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27. Februar 2009

"Haben soziale Verantwortung"

BZ-INterview mit Helmut Hilzinger zur HR Ortenau.

HANDBALL. Noch ist die HR Ortenau nicht verloren. Zum Endspurt der Rettungsaktion – aktueller Spendenstand 94 901,70 Euro – sprach BZ-Redakteur Wolfram Köhli mit dem HRO-Beiratsmitglied Helmut Hilzinger.

BZ: Es scheint fast so, der Erhalt des Leistungshandballs in der Ortenau ist nur für Sie eine Herzensangelegenheit?
Hilzinger: Nein, das ist bei weitem nicht so. Es gab noch nie so viel Verständnis und Unterstützung für die Angelegenheit wie derzeit. Alle Vereine, die sich in der HR Ortenau eingebracht haben, ziehen an einem Strang, arbeiten zusammen und ordnen sich einem Ziel unter: dem Spitzenhandball in der Region weiterhin eine Heimat zu geben.

BZ: Wie konnte es bei so viel Solidarität zu der prekären Situation kommen?
Hilzinger: Wir haben es einfach nicht geschafft, die Wirtschaft hinter das Projekt zu bringen. Sicher ist es auch ein Nachteil, dass wir noch immer in Willstätt spielen. Zweitligahandball scheint für viele noch immer eine Willstätter Veranstaltung zu sein. Ob die Situation bei einem Spielort Offenburg tatsächlich besser wäre, wage ich nicht zu sagen. Es ist ja zu genüge bekannt, dass nach dieser Runde in Offenburg auf dem Messegelände gespielt wird. Die Halle wird ja gerade von der Stadt Offenburg dafür umgebaut.

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BZ: Kam die HR Ortenau zu spät?
Hilzinger: Es ist eigentlich nie zu spät. Wir hatten anfangs Pech mit den Geschäftsführern. Zuerst der Treppensturz von Klaus Ruf und dann die Erkrankung von Hugo Frey. Das war alles nicht von Vorteil. Das Engagement aller Beteiligten war dennoch gut. Wir hätten noch mehrere Männer wie Manfred Basler gebrauchen können – für die Region Offenburg, Kehl und Achern. Der Vorsitzende des Förderkreises hat im Lahrer Raum toll gearbeitet und mit dem Europa-Park, der Firma Herrenknecht und die Volksbankengruppe wichtige Sponsoren akquiriert. Wir haben alle daran gearbeitet das Event Spitzenhandball nach Offenburg zu bringen, in die Metropolregion. In den großen Hallen findet Handball statt. Der örtliche Dorfverein hat auch in der zweiten Liga in der Regel keine Überlebenschance mehr.

BZ: Sie verfolgen die Zahlen auf dem Spendenkonto. Mit welchen Gefühlen?
Hilzinger: Es ist erstaunlich, wie viele Privatspender über 50 und 100 Euro es jetzt schon gibt. Da kann man ein ganz herzliches Dankeschön sagen. Das zeigt der Spitzenhandball ist beim Zuschauer angekommen. Es ist aber deutlich schwieriger geworden mit der Wirtschaft heute über Sponsoring zu sprechen. Aber auch als die Wirtschaftkrise noch nicht alles bestimmte, standen wir nicht viel besser da. Von der regionalen Wirtschaft bekommen wir Zustimmung, aber wir müssen hören, es sei gegenüber den Mitarbeitern nicht zu verantworten, den Handball zu unterstützen, wenn im eigenen Betrieb große Probleme bestehen. Da habe ich absolutes Verständnis.

BZ: Was muss bis Montag, 20 Uhr, passieren, wenn sich der erweiterte Aufsichtsrat zu seiner Sitzung trifft?
Hilzinger: Wir müssen ganz nahe an die 250 000 Euro rankommen. An ein paar Tausend Euro soll es nicht scheitern. Daher haben Herr Siegloch und ich noch einen persönlichen Aufruf gestartet.

BZ: Sie strahlen allen Entwicklungen zum Trotz die Überzeugung aus, der Spitzenhandball in der Ortenau werde eine Zukunft haben.
Hilzinger: Der Spitzensport hat nur dann eine Zukunft, wenn er von der Wirtschaft gestützt wird. Wir als Firmen haben auch eine soziale Verantwortung für unsere Heimatregion. Außerdem entwickeln sich Charaktere in einer Mannschaftssportart viel positiver. Die Jungs lernen sich gegenseitig zu helfen, wissen, dass sie für den Erfolg auf den Nebenmann angewiesen sind. Davon profitieren alle. Wir sind hier eine schöne und vor allem auch eine starke wirtschaftliche Region. Die Bevölkerung verdient ein solches Sportevent. Da findet doch auch ein Teil unserer Freizeit statt, ohne dass man in die größeren Städte fahren muss. Das wir auf dem richtigen Weg sind, zeigen doch auch die permanent gestiegenen Zuschauerzahlen. Wir haben heute einen Schnitt von 1500 Zuschauern. Das ist ein absoluter Spitzenwert in der Zweiten Liga. Da brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken. In Offenburg hätten wir ja von der Infrastruktur dazu noch bessere Rahmenbedingungen.

BZ: Was steht alles auf dem Spiel?
Hilzinger: Es gibt keinen Breitensport ohne Spitzensport. Die Jugend braucht Idole und die findet sie nur im Spitzensport. Viele wissen nicht, was an dem regionalen Leistungs- und Spitzensportzentrum hängt mit Okengymnasium, Theodor-Heuss-Realsschule und Walldorfschule. Da haben wir eine Jugendarbeit installiert, die für die Region wichtig ist. Gäbe es keinen Bundesligisten mehr, fällt die Förderung des Landes Baden-Württemberg weg. Auch dieses Projekt wäre dann zum Scheitern verurteilt. Wenn wir es tatsächlich nicht schaffen sollten, werden wir zu spät merken was wir verloren haben. Ich befürchte, wir werden dann für längere Zeit in unserer Region keinen Spitzensport mehr haben.

Autor: wok


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