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26. Juni 2012
Stürmer
Miroslav Klose wird in Italien als Torphänomen verehrt
In Italien wird Deutschlands Stürmer Miroslav Klose nach nur einer Spielzeit mit 13 Ligatoren verehrt. Die Medien bezeichnen ihn als Torphänomen, die Gegner zollen ihm höchsten Respekt.
"Es war eine Flanke, wir bekommen den Ball nicht weg, dann wird er durchgesteckt und der Grosso schießt in die lange Ecke." Präziser kann die Beschreibung eines Gegentores kaum sein. Miroslav Klose schildert die Szene, als sei sie vor wenigen Minuten abgelaufen. Doch das Ganze liegt sechs Jahre zurück. Die entscheidenden Sekunden im WM-Halbfinale hat der Angreifer von der Bank aus verfolgt. In der 111. Minute war er ausgewechselt worden, in der 119. Minute wandte sich das Schicksal gegen die deutsche Mannschaft. Am Ende stand es 0:2 und das Sommermärchen war für die Gastgeber zu Ende.
"Man kann schon von einem Trauma sprechen", findet Klose. Immerhin sei es eine WM im eigenen Land gewesen. Den Eindruck, als benötige er psychotherapeutische Hilfe, erweckt er allerdings nicht. Im Gegenteil. Kloses Ansagen vor dem erneuten Halbfinal-Duell sind eindeutig: Jetzt noch von einem Knacks zu sprechen, wäre Wahnsinn. "Italien kann kommen. Die Zeit ist reif."
Was soll er auch anderes sagen, könnte man denken. Doch Kloses forscher Optimismus hat nichts mit dem in der Branche durchaus noch üblichen Revierverhalten zu tun. Zumal der stille Hobbyangler wahrlich keiner ist, der durch Prahlerei auffällt. Klose ist einfach nur überzeugt von der talentierten Mannschaft, die da um ihn herum gediehen ist. "Vor vier, fünf Jahren hieß es immer: kein gescheiter Torwart, kein Stürmer, kein Mittelfeldspieler. Und jetzt haben wir alles, sind doppelt und dreifach besetzt", schwärmt er.
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Eigentlich ist Klose ein Kind der Ära Rumpelfüßer. So hatte Franz Beckenbauer das deutsche Kreativdefizit einst umschrieben. Als der gebürtige Pole Nationalspieler wurde, hießen seine Teamkollegen Jeremies, Ramelow und Rehmer, brachten viel Kampfgeist mit, aber nur bescheidenes Talent.
Heute steht Klose mit lauter Hochbegabten auf dem Platz, die ihn faszinieren. "Wenn ich sehe, was wir früher manchmal für Spiele abgeliefert haben, und was wir heute für einen Fußball spielen – Wahnsinn!"
Mindestens genauso bemerkenswert wie die Talentfülle ist, dass Klose keineswegs wie ein Relikt aus längst vergessenen Zeiten wirkt. Die vielen neuen Spielgefährten, so scheint es, haben ihn seiner wahren Fußballer-Berufung zugeführt. Ein bisschen spät, wie er bedauert. "Das schnelle, moderne Spiel liegt mir", sagte er kürzlich im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. "Ich wäre jetzt gern im Alter der Jungs."
Klose ist 34, er nennt seinen Körper Kadaver, muss diesem regelmäßige Ruhepausen gönnen und diesen täglich mit speziellen Übungen in Schuss halten. Bei Lazio Rom, seinem Arbeitgeber in Italien, karren sie zu den Auswärtsspielen eigens für Klose eine Wanne durch die Gegend, damit der müde Kicker nach getaner Arbeit zur Regeneration in Eis baden kann. Sie tun das übrigens gerne.
In Italien wird Klose nach nur einer Spielzeit mit 13 Ligatoren verehrt. Die Medien bezeichnen ihn als Torphänomen, die Gegner zollen ihm höchsten Respekt. "Miroslav Klose ist noch einer der wenigen echten Bomber", urteilt die italienische Torwart-Legende Gianluigi Buffon. Wobei Klose der zweite Teil des Loblieds weitaus besser gefallen dürfte: "Er ist technisch stark, schnell und clever."
der Rumpelfüßer
Inzwischen kann Klose, der vor der EM verletzt war, den Erwartungen gerecht werden. Auch seinen eigenen. "100 Prozent zu erreichen ist schwierig in meinem Alter", hat er während der Vorrunde eingeräumt – und dabei noch viel älter geklungen, als er ist. Seit dem Spiel gegen Griechenland hört sich Klose so an: "Ich bin zu 100 Prozent fit und habe Lust."
Dass er gegen Italien von Beginn an spielen wird, davon geht auch Miroslav Klose selbst aus. "Ich bereite mich zumindest entsprechend vor", sagt er. Akribisch natürlich, wie immer. Und somit wohl ein wenig anders als die Gegner. "Es sind schon Unterschiede da", erklärt der Italien-Kenner. Nein, dass die Azzurri faul seien, das würde er so nicht behaupten wollen. "Sie versuchen schon immer, ihr Bestes zu geben", urteilt Klose generös, um dann in Ruhe seine Schlusspointe vorzubereiten: "Zumindest ist ihr Gesichtsausdruck immer so." Auch Kloses Humor ist wie sein Spiel mit den Jahren feiner geworden.
Autor: / Von René Kübler


