Die USA wird der Hauptgastgeber sein. 60 der 80 Spiele und zehn der 16 Spielorte sind dort vorgesehen. Mexiko (Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey) und Kanada (Edmonton, Montreal, Toronto) haben je drei Spielorte sowie je zehn Spiele. Am Eröffnungstag steigen Spiele in allen drei Ländern. Das Finale soll in Dallas, Los Angeles oder New York/New Jersey stattfinden. Durch die Zeitverschiebung von bis zu neun Stunden müssen sich die deutschen Fans auf manche Nachtschicht vor dem TV einstellen.