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29. April 2009

Die Krise als Chance verstanden

Handballer Felix Danner hat den finanziell klammen Zweitligisten HR Ortenau verlassen und will sich nun in der ersten Liga bei Melsungen etablieren

  1. Felix Danner sagt: „Ich will alles versuchen, um Stammspieler in der Bundesliga zu werden.“ Foto: toli

MANNHEIM. In der SAP-Arena beim Handball-Bundesligaspiel zwischen den Rhein-Neckar-Löwen (früher Kronau-Ös-tringen) und dem MT Melsungen läuft die elfte Spielminute, als Gästetrainer Robert Hedin seine Neuverpflichtung Felix Danner (23) aufs Feld schickt. Wenige Sekunden später gewinnt der seinen ersten Zweikampf gegen den einstigen Welthandballer, den Franzosen Jackson Richardson, muss sich mit deutschen Kreisläufer-Stars wie Christian Schwarzer und Andrej Klimovets auseinander setzen. Danner, selber auch am Kreis zu Hause, kommt aus Freiburg und hat jetzt den Sprung in die stärkste Handball-Liga der Welt geschafft.

Ein Treffer gegen das Champions-League-Team
Dass ich mal gegen solche Leute spiele, in der Bundesliga, davon habe ich früher höchstens geträumt", erzählt der 1,95-Meter-Mann in den Katakomben der Arena, in der er in der 54. Minute vor mehr als 8000 Zuschauern auch noch "sein" Tor, das 29:37, erzielt hatte. Nach guter erster Halbzeit gegen den Champions-League-Halbfinalisten (17:17), brachen die Melsunger im zweiten Durchgang dann völlig ein (Endstand: 31:43).

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Seinen ersten Handball bekam Felix Danner mit vier Jahren von seinem Vater geschenkt, da spielte der Kleine bei den Minis im Sportverein Kappel, wo er zusammen mit seinen Handball-Brüdern Heiko und Steffen, seiner Schwester Tina und den Eltern Johannes und Ulrike aufwuchs. Die Familie reiste übrigens komplett zum Spiel nach Mannheim an. "Wir sind alle sehr stolz, nur wenige Spieler haben so eine Chance, die muss der Felix jetzt nutzen", sagt sein Vater. Stolz war die Familie wohl auch, als Felix Danner dann im nächsten Spiel der Melsunger beim 38:26 gegen Schlusslicht Essen fünf Tore wirft.

Als 14-Jähriger wechselte der junge Danner zur SG Köndringen-Teningen, für die er später in der Regionalliga in 110 Spielen 444 Tore warf. Im Mai 2007 ging er zum Zweitligisten HR Ortenau. Hernach kamen Anfragen vom HSV Hamburg, vom VfL Gummersbach, Danner unterschrieb aber im Januar – vor allem aufgrund erwartbar größerer Spielanteile − einen Zweijahresvertrag bei der "grauen Maus" Melsungen, wohin er nach der finanziellen Großschadenslage der HR Ortenau schon mitten in der Saison wechselte – mit ihm übrigens auch der derzeit verletzte Jens Schöngarth, der ebenfalls aus Teningen in die Ortenau gegangen war.

In der Fachwerkstadt hat sich Kreisläufer Danner vertraglich bis Juni 2011 gebunden. Offensiv ist er derzeit nur zweite Wahl – hinter dem dänischen Nationalspieler Thomas Klitgaard, der gegen die Löwen einer der besten Melsunger war. "Das ist ein ganz starker Mann, ich bin über jede Minute im Angriff froh, aber auch über jede in der Abwehr", sagt Danner, der von jeher zu leisen Tönen neigt. Im Innenblock bekommt er indes durchaus opulente Spielanteile. Den gelernten Anlagenmechaniker zeichnen großes Spielverständnis und Zweikampfstärke aus.

Zwischen Handballspielen und Abitur nachholen
Zwischen den beiden täglichen Trainingseinheiten büffelt er an der Studiengemeinschaft Darmstadt, wo er jetzt sein Abitur nachmacht und hernach wahrscheinlich Sport-Management studieren will. Neben dem Fernstudium muss Danner derzeit auch eine Fernbeziehung führen, denn seine Freundin wohnt noch in Offenburg, "wir können uns jetzt nur an den Wochenenden sehen, aber sie wird bald nachkommen". Zur neuen Saison bekommen die Melsunger einen neuen Trainer. "Dann muss ich mich wieder beweisen. Ich werde alles versuchen, um Stammspieler in der Bundesliga zu werden."

Autor: Lars Bargmann


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