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19. Mai 2017 00:00 Uhr

Bundesliga

Hamburger SV steht vor Endspiel um Relegationsplatz

Für den Hamburger SV geht es mal wieder um alles. Immerhin: Zumindest finanziell ist der Klub gerettet. Die Lizenzbedingungen wurden erfüllt. Allerdings nur dank der Hilfe von außen.

  1. Im Spiel gegen Wolfsburg geht es für den HSV mal wieder um (fast) alles. Foto: dpa

  2. Klaus-Michael Kühne Foto: dpa

Welcher Liga der Hamburger SV künftig angehört, ist einen Spieltag vor dem Ende der Saison noch nicht entschieden. Die Hamburger müssen im eigenen Stadion gegen Wolfsburg gewinnen, wenn sie nicht zum dritten Mal in vier Jahren in die Relegation einziehen wollen. Immerhin: Die Lizenzbedingungen für die erste und auch zweite Bundesliga hat der Klub erfüllt. Allerdings nur dank der Hilfe von außen.

Noch vor wenigen Wochen hatte die Deutsche Fußball-Liga den Hamburgern die Lizenz nur unter Auflagen erteilt. Vermutlich resultierten diese Einschränkungen daraus, dass der HSV seit Jahren mehr Geld ausgibt als einnimmt. Die Kader-Kosten passen eher zu einem Champions-League-Anwärter als zu einem Abstiegskandidaten, in dieser Saison machte der Klub bei Transfers ein Minus von fast 40 Millionen Euro. Insgesamt sollen die Verbindlichkeiten mindestens 75 Millionen Euro betragen.

Dass es jetzt doch klappt mit der Lizenz ohne Auflagen, das ist dem Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne zu verdanken. Für 15 bis 20 Millionen Euro stockte der 79 Jahre alte Investor seine Anteile an der Fußball-AG des Vereins auf, von elf auf 17 Prozent, und verschaffte den Hamburgern damit frisches Geld. Wieder einmal musste der Edel-Fan einspringen, um Finanz-Löcher zu stopfen. Wieder einmal rettete Kühne den HSV.

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Der wichtigste Mann im Klub ist mittlerweile keiner der Spieler mehr, auch nicht Trainer Markus Gisdol, Manager Jens Todt oder Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Der wichtigste Mann im Klub ist Kühne – was zunehmend Skepsis auslöst. "Alles Kühne oder was?", fragt das Hamburger Abendblatt. "Der Kühne-Wahnsinn", titelt die Hamburger Morgenpost und nennt die Beziehung des Vereins zu seinem Investor einen "Teufelskreis ohne Ausweg". Bei vielen Fans ist Kühne ohnehin umstritten. Sie fragen sich, was den HSV überhaupt noch von Mäzenaten-Klubs wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leipzig unterscheidet. Und fürchten, dass Kühne irgendwann die Lust verlieren könnte. Und dann?

Der Verein hat sich in eine bizarre Abhängigkeit begeben. Insgesamt hat der Unternehmer in den vergangenen Jahren wohl rund 100 Millionen Euro in den HSV gepumpt. Er finanzierte 2012 die Rückkehr Rafael van der Vaarts und bescherte den Hamburgern damit Glamour und Aufmerksamkeit. Doch der Mittelfeldspieler aus den Niederlanden konnte nicht an die Leistungen aus seinem ersten Engagement beim HSV anknüpfen, stattdessen wurde er zum Symbol des Niedergangs. Anfang 2015 kaufte Kühne die Namensrechte der Arena, die seitdem wieder Volksparkstadion heißt, in Erinnerung an die gute, alte Zeit. Es steckt viel Populismus in seinen Maßnahmen.

Im November 2015 soll der Unternehmer dem HSV mit einem Darlehen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt haben, der Verein sprach damals von "Vereinbarungen zur Absicherung der Liquidität". In der laufenden Saison stellte Kühne fast 50 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung. Doch die von seinem Geld verpflichteten Profis enttäuschen, einige weniger (Filip Kostic, Walace), andere mehr (Alen Halilovic, Douglas Santos). Der HSV kommt trotz Kühnes ständigen Zuschüssen nicht voran. Dennoch: Der Unternehmer hat den Klub in der Hand.

Dafür erlaubt sich Kühne, in der Vereinspolitik mitzumischen, auch wenn die Hamburger das natürlich bestreiten. Den einstigen Sportchef Oliver Kreuzer beleidigte er als "Drittliga-Manager", nach nur einem Jahr wurde Kreuzer entlassen. Auch am Aus von Peter Knäbel soll Kühne beteiligt gewesen sein. Der Kühne-Vertraute Karl Gernandt war bis Dezember Chef im Aufsichtsrat des Klubs. Mit der Ausgliederung der Profi-Sparte in eine AG im Sommer 2014 wollte sich der HSV für ein breites Investoren-Spektrum öffnen. Doch er hat sich vor allem für Kühne geöffnet.

Wie lange der Unternehmer noch motiviert ist, den Lebensretter zu spielen, ist allerdings unklar. Er wird ungeduldig, will Erfolge sehen. "Ich bin frustriert. Die Finanzen wurden zerrüttet", klagte Kühne gerade in der Sport-Bild – und ließ offen, ob er die Hamburger auch in der kommenden Transferphase unterstützt. Seine Bereitschaft wird sicher auch davon abhängen, in welcher Liga der Klub künftig spielt.

Autor: Hendrik Buchheister