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14. April 2009

"Die Stadt kann kein Retter sein"

Die darbende Handballregion Ortenau sucht nach Bürgen, doch Offenburgs Bürgermeister Christoph Jopen winkt ab

  1. Christoph Jopen Foto:  Seller (A)

HANDBALL (uws). Die Stadt Offenburg sieht sich nicht als Retter der notleidenden Handballregion Ortenau (HRO). Dies schrieb jetzt deren Bürgermeister Christoph Jopen aus gegebenem Anlass in einem Offenen Brief.

Die prekäre finanzielle Lage der HRO ist bekannt: Der Etat für die kommende Saison, der sich auf 700 000 bis 800 000 Euro belaufen soll, ist nur zur Hälfte gedeckt. In einem Pressegespräch am vergangenen Donnerstag hatten Vertreter der HRO einen allerletzten Hilferuf ausgesendet: Nur wenn sich Bürgen für die benötigte Summe finden, wird es die HRO weiterhin geben. Jürgen Siegloch, Geschäftsführer von Burda Direct und einer der Initiatoren der HRO, hatte in diesem Zusammenhang die Stadt Offenburg als möglichen Bürgen ins Gespräch gebracht. Darauf hat jetzt deren Bürgermeister Christoph Jopen geantwortet.

Jopen erklärt, dass Siegloch, den er als einen großen Förderer der Ortenauer Handballs bezeichnet, ihm in der vergangenen Woche von der außerordentlich schwierigen Situation der HRO berichtet habe. "Mir tut dies weh, weil auch die Stadt Offenburg zwei Jahre lang auf das große Ortenauer Sportprojekt HRO gesetzt hat. Entsprechend haben wir uns beim Thema Spielstätte engagiert", schreibt Jopen.

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Wenn jetzt eine der Ortenauer Zeitungen – Jopen meint das Offenburger Tageblatt – eine Bürgschaft der Stadt als einen ernsthaften Ausweg aus der finanziellen Krise der HRO beschreibe, dann sei es notwendig, so Jopen, dass man auch eine weitere Ortenauer Zeitung lese – in diesem Fall meint er die Badische Zeitung. Dort sei zu lesen, so der Bürgermeister weiter, dass Herr Siegloch die Frage nach dem möglichen Bürgen "mit einem Lächeln" beantwortet habe. "Herr Siegloch weiß wie ich, dass die Stadt Offenburg hier leider kein Retter in der Not sein kann."

Jopen nennt in seinem Offenen Brief dafür zwei Gründe: "Die Stadt darf im Profisport nicht ausgleichen, was die Ortenauer Wirtschaft derzeit nicht leistet oder nicht leisten kann. Die Stadt wird 2010 und 2011 einen deutlichen finanziellen Einbruch erleben, der manche Hoffnung platzen lassen wird. Niemand würde es verstehen, wenn wir uns gleichzeitig bei den Betriebskosten des Profisports engagieren. Eine Bürgschaft löst das Problem auch nicht. Eine Bürgschaft hilft einen Kredit sicherer zu machen, damit zum Beispiel ein Sportverein einen zugesagten, aber noch nicht ausgezahlten Zuschuss des Badischen Sportbundes vorfinanzieren kann. Eine Bürgschaft in Sachen HRO würde nur formal eine Lücke schließen, die letztlich nur durch echte Geldzusagen geschlossen werden kann."
Für Jopen bleibt demnach nur ein Weg: Mit dem Geld die neue Saison zu beginnen, das wirklich fest zugesagt ist, auch wenn der derzeit zugesagte Etat die Gefahr des Abstiegs beinhalte. "Wenn es heute im April 2009 bereits 400 000 Euro sind, dann können es möglicherweise in der zweiten Hälfte der kommenden Saison, also ab Januar 2010, mehr sein, die dann auch real vorhanden sind und zur Verstärkung eingesetzt werden können. Auch im Sport sollte niemand das Geld ausgeben, das nur am Horizont als Hoffnung vorhanden ist."

Zum Schluss schreibt der Bürgermeister: "Es scheint ja so, dass die laufende Saison – wenn alle ihre Zusagen einhalten – gedeckt werden kann. Das ist die Aufgabe Nummer eins. Dann kann man mit regionalen Talenten und einem schmalen Etat die neue Saison beginnen und diesen dann Schritt für Schritt erhöhen."

Autor: bz