Fußball-Nationalelf

Deutsche Kicker sind in der Bringschuld gegen den Weltmeister

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mi, 05. September 2018 um 21:04 Uhr

Nationalelf

Nach dem blamablen Vorrunden-Aus treffen die deutschen Kicker im ersten Spiel nach der WM ausgerechnet auf den Weltmeister: Frankreich.

Was hat sich bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verändert seit dem blamablen WM-Auftritt? Es sind zumindest Kleinigkeiten und Äußerlichkeiten.

Wenn Joachim Löw dieser Tage auf den Trainingsplatz schritt, dann in einer fast schon majestätischen Pose. Beispielsweise mit einem akkurat über das Poloshirt gebundenen Pullover. Wenn der Bundestrainer hernach seine Spieler im Kreis versammelte, baumelte allein noch die Trillerpfeife um seinen Hals. Ein Signal, dass Löw, der seinen einstigen Assistenten Thomas Schneider nicht mehr dabei hat, wieder mehr um seine originäre Aufgabe kümmert. Es sind eher kleine Veränderungen, die beim Nationalteam auffallen, wenn nach gerade mal drei gemeinsamen Einheiten gleich der Weltmeister Frankreich vorstellig wird. Der schwierigste Gradmesser, den ein Auftakt in die Nations League in der ausverkauften Arena in Fröttmaning an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/ ZDF) hätte bieten können. Am Mittwoch im Mannschaftshotel stellte sich Löw im vollbesetzten Ballsaal erstmals einer internationalen Presseschar, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Zuge der Bewerbung für die EM 2024 geladen hatte. Dass vor allem englische Medienvertreter noch einmal vollumfänglich die Causa Mesut Özil behandelt haben wollten, zu der Löw nur Altbekanntes wiederholte ("es gab nie Rassismus bei uns"), schien ihn nicht groß zu stören. Vielleicht weil der im griffigen Grün gekleidete 58-Jährige selbst froh ist, dass nach der WM-Blamage endlich die Chance zur Wiedergutmachung gekommen ist. Nicht einmal eine persönliche Belastung will er vor den Spielen gegen Frankreich und Peru (Sonntag, 20.45 Uhr/RTL) verspüren: Ich habe über 160 Länderspiele gemacht als Trainer, deswegen werde ich vom Druck nicht aus der Bahn geworfen."

Nachdem "die Trainer hart mit sich ins Gericht gegangen sind" (O-Ton Löw), spürt er auch bei seinen Spielern "eine positive Ungeduld, die Dinge besser zu machen." Er wünscht sich eine "Aufbruchsstimmung, aber wir sind nicht so naiv, dass nach zwei guten Spielen alles vergessen ist, was bei der WM passiert ist." Man sei gewillt, "ein völlig anderes Gesicht zu zeigen". Oder wie es Toni Kroos formulierte: "Wir sind ein bisschen in der Bringschuld." Besser wäre es, Deutschlands Fußballer des Jahres hätte das Wörtchen "bisschen" weggelassen. Bis heute wirkt rätselhaft, warum Leidenschaft und Bereitschaft beim bedeutendsten Turnier eines Kickers fehlen konnten.

Die Kardinalfrage für die Zukunft lautet, wie viel Löw in der Ausrichtung verändert, um sich den veränderten Gegebenheiten im Weltfußball anzupassen. Antwort: Es wird keine brachiale Änderung geben. "Wir werden uns nicht komplett umstellen", beteuerte der Freiburger, "das wäre kompletter Blödsinn." Stattdessen lautet "Ausgewogenheit" das Leitmotiv. Ein Genussmensch, der gerne am Espresso nippt, wird nicht plötzlich eine Maß Bier die Kehle hinunterstürzen.

So wollen sie spielen: Deutschland: Neuer – Kimmich, J. Boateng, Hummels, N. Schulz – Gündogan, Goretzka, T. Kroos – T. Müller, T. Werner, Reus. Frankreich: Areola – Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez – Kanté, Pogba – Mbappé, Griezmann, Matuidi – Giroud. Schiedsrichter: Orsato (Italien).