Die Zeichen des Regenbogens

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mo, 03. September 2018

Frauenfussball

Nach dem 2:0-Sieg gegen Island hat das deutsche Frauen-Nationalteam das Ticket für die Weltmeisterschaft 2019 so gut wie sicher.

REYKJAVIK. Ursprünglich war die Blaue Lagune ja mal ein Geheimtipp der Jugendlichen von Reykjavik, die das abfließende Wasser eines Geothermalkraftwerks als unbehelligte Bademöglichkeit entdeckten. Spätestens als das gesamte Areal in der Nähe des Flughafens Keflavik im vergangenen Jahr noch einmal verdoppelt wurde, gibt es kaum noch Island-Touristen, die diese Stationen auslassen. Auch Horst Hrubesch hat das weltberühmte Wellness-Areal aufgesucht, als der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Interimstrainer des Frauen-Nationalteams im Dezember die Insel im Nordatlantik bereiste. Eigentlich wäre der Hobbyfischer ja lieber irgendwo zum Angeln gefahren, "aber das erlaubt meine Frau im Urlaub nicht".

Hrubesch erzählte die Episode am Samstag nach dem erlösenden 2:0-Erfolg gegen Island, bei dem im deutschen Team auch die Ex-Freiburgerinnen Carolin Simon, Sara Däbritz, Melanie Leupolz, Verena Schweers (ehemals Faißt) und die kurz vor Schluss eingewechselte Lina Magull zum Einsatz kamen, mit einem breiten Grinsen. Der Mann hat mal wieder eine Mission erfüllt: die Qualifikation für die Frauen-WM 2019 in Frankreich unter Dach und Fach zu bringen. In der letzten Partie auf den Färöer Inseln (Dienstag, 17 Uhr/ARD) kann kaum noch etwas schiefgehen. Das Hinspiel gewannen die deutschen Fußballerinnen mit 11:0. Für die wichtigste Partie seiner kurzen Amtszeit knobelte der sturmerprobte Nothelfer eine vor allem wetterfeste Ausrichtung aus: ein deutsches Team, das sich in der Wahl seiner Mittel bei Regen, Wind und Sonne am isländischen Vorgehen orientierte, weil es immer wieder lange Schläge einstreute.

Für den Pragmatiker war es die logische Lehre aus der 2:3-Hinspielblamage, wo Alexandra Popp und Co. vor lauter Kombinieren das Toreschießen vergaßen. "Wir haben den Gegner überrascht: Er hat nicht damit gerechnet, dass wir ihn mit den eigenen Waffen schlagen", konstatierte der 67-Jährige genüsslich und wirkte so zufrieden, als sei ihm in der windigen Bucht von Reykjavik ein prächtiger Dorsch an den Haken gegangen. "Der Plan ist perfekt aufgegangen", lobte die Angreiferin Popp. "Wir haben die Bedingungen für uns genutzt", befand die Kapitänin Kristin Demann, die sich mit ihrer Übersicht als Abwehrchefin zur stärksten Akteurin aufschwang. Mit heißem Herzen und kühlem Kopf setzten "meine Mädels" (O-Ton Hrubesch) die Vorgabe um, als wüssten sie die Gegensätze auf dem Land aus Feuer und Eis perfekt zusammenzubringen. Zweimal traf Allrounderin Svenja Huth (42. und 74.) als Kontrapunkt zur "Hu! Hu! Hu!"-Unterstützung von den erstmals mit 15 000 Zuschauern vollbesetzten Tribünen im Stadtteil Laugardalur (Warm-Wasser-Tal). Zumindest der eifrig mitklatschende DFB-Präsident Reinhard Grindel deutete den wundervollen Regenbogen, der sich über dem Nationalstadion zeigte, als Symbol für den Aufbruch des gesamten deutschen Fußballs. "Der September ist ein wichtiger Monat für den DFB. Das war ein toller Auftakt."

Grindel sehnt ähnliche Erfolgsmeldungen für das Männer-Team in der Nations League gegen Weltmeister Frankreich (6. September) und vor allem bei der Vergabe der EM 2024 (27. September) herbei. Eine Grundsatzdiskussion im Frauenfußball hätte da noch gefehlt. Auch Joti Chatzialexiou, der sportliche Leiter in der DFB-Direktion von Oliver Bierhoff, verfolgte den Stresstest vor Ort.

Die Erleichterung war der Männerrunde der DFB-Funktionäre anzusehen, die in der Aufwärmhalle des Stadions Laugardalsvöllur flachste und mehrfach auf das breite Hrubesch-Kreuz klopfte. Selbstvertrauen einimpfen und Zusammenhalt fördern kann der Mann generationen- und geschlechterübergreifend wie kein anderer. Hrubesch war sich übrigens sicher, dass "meine Mädels erst 70, 75 Prozent des Leistungsvermögens" abgerufen haben. Zumal die Saison in der Frauen-Bundesliga ja auch noch gar nicht angefangen hat. Sie beginnt erst in zwei Wochen.